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NWZonline.de Ratgeber Reise

Auf der Suche nach Ruhe und Einsamkeit

17.08.2019

Palma Von einem „Alarm am Ballermann“ war zu Beginn des Sommers die Rede, wegen ausbleibender Touristen. Hoteliers und Restaurantbesitzer gaben sich besorgt. Wer derzeit durch die berühmt-berüchtigte Schinkenstraße schlendert, hört einen anderen Alarm – der wie gewohnt vom Partyvolk ausgeht. Der Strand in Arenal ist überfüllt wie immer. Vor der Kathedrale in Palma reihen sich die Menschen in langen Warteschlangen auf.

Blick in die Bucht

Wer auf Mallorca seine Ruhe findet, dem gelingt dies nicht, weil keine anderen Urlauber über die Insel herfallen würden. Sondern, weil er jene schönen Orte kennt, die nicht überlaufen sind.

Der Gegensatz zwischen dem Ballermann-Trubel und der Hotelterrasse des „Son Bleda“, einem ehemaligen Kloster aus dem 12. Jahrhundert im Nordwesten der Insel, könnte kaum größer sein.

Ein Pärchen genießt mit einem Glas Wein den Blick ins grüne Tal von Sóller. Zwei andere Hotelgäste schauen vom Pool aus in die Bucht von Deià – allein. Man hört Vogelgezwitscher, den Wind, das Zirpen der Grillen. Sonst nichts. Und das Ende Juni.

Das ist das Mallorca, von dem schon der spanische Schriftsteller Santiago Rusiñol in „Die Insel der Ruhe“ schrieb. „Auf Mallorca ist die Stille tiefer als sonst wo“, berichtete auch George Sand 1842 im Reiseliteratur-Klassiker „Ein Winter auf Mallorca“.

„Mallorca ist immer noch so, auch im Sommer. Man muss bloß wissen, wo“, sagt Hotelbesitzer Dieter Rahmel. Die zwischen Pinien, Oliven- und Orangenbäumen liegende Hotel-Finca „Son Bleda“ des gebürtigen Düsseldorfers ist eher eine Unterkunft für betuchte Gäste – dort bremst also schon der Preis die Massen aus. Doch auch im Inneren der Insel, gar nicht weit von der Küste entfernt, gebe es viele gute und auch preisgünstigere Hotels, in denen man nichts mehr vom Trubel mitbekomme, sagt Rahmel. „Selbst im Sommer kann man auf Mallorca dem Massentourismus leicht entfliehen.“

Die meisten Urlauber wollen im Sommer aber doch an den Strand und im Meer baden. „Das ist ja kein Problem. Mallorca hat auch im Juli und August nicht überlaufene Strände und Buchten“, erklärt der Wahl-Mallorquiner. „Man muss nur bereit sein, ein wenig zu laufen und auf einen Liegestuhl und den Kiosk verzichten.“

Das klappt selbst an Mallorcas vielleicht beliebtestem Sandstrand Es Trenc im Süden der Insel. In der Nähe des Parkplatzes liegen die Strandgäste noch dicht an dicht. Vor allem Familien mit Kindern. Doch je weiter man sich entfernt, desto leerer wird es. Nach einem halbstündigen Strandspaziergang wird es relativ einsam. Wasser und ein paar Snacks sollte man unbedingt mitnehmen.

Auch weiter im Nordosten der Insel liegen die Urlauber am Strand von Alcúdia wie in Sardinenbüchsen. Nur 15 Autominuten entfernt befindet sich die Halbinsel La Victoria, auf der man die zahlreichen Strände wesentlich entspannter genießen kann.

Vom gleichnamigen Kloster aus führt ein schattiger Wanderweg in 45 Minuten zur Bucht von Coll Baix. Die einsame, von Felsen umgebende Bucht erreicht man nur mit dem Boot oder eben zu Fuß.

Sturm aufs Büfett

Frank Mittelbach führt dort oft seine Gäste hin. Der gebürtige Rheinländer kennt jede Ecke auf der Insel. Seit 28 Jahren lebt der Wanderführer auf Mallorca. Ein genereller Tipp, um Urlaubermassen im Sommer zu vermeiden: „Versuchen Sie, den spanischen Tagesrhythmus und deren Essenszeiten zu übernehmen. Gehen Sie wie die Mallorquiner erst am späten Nachmittag an den Strand. Dann sind nicht nur die Temperaturen viel angenehmer, sondern auch die meisten Pauschalurlauber weg, die ab 18 Uhr zum Hotelbüfett stürmen.“

Spanischer Tagesablauf also. Aber was macht man den lieben langen Tag? Als Wanderführer schlägt Mittelbach für den heißen Sommer kurze Wanderungen in den Morgenstunden oder am späten Nachmittag vor. Steil führt etwa der Steinpfad hinauf zur Burgruine von Alaró. Während der eineinhalbstündigen Wanderung zwischen Pinien und Olivenhainen sieht man mehr Ziegen als Touristen – vor allem im August.

Wer keine Lust auf Wandern hat, hat viele Alternativen im ruhigen Inselinneren. Im Orangental von Sóller kann man Zitrusfarmen besuchen oder alte Olivenmühlen entdecken. Ein sehenswertes Dorf ist Montuiri.

Neben der kolossalen Kirche sitzen Einheimische auf der Terrasse der Dorfkneipe. Touristen? Fehlanzeige! Dabei müsste die nahe prähistorische Siedlung von Son Fornés doch Massen anzuziehen.

Im Hochsommer anderen Mallorca-Touristen über den Weg zu laufen, ist schwer zu vermeiden. Doch die Massen lassen sich meiden. Beispiel Wochenmärkte: „Alle Touristen fahren zum Mittwochsmarkt nach Sineu. Völlig überlaufen“, sagt Mittelbach. „Dabei gibt es in Alaró am Samstag und in Santa Maria del Camí am Sonntag zwei richtig große, sehr authentische Märkte, auf denen fast nur Mallorquiner einkaufen.“

Grafik als PDF.

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