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NWZonline.de Ratgeber Reise

Deutschland: Frische Brise und Friesentörtchen

02.07.2022

Nordfriesland Die Inselwelt Nordfrieslands entdecken und sich den Wind um die Nase wehen lassen – eine Radtour des Oldenburger Reiseanbieters „Die Landpartie“ führt von Husum über die Hallig Langeneß nach Föhr, Amrum und Sylt.

Am Anfang wundern wir uns. Husum, unser Startort, nennt sich „Westküsten-Metropole“, ist tatsächlich die größte Stadt an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins und doch mit rund 23 000 Einwohnern kaum größer als Westerstede. Immerhin, Husum hat ein Schloss, im Frühjahr umgeben von Millionen von blühenden Krokussen, und einen Binnenhafen, in dem Touristen Krabbenbrötchen oder Kutterscholle genießen.

Charmantes Husum

Und Husum hat einen berühmten Sohn: Theodor Storm. In einer Gewitternacht 1817 kam der Schriftsteller hier zur Welt. Im „Storm-Haus“ steht noch der Schreibtisch, an dem er 1888 seine Novelle „Der Schimmelreiter“ vollendete. Storm verpasste Husum den Beinamen „Graue Stadt am Meer“, eine Anspielung auf regnerische und neblige Tage.

Bei Sonnenlicht betrachtet ist Husum ein charmantes Städtchen. Und ein guter Ausgangspunkt für Radtouren zu den Nordfriesischen Inseln.

Die Fähre von Schlüttsiel zur Hallig Langeneß fährt pünktlich. Souverän steuert der Kapitän das Schiff durch die Sandbänke – und stoppt kurz vor der Hallig Langeneß. „Wir warten jetzt, die Flut kommt schon.“ Doch es dauert eine Weile, bis wir genug Wasser unterm Kiel haben. Was lehrt uns das? Alles braucht seine Zeit. Und nichts geht gegen die Natur. Hier schon gar nicht.

„Schönste Hallig“

Eines fällt uns auf Langeneß sofort auf: die schier unglaubliche Ruhe. Nur Austernfischer, Lachmöwen und Gänse sind zu hören. Manchmal zwitschert auch eine Feldlerche. „Wir leben von den Vögeln, viele Leute können sich gar nicht sattsehen“, sagt Malte Karau, unser Gastgeber im Hotel „Anker`s Hörn“.

Nur auf die vielen Gänse würde manch ein Hallig-Bewohner gern verzichten, jedenfalls im Frühjahr. Dann machen Abertausende von Ringelgänsen auf dem Weg in ihre sibirischen Brutgebiete Station auf Langeneß und fressen die jungen Gräser der Salzwiesen. Was nichts daran ändert, dass Langeneß für Malte Karau „die größte, längste, schönste und bevölkerungsreichste Hallig“ ist. 18 bewohnte Warften gibt es, auf denen gut 100 Menschen ganzjährig leben.

Immer wieder heißt es „Land unter“, zwei Mal stand schon bei ihm das Wasser „an der Haustür“, sagt Karau. „Richtig Dampf auf dem Kessel“ war 2013, als der Orkan Xaver wütete.

Wir verleben einen ruhigen Tag und radeln die einzige Straße rauf und runter, keine zehn Kilometer ist sie lang.

Nach der Ruhe von Langeneß mutet Wyk auf Föhr wie eine richtige Stadt an, dabei leben hier nur gut 4000 Menschen. Weitere 4000 verteilen sich auf Dörfer, die Midlum, Dunsum, Witsum oder Wrixum heißen. Dazwischen ist ganz viel Grün.

Föhr hat fast 200 Kilometer Radwege, wir wählen die große Rundtour, fast 40 Kilometer, erst durch die Marsch, dann am Deich entlang und dann – für uns das Highlight – durch die Niederung der Godel, ein Süßwasserfluss, der durch Salzwiesen fließt. In drei Orten machen wir Pause. In Oldsum, um in „Stelly’s Hüüs“, einem legendären Café, ein hausgemachtes Friesentörtchen zu verzehren. In Utersum, um schon mal rüber nach Amrum und Sylt zu gucken.

Sprechende Grabsteine

Und in Nieblum, um die größte Dorfkirche von Schleswig-Holstein, auch „Friesendom“ genannt, zu umrunden. Hier gibt es noch 265 historische Grabsteine – sie erzählen Geschichten von Männern, die einst auf Walfängern ihren Dienst taten. Allerdings muss man das, was auf diesen „sprechenden Grabsteinen“ steht, auch lesen und deuten können.

Glockenblumen symbolisieren zum Beispiel den männlichen Zweig einer Familie, Sternblumen den weiblichen. Jede Blüte steht für einen Sohn oder eine Tochter. Ist der Stiel geknickt, dann sind die Nachkommen verstorben. Und der Stiel ist oft geknickt, ein Hinweis auf die hohe Kindersterblichkeit.

Amrum darf sich rühmen, einen besonders breiten Strand zu haben. Wobei es eigentlich kein Strand ist, sondern eine Sandbank, noch dazu eine mit besonders feinem Sand, der selbst für Eieruhren taugen würde.

Der gesamte Kniepsand, so der Name, ist ein Landschaftsschutzgebiet, für das das Team vom Naturzentrum in Norddorf zuständig ist. Das wird geleitet von Lotte von Komorski. Manchmal klopfen Touristen an ihre Tür, weil sie einen Seehund gesehen haben. Die 33-Jährige erklärt dann in aller Ruhe, dass das „wie ein Reh bei Ihnen zu Hause“ ist. Abstand ist trotzdem geboten, vor allem bei der Kegelrobbe. Das größte Raubtier Deutschlands „ist wirklich riesig“ und alles andere als langsam, vor allem, wenn es Gefahr für seine Jungtiere wittert.

Fernblick auf „Königin“

Die Zeit für Amrum ist viel zu kurz, denken wir – da erfahren wir, dass die geplante Tagestour nach Sylt ausfällt. Die Fähre, ein technischer Defekt. So etwas kommt sehr selten vor, wird uns „Landpartie“-Reiseleiter Bernd Paulsen später glaubhaft versichern.

Uns ist es recht, wir kennen die „Königin der Nordsee“ bereits und nutzen den Tag, um barfuß durch den Sand an der Nordspitze von Amrum zu stapfen, eine echte Fußmassage, noch dazu gratis, mit Fernblick auf Sylt. Dann radeln wir durch den Inselwald, erklimmen den Leuchtturm und laufen auf Bohlenwegen durch die Dünen – ja, doch, Amrum hat viele Gesichter.

Abends, bei einer großen Portion Labskaus, haben wir das schöne Gefühl, die nordfriesische Inselwelt nun deutlich besser zu kennen. Wobei gerade das Rad sehr hilfreich war, auch wenn wir keine großen Strecken zurückgelegt haben, 163 Kilometer unterm Strich. Noch dazu mit dem E-Bike, keine Leistung, schon klar. Aber manchmal kommt der Wind eben doch steif von vorn.

„Inselradeln Nordfriesland“ lautet der Titel der beschriebenen Tour. Die achttägige individuelle Reise mit Gepäcktransport wird von „Die Landpartie“ von Ende April bis Mitte September angeboten.


Weitere Infos unter   www.dielandpartie.de 

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