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NWZonline.de Ratgeber Reise

Cevennen In Frankreich: Sehnsuchtsort für Naturliebhaber

16.11.2019

Nimes Der südfranzösische Nationalpark der Cevennen ist Sehnsuchtsort für jeden Naturliebhaber. Viele sehen in ihm eine letzte Wildnis in Europa. 300 000 Hektar herbe Landschaft, tosende Flüsse, tiefe Schluchten, felsige Gipfel mit spektakulärem Ausblick und Einsamkeit satt. Der Landstrich ist spärlich besiedelt, hin und wieder sieht man ein paar Schafe mit einem Hund und einem Schäfer, sonst kilometerlang keine Menschenseele. Hier, nur 130 Kilometer vom Mittelmeer entfernt, hat der Massentourismus der Natur noch nicht gänzlich seinen Stempel aufgedrückt. Die Unesco hat das Gebiet zum Welterbe der Menschheit erklärt.

Gigantische Felsen

Der Rand der Cevennen, sozusagen ihr südlicher Einstieg, ist noch nicht ganz so herb. Dort befindet sich der Pont du Gard. Ein Aquädukt, am Fluss Gardon gelegen, das seinesgleichen sucht. Drei Stockwerke, fast 50 Meter hoch. Die höchste römische Brücke der Welt. Überflüssig zu erwähnen, dass das Welterbe-Siegel der Unesco, welches in den Cevennen noch oft auftaucht, hier wegen der technischen Meisterleistung vergeben wurde. Der Wasserkanal über den Fluss Gardon lieferte zu Römerzeiten täglich 20 000 Kubikmeter fließendes Wasser in die benachbarte Stadt Nimes, die in der Antike etwa 20 000 Einwohner hatte.

Wer sich den Cevennen vom Pont du Gard nähert, kommt an zwei der zahlreichen herausragenden Hotspots einfach nicht vorbei. Die Schluchten „Gorges du Tarn“ und „Gorges D`Àrdèche“. Gigantische Felsen, darin und davor – fast schon an das Gestein gepresst – kleine Örtchen, aus dem Kalksandstein der Cevennen gebaut, sodass sie sich kaum von ihrer Umgebung abheben.

Wo die Stars des Nationalparks, die Gänsegeier und Habichtsadler kreisen, röhren im Sommer die Motorräder durch die Schluchten über die gewundenen Passstraßen. Aber auch für Kanufahrer, Kletterer, Radfahrer und Wanderer ist das Wegenetz gut ausgebaut, weitläufig und abwechslungsreich.

Und manchmal sogar berühmt. Zum Beispiel der Robert-Louis-Stevenson-Wanderweg, der nach dem Autor des weltbekannten Jugendromans „Die Schatzinsel“ benannt worden ist. Aus Liebeskummer, so wird überliefert, hatte der junge schottische Schriftsteller 1878 seinen Rucksack geschnürt und sich mit einem Esel auf Wanderschaft durch die Cevennen begeben. Zwölf Tage, 220 Kilometer lang hatte er dabei bewusst auf jede Bequemlichkeit verzichtet, etwas, das heute schon wieder en vogue ist.

Mit dem Auto durch die Cevennen zu fahren, gleicht hingegen einem Abenteuer. Rauf und runter und wieder rauf und wieder runter geht es in den Zickzack-Kurven der Serpentinen. Ängstlich sollte man nicht sein, wenn hin und wieder der Abgrund ein wenig zu dicht an der sowieso schon beklemmend engen Straße liegt. Belohnt wird man mit der gesamten Palette der Superlative: imposant, spektakulär, gewaltig, atemberaubend.

Das gilt auch für die Dörfer der Cevennen. Über Jahrhunderte waren sie schwer erreichbar. Auf einige von ihnen trifft dies heute noch zu. Zum Beispiel auf Hauterives am Ufer des Flusses Tarn. Eine Straßenanbindung gibt es nicht, daher haben die Einwohner aus der Not eine Tugend gemacht und eine Lastenseilbahn gespannt. Die bringt Waren und Post von einer Seite der Schlucht zur anderen. Bewohner und Besucher müssen per Boot über den Fluss und dann zu Fuß über Wanderwege weiter.

Wind der Vergangenheit

Ganz in der Nähe liegen zwei von Frankreichs schönsten Dörfern, den sogenannten Villages de Caractère. Sie zeichnen sich durch reiches Naturerbe, Authentizität und Charme aus. Die Kleinstmetropole Saint Enimie mit knapp 500 Einwohnern und La Malène mit weniger als 150 Bewohnern gehören dazu. Wie in fast allen Cevennenorten weht auch hier der Wind der Vergangenheit durch die verwinkelten mittelalterlichen Gassen.

Ursprünglich ist auch das Essen der Region. Die Geschwister Moureves sind typische Vertreterinnen der traditionellen Landwirtschaft. Céline hält Ziegen und fertigt aus der Milch kleine Käsetaler namens Pélardon. Francine baut Süßzwiebeln an. Beide leben das bäuerliche Dasein ihrer Väter und Großväter. Ein reiches Leben ist es nicht.

Tiefe Schluchten

War es in den Cevennen auch nie. Damit die Menschen und Tiere im Gebirge überleben konnten, wurden schon im Mittelalter flächendeckend Kastanienbäume gepflanzt und bis zum letzten Ast und bis zur letzten Marone komplett verwertet. Aus der Frucht wird heute noch Mehl gewonnen, mit dem gebacken und Nudeln hergestellt werden. Beides ist sogar glutenfrei und basisch.

Am Fuße der Cevennen liegt das Ardèchetal. Einige rechnen es nicht den Cevennen zu, dennoch haben beide eine identische Wirtschaftsgeschichte und gehören zum selben Landschaftsraum. Wie der Tarn in den Cevennen, so hat sich auch der Fluss Ardèche seit Jahrhunderten seinen Weg durch den Kalksandstein gebahnt. 120 Kilometer lang. Der eindrucksvollste Teil liegt zwischen dem Pont D‘Arc und Pont-St-Esprit. Etwa 30 Kilometer lang ist die tiefe Schlucht – ein grandioses Naturspektakel aus skurrilen Felsformen und Höhlen. Wer schon mal den amerikanischen Grand Canyon gesehen hat, der entdeckt hier durchaus Parallelen.

Der von Wissenschaftlern auf mindestens 500 000 Jahre geschätzte alte Pont D’Arc ist der Eingang zur Ardèche­schlucht. 54 Meter hoch und 60 Meter lang beugt sich der natürlich entstandene Steinbogen über den Fluss Ardèche. Unermüdlich hatte sich der Fluss durch das Kalkgestein gegraben und so sein eigenes Wahrzeichen erschaffen.

Einer der spektakulärsten Orte an der Ardèche ist Balazuc. Auch dieser Ort gehört zu den schönsten Dörfern Frankreichs. Zu Fuß unter Bögen, über Treppen, durch Gewölbeöffnungen – man denkt, man ist im Mittelalter gelandet.

Den perfekten Blick auf diesen in den Fels gehauenen Ort erwischt man, wenn man über die Brücke auf die andere Flussseite der Ardèche wechselt. Typisch ist der Blick auf die Ortsmitte mit ihrer romanischen Kirche Sainte-Madeleine aus dem 12. Jahrhundert. Man wird mit einem Blick belohnt, bei dem man vergisst, zu atmen.


Mehr Infos unter   www.ardecheinfo.dewww.sued-frankreich-wandern.dewww.chemin-stevenson.orgwww.chemin-stevenson.org 

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