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NWZonline.de Ratgeber Reise

Schwimmen mit Delfinen und Piranhas

06.10.2018

Paramaribo Nur wenige Zentimeter beträgt die Sichtweite auf dem Suriname-Fluss. Das schlammige Wasser platscht im Takt gegen den Rumpf des hölzernen Fischerbootes. Am Himmel das gleiche Trauerspiel. Im Regenwald ist es einfach immer bewölkt. Schlechte Bedingungen für außergewöhnliche Fotos. Doch dann springen plötzlich verspielte Guyana-Delfine mit rosafarbenen Bäuchen aus dem Brackwasser.

Multikulturelles Land

Das merken auch die jungen Freiwilligen an Bord. Seit 2005 ist der Green Heritage Fund Suriname (GHFS) jeden Sonntagmorgen mit einigen Helfern auf dem Fluss unterwegs. Die Aktivisten erfassen vor der Hauptstadt Paramaribo den gefährdeten Bestand an Delfinen. Sie werden chauffiert von Fischern und gelegentlich begleitet von Touristen.

Monique Pool ist jeden Sonntag dabei. Die nachdenkliche Frau mit schwarz gelocktem Haar ist die Gründerin des GHFS. Der Schutz der Delfine im Bereich der Flussmündung hat sich zu einem Vorzeigeprojekt für nachhaltigen Tourismus entwickelt.

Suriname ist einer der letzten weißen Flecken auf der touristischen Landkarte. Die Staatsangehörigkeit sagt wenig über die Menschen aus. Das kleinste unabhängige Land Südamerikas ist multikulturell wie kein anderes, wegen der Kolonialgeschichte. Heute leben Menschen mit Vorfahren in Westafrika, Indien, Java, China, Europa und dem Libanon in Suriname.

In den tiefen Regenwald geht es nur über den Luftweg. Ronald Nowee und seine Frau Els steigen am Inlandsflughafen Zorg en Hoop in einen kleinen Buschflieger. Wenige Minuten nach dem Start verschwindet Paramaribo aus dem Blickfeld. Das Ehepaar aus den Niederlanden ist schon zum zweiten Mal in Suriname unterwegs. Viele Niederländer bereisen die ehemalige Kolonie, erzählt Reiseführer Espanyo nach der Landung im Dorf Palumeu.

Dutzende Indigene aus den drei Stämmen Trio, Wayana und Akurio treten aus dem Schatten der Bäume und entladen das Flugzeug. Nur fünf Holzhütten mit jeweils zwei abgetrennten Wohnbereichen für insgesamt 20 Personen wurden für Touristen geschaffen. Insgesamt 300 Einheimische wohnen im Dorf. Ein gesundes Gleichgewicht.

Ohne Verschnaufpause geht es ins motorisierte Kanu. Nächster Halt: die Papageien-Insel. Gezückte Kameras, Vorfreude. Vor Ort dann große Enttäuschung. Keine Papageien. Aber die Guides bereiten ein Picknick vor, mitten im Regenwald: vom grünen Salat bis zum gegrillten Anjumara, dem größten Raubfisch Südamerikas. Bis zu 40 Kilo wiegen die Fische im Tapanahony River, der zu einer Erfrischung einlädt. „Das Schwimmen im Fluss ist ungefährlich“, sagt Espanyo. Er holt eine Schnur hervor, befestigt Wasserpflanzen am Haken, wirft die improvisierte Angel ins Wasser und holt sie wieder ein. Das geht eine ganze Weile so, bis er einen Piranha fängt. Eilig laufen alle Badegäste aus dem Wasser. Wer möchte schon mit Piranhas schwimmen?

Bedrohte Faultiere

Stolz erklärt Espanyo der Reisegruppe, dass dies ein vegetarischer Piranha sei. Er zeigt auf die spitzen Zähne des Tieres. War das ein Witz? Nein! Diese Art gehört zu den sogenannten Sägesalmlern. Der Fisch ernährt sich nur von Pflanzen.

Zurück zur Küste. Viele Reisende wenden sich an Monique Pools Organisation, wenn sie vor der Abreise noch einen Blick auf Ameisenbär oder Faultier werfen wollen. Faultiere sind durch die Abholzung des Regenwalds bedroht. Während andere Tiere bei Gefahr fliehen, ist ein Faultier einfach zu langsam, um zwischen Bulldozern und Kettensägen das Weite zu suchen. Wenn ein Baum umstürzt, fällt das Faultier mit zu Boden. Es bricht sich die Knochen oder stirbt.

Das Team von der Faultier-Rettung ist jeden Tag im Einsatz. Es liest Tiere auf, bringt sie ins Rettungszentrum und päppelt sie für die Rückkehr in den Regenwald wieder auf. Fragt man die 54-jährige Umweltschützerin nach ihrem größten Traum, gesteht sie, dass sie gern Millionärin wäre. Damit würde sie den letzten verbliebenen Regenwald in Paramaribo kaufen und unter Naturschutz stellen.

Anreise: Surinam Airways, KLM und Tuifly fliegen von Amsterdam direkt zum Johan Adolf Pengel International Airport (PBM) in Paramaribo. Günstiger sind Flüge ab Deutschland mit mehreren Zwischenstopps, beispielsweise in Miami und Trinidad und Tobago.

Einreise und Formalitäten: Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise kein Visum, müssen am Flughafen in Paramaribo aber für 30 Euro eine Touristenkarte kaufen, die für eine einmalige Einreise gültig ist. Wer auf dem Landweg kommt, muss die Karte vorab erwerben. Eine Gelbfieberimpfung ist nötig.

Gesundheit: Neben den Standardimpfungen wird eine Impfung gegen Hepatitis A empfohlen, bei Langzeitaufenthalt auch gegen Hepatitis B, Tollwut und Typhus. Ganzjährig hohes Übertragungsrisiko von Malaria.

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