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NWZonline.de Ratgeber Reise

Auf der Donau durch sieben Länder

18.05.2019

Passau Kapitän Laurentio Badache (39) kennt den Wasserweg wie seine Westentasche. Für ihn ist die „nickoVision“ sein „Baby“, wie er lachend bekennt. Der Rumäne hat den Rohbau von der Valhali Werft in Belgrad (Serbien) zur Ausrüstung in die Niederlande und von dort zur Taufe nach Frankfurt gebracht. Seit Juni 2018 ist er mit dem eleganten Kreuzfahrtschiff auf der Donau unterwegs.

Wie die meisten Kreuzfahrten beginnt unsere Reise mit der „nickoVision“ in Passau. Das erste Ziel ist Wien. Der Weg führt durch die Wachau, die mit ihren Weinbergen der schönste und romantischste Flussabschnitt der Donau in Österreich ist. Nachdem alle Mann wieder an Bord sind, gleitet die „nickoVision“ in der Abendsonne auf dem silberglänzenden Wasser Richtung Ungarn.

Halbmond und Kreuz

Etliche Passagiere haben bereits Erfahrungen mit der Strecke Passau-Budapest. Diesmal wollen sie bis ins Delta. Susanne und Guido aus Fürth sind Kreuzfahrtneulinge und eingefleischte Motorradurlauber. Doch jetzt genießen die beiden Endvierziger die Ruhe auf dem Sonnendeck. Angst vor Langeweile haben sie nicht. Die freie Tischwahl, das kleine Fitnessstudio und die Sauna an Bord waren für das Paar mitentscheidend bei der Auswahl des Schiffs. Schon nach zwei Tagen sind die Biker „von der Entschleunigung begeistert“.

Auf die Metropole Wien folgt die südungarische Jugendstilstadt Pécs, die 2010 Europäische Kulturhauptstadt war. Ein Überbleibsel aus der Türkenzeit ist die Moschee Gszi Khassim. Sie wurde nach Abzug der osmanischen Herrscher zur katholischen Kirche umgewidmet. „Die Besonderheit ist der türkische Halbmond über der mächtigen Kuppel, auf den ein christliches Kreuz aufgesetzt wurde“, erklärt Gästeführerin Katharina (64).

So wie jede unserer Reiseführerinnen in den osteuropäischen Staaten verdient sich die Lehrerin im Tourismus noch etwas dazu. Bei Durchschnittsgehältern zwischen 400 und 800 Euro müssen die meisten Menschen einen Zweitjob machen, um leben zu können, denn die Lebensmittel-Preise haben mit denen westlicher EU-Länder fast gleichgezogen.

Serbiens Hauptstadt Belgrad war in der Vergangenheit nicht gerade ein Touristenmagnet, aber es tut sich was. Von den Kelten gegründet, gehört Beograd (Weiße Stadt) zu den ältesten Europas. Weil sie schöner werden will, gibt es überall Baustellen.

Einige Häuser sind inzwischen liebevoll restauriert, andere rufen dringend nach der Maurerkelle. „Seit 2012 hat der Tourismus um 50 Prozent zugenommen“, erzählt Dragica (65), die noch zu DDR-Zeiten in Ostberlin Deutsch gelernt hat.

Schon von Weitem grüßt die Stadtmauer mit der Festung Kalemegdan in einem 55 Hektar großen Park. Um Belgrads Schönheit zu entdecken, muss man den Blick nach oben richten, wo Jugendstilfassaden aus dem 19. Jahrhundert die Kriege überstanden haben.

Belgrads neues Wahrzeichen ist die serbisch-orthodoxe Kirche des Heiligen Sava. Wo die Türken die Asche des Heiligen begruben, ist ein wohl einmaliger goldverzierter Kirchenbau der Neuzeit entstanden. Drei Millionen Euro hat Gazprom dafür gespendet. Der Kuppelbau, der die Hagia Sophia in Istanbul zum Vorbild hat, bietet Platz für bis zu 12 000 Menschen.

Östlich von Belgrad teilen sich Serbien und Rumänien den Donaustrom. Dort liegt auf serbischer Seite der Nationalpark Djerdap. Und dort beginnt auch die über 100 Kilometer lange Katarakten-Strecke bis zum Eisernen Tor – eine Unterwasser-Felsbarriere, die vor dem Staudammbau für die Schifffahrt sehr gefährlich war.

Fast mystisch erhebt sich aus dem morgendlichen Dunst das Bergpanorama der Katarakten. Beim Anblick fühlt man sich an norwegische Fjordlandschaften erinnert. Dort bahnen sich die Wassermassen durch drei atemberaubende Schluchten ihren Weg.

17 Ortschaften und viele Zeugnisse römischer Zeit verschwanden beim Dammbau in den Fluten. Die römische Trajan-Tafel auf der serbischen und das monumentale Felsen-Porträt des rumänischen Drakerkönigs Decebal auf der rumänischen Flussseite zeugen davon. Auf dem Weg ins Delta muss die „nickoVision“ beim Kraftwerk-Staudamm die größte Schleuse von 17 Donau-Schleusen passieren. In zwei Stufen wird das Schiff um 36 Meter abgesenkt.

Unser erstes Ziel in Rumänien ist Bukarest. Dort begrüßt uns osteuropäischer Plattenbau-Charme. „Die Ceaușescu-Ära hat bis heute tiefe Spuren hinterlassen“, erzählt Claudia (46). Selten habe ein Despot dermaßen in eine Stadt- und Landschaftsplanung eingegriffen. Ceaușescu ließ im „Paris des Ostens“ ein ganzes Viertel in der Altstadt abreißen, um einen Parlamentspalast mit 5100 Räumen zu bauen, der größte in Europa.

Einzigartiges Delta

Der vier Kilometer lange Boulevard der Einheit mit 41 Springbrunnen ist größer als der Pariser Champs Elysee. Er führt uns in die Altstadt ins Leipziger Viertel mit seinen zahlreichen Restaurants und Cafés. Die Straßen sind gepflegt und sauber. Dort strahlt Bukarest noch in seiner ursprünglichen Schönheit.

Am nächsten Tag haben wir ein Rendezvous mit der Natur. Mit kleinen Booten fahren wir in das einzigartige Weltnaturerbe Donaudelta, ein 5000 Quadratkilometer großes Naturschutzgebiet, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. „Nur der Tod des Diktators vor 30 Jahren hat das Donaudelta vor einer Umwelt-Katastrophe gerettet“, erzählt Michael Tiberius (36), ein begeisterter Hobby-Ornithologe, während der Bootsfahrt durch das Naturparadies. „Ceaușescu wollte 80 Prozent des Deltas trocken legen, um es wirtschaftlich nutzbar zu machen. 20 Prozent wollte er selber als Jagdrevier nutzen.“

Auf der Rückreise legen wir im bulgarischen Rousse an, für seine Rosenölproduktion im Umland und wegen seiner Jungenstilhäuser als „Kleines Wien“ bekannt. 1905 wurde dort Literaturnobelpreiseträger Elias Canetti in einem Haus in der Altstadt geboren. Besonders interessant ist eine christlich-orthodoxe Kirche. Weil unter der türkischen Schreckensherrschaft keine Kirche höher als eine Moschee sein durfte, wurde sie viele Meter tief in die Erde gebaut.

Die ungekrönte Königin aller Donaustädte ist Budapest, das eine eigene Reise wert ist. Es hat etwas Majestätisches, als das Schiff zwischen Pest und Buda am Abend an den beleuchteten Sehenswürdigkeiten vorbei Richtung Slowakei mit seiner Hauptstadt Bratislava fährt. Bratislavas ganzer Stolz ist die rekonstruierte Barock-Burg, die hoch über der Donau thront. In der Altstadt lädt ein breiter Boulevard zum Bummeln ein.

Anreise: Mit dem Zug oder Auto nach Passau. Der Veranstalter nickoCruises bietet die Möglichkeit der Buchung von Stellplätzen und Hotelvorübernachtungen an. Auch ein Transfer ab Haustür und zurück ist buchbar. Wer Passau nicht kennt, sollte eine Übernachtung einplanen.

Das Schiff: Die „nickoVision“ ist ein luxuriöser Neubau mit Platz für 220 Passagiere, vier Decks und Kabinen mit französischem Balkon. Neu im Flusskreuzfahrtmarkt ist das Bord-Konzept mit drei Restaurants und freier Tischwahl im Haupt-Restaurant. Eine Zuzahlung für die Spezialitäten-Restaurants „Manhatten“ und „Marios Grill“ wird nicht erhoben, nur eine Reservierung ist erforderlich. Bordwährung ist der Euro.

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