• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Ratgeber Reise

Deutschland – Niederlande: Radeln am Nordhorn-Almelo-Kanal

07.08.2021

Nordhorn Radeln ohne Karte, einfach immer geradeaus: Am Nordhorn-Almelo-Kanal ist das möglich. Der Radweg an der historischen Wasserstraße verbindet zwei traditionsreiche Textilstädte.

Wie eine Bucht ragt die Grafschaft Bentheim in die Niederlande hinein. Wer in Nordhorn wohnt, für den ist der kleine Grenzverkehr eine Selbstverständlichkeit. Viele Nordhorner fahren mal kurz mit dem Auto rüber, für eine Tankfüllung, einen Blumenstrauß, Käse oder Lakritz.

Die Touristiker beiderseits der Grenze besannen sich dagegen auf eine Verbindung, die vor allem für Radfahrer ihre Reize hat: den Nordhorn-Almelo-Kanal. Er verbindet seit über 100 Jahren die Textilstadt Nordhorn im äußersten Südwesten von Niedersachsen mit der Textilstadt Almelo in der niederländischen Provinz Overijssel.

Auf dem Kanal, der zwischen 1884 und 1904 gegraben wurde, transportierten noch bis in die 1960er Jahre hinein Frachtschiffe Kohle für die Nordhorner Textilindustrie. Dann allerdings wurde die künstliche Wasserstraße zu klein. Seit über einem halben Jahrhundert hat kein Schiff mehr den Kanal passiert. Heute gehört er den Anglern und Radfahrern.

Ohne Zoll über Grenze

Wer in Nordhorn beim innenstadtnahen VVV-Turm startet, radelt zunächst im Schatten einer Allee zwischen Kanal und Vechtesee, begleitet von Tretbootfahrern, Haubentauchern und Blesshühnern. Nach knapp fünf Kilometern ist die Grenze erreicht. Noch auf deutscher Seite ragt ein Fachwerkbau, teils auf Pfählen, in den Kanal hinein: das alte Zollhaus, heute denkmalgeschützt. Die Zeiten, in denen hier noch allerlei Formalitäten erledigt werden mussten, sind vorbei.

Radelte man eben noch nebeneinander auf einem geteerten Weg, so geht es nun hintereinander auf einer rund eineinhalb Meter breiten Betonspur am Kanal entlang. Nichts für Verliebte oder beschwingte Vatertagsradler, wenn man nicht im von Seerosen bedeckten Kanal landen will. Ansonsten kann man kaum vom Weg abkommen. Bis Almelo geht es rund 30 Kilometer fast schnurstracks geradeaus.

Ein paar Stopps und Abstecher sollte man allerdings unbedingt einplanen. Der erste Halt empfiehlt sich bereits nach knapp zwei Kilometern beim Eiscafé „De IJskuip“ direkt am Kanal.

Das hat gleich zwei Gründe. Zum einen gibt es hier das hausgemachte Eis von Erik und Hermien Kuiper. Ihr Honig-Joghurt mit Himbeeren und Walnüssen wurde 2017 in Bologna zum besten Eis Europas gekürt.

Radsport-Legende

Zum anderen ist hier Hennie Kuiper aufgewachsen, eine niederländische Radsport-Legende. 1972 gewann der damals 23-Jährige bei den Olympischen Spielen in München völlig überraschend Gold beim Straßenrennen über 182,4 Kilometer. Es war erst sein dritter Sieg, der schmächtige Kuiper war nachnominiert worden.

Wer am Eingang einer Scheune einen Euro in eine Milchkanne wirft, darf sich unter anderem das Rad ansehen, mit dem Kuiper Gold holte – plus zahlreiche Pokale, Medaillen, Trikots und Fotos, auf denen er sich über Schlammwege und Kopfsteinpflaster quält. Da freut sich der Urlaubsradler auf den nun gut ausgebauten Pfad am Kanal.

Etwas südlich des Kanals, in einer Schleife des Flusses Dinkel, liegt das nächste Ziel: das Landgut Singraven mit einer alten Wassermühle und einem Herrenhaus mit neo-klassizistischer Fassade. Wer es einrichten kann, sollte seine Radtour so legen, dass er an einer Führung durch das Haus teilnehmen kann. Denn nur dann kann man einen Blick auf all die Schätze werfen, die Willem Frederik Laan, der letzte private Eigentümer des Landguts, angesammelt hat.

Laan – reich geworden durch den Handel mit Öl, Getreide und Reis – erwarb das Haus 1915 und stattete es nach und nach mit Kunst und Antiquitäten aus. Stolz präsentiert Daan van Mierlo, der jetzige Verwalter, zwei Schränke voller Porzellan aus China, fast 350 Jahre alt. „Bitte nur gucken, nicht anfassen.“

Landgut mit Arboretum

1956 überschrieb Laan, der kinderlos blieb, das Landgut der Stiftung Edwina van Heek, deren Ziel der Erhalt von Kulturdenkmälern ist. Umgeben ist das Herrenhaus von einem Park und einem Arboretum, einem Baumgarten. Beides kann auch ohne Führung besucht werden.

Die nächsten Stationen: das Schuivenhuisje, ein Wehr, über das der Wasserstand im Kanal reguliert werden konnte, und Weerselo, ein ehemaliges Benediktinerkloster und Stift für unverheiratete adlige Damen. Das denkmalgeschützte Ensemble ist ein feines Plätzchen für eine Rast. Dafür wird ein Umweg von rund vier Kilometern fällig.

Brückenwärterhäuschen

Ansonsten wird man vermutlich spätestens bei Fraans Marie einen Stopp einlegen. Das einzige noch erhaltene Brückenwärterhäuschen beherbergt seit 1920 ein Café, das über die Jahre immer größer wurde, sagt Mart Woesthuis, der den Betrieb heute leitet.

Im Winter wärmen sich hier die Schlittschuhläufer auf. Im Sommer stehen die Fahrräder unter drei alten Eichen in Reih und Glied, während sich die Besitzer auf der Terrasse unter Sonnenschirmen über Frites, Frikandel oder Frikadellen hermachen. Danach reicht die Kraft für den Endspurt nach Almelo. Oder für die Rückfahrt nach Nordhorn.

Nordhorn war einer der bedeutendsten Standorte der deutschen Textilindustrie. Im Nachkriegsdeutschland hingen in fast jedem Kleiderschrank Produkte der Firmen NINO, Povel und Rawe. Zeitweise stammten mehr als zwei Drittel aller in der Bundesrepublik verkauften Mäntel aus Nordhorn.

Mehr darüber erfährt man in den drei Ausstellungsorten des Stadtmuseums. Im NINO-Hochbau, dem größten Einzelgebäude der Stadt, sind unter anderem Modefotografien renommierter Fotografen wie Helmut Newton und F.C. Gundlach zu sehen. Sie erinnern an eine Zeit, in der auch Karl Lagerfeld wusste, wo Nordhorn liegt.

NWZ-Leserreisen
Traumhafte Urlaubsreisen - bestens organisiert und betreut mit deutscher Reisebegleitung ab Oldenburg.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.