PARIS - Paris bietet mehr als Eiffelturm und Louvre. Vor allem im Norden gibt es tolle Märkte.

Von Hanns-Jochen Kaffsack

PARIS - Was haben ein Singvogel aus Südamerika, eine antiquarische Ausgabe der Essays von Michel de Montaigne und Jeans zum Schnäppchenpreis gemeinsam? Auf all das kann man bei einem Streifzug durch Paris stoßen. Wer gewillt ist, einmal einen Bogen um Eiffelturm, Louvre und Notre Dame zu machen, für den tut sich eine Art Wundertüte auf. Denn die Weltstadt an der Seine ist auch in diesem Sinne eine Fundgrube.

Die „Puces de Saint-Ouen“, die weltweit bekannten Flohmärkte am Nordrand der Hauptstadt, bleiben die Mutter aller Pariser „Marchés“. Elf Millionen Besucher zieht diese größte Verkaufmanege für billigen Tand wie für sündteures Kunsthandwerk Jahr für Jahr an. Klamotten, Nippes, afrikanische Masken und falsche Markenuhren, damit schmücken die Trödelhändler in dem Gewirr der Gassen von Saint-Ouen früh am Morgen das Pflaster.

Die feinen „Kollegen“ vom antiquarischen Gewerbe haben mit den Lumpensammler – chiffonniers – genannten Kleinhändlern nichts zu tun. Man begegnet sich also auch nicht in den efeubewachsenen Alleen der „Puces“. Die 16 festen und überdachten Märkte von Saint-Ouen bilden vielmehr eine Welt für sich – 2500 „Professionelle“ arbeiten hier, verkaufen keinen Trödel, sondern das fein verschnörkelte Gartentor, die niedrigen Salontische aus der Kolonialzeit oder Ölgemälde bekannter Meister.

Die „Puces de Saint-Ouen“ gehören zu den letzten Treffpunkten in Paris, wo praktisch alle sozialen Schichten der heutigen Gesellschaft aufeinander prallen: die Konservativen und Traditionsbewussten, die Lumpensammler und internationale Händler.

Besonders exotisch und kosmopolitisch, aber auch noch recht günstig ist der Marché d’Aligre im Pariser Osten hinter der Opéra Bastille. Hier geht es laut zu wie auf einem nordafrikanischen Basar. Nicht weniger atmosphärisch und attraktiv, aber doch anders geht es in der Rue Mouffetard im 5. Arrondissement zu. Weil in allen Reiseführern vermerkt, ist die Straße vom Platz Contrescarpe bis zur Kirche Saint-Médard ein Tummelplatz der Weltenbummler.

Neben Trödelkram wartet Paris mit Treffpunkten für das Spezielle auf. Da ist zum einen der beliebte Blumenmarkt auf der Ile de la Cité. Der „Marché aux Fleurs“ an der Place Louis-Lépine zieht wegen seiner scheinbar unendlichen Farbpalette die Blumenfreunde an. Die Fans alter Bücher wiederum strömen am Wochenende weiter südwestlich auf den „Marché du livre d’ancien et d’occasion“ im Georges-Brassens-Park.