• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ratgeber Reise

Wo der Portwein zu Hause ist

12.10.2019

Porto Auf der Rúa das Carmelitas 144 hat sich eine Menschentraube gebildet. Musik und Gesang dringen aus der Mitte. Eine alte Frau in schwarzem Kleid, mit Hut und Handtasche hat ein Lied angestimmt. Begleitet wird sie von zwölf jungen Männern in schwarzen Umhängen mit Gitarren, Mandolinen und Kontrabass. Die Melodie klingt herzzerreißend melancholisch, und man braucht keine Portugiesisch-Kenntnisse, um zu erkennen, dass von Liebe gesungen wird.

Musik gegen Heimweh

Es sind die sogenannten Tunas, studentische Straßenmusikanten. Jede Fakultät hat ihre eigenen. Besonders für Studienanfänger sind die Tunas gemacht. „Das gemeinsame Musizieren soll zusammenschweißen und über das anfängliche Heimweh, das Fremdsein hinwegtrösten“, sagt einer der Studenten und erinnert sich dabei an seine eigene erste Zeit in Porto.

Die Gewänder der Studenten erinnern ein wenig an Harry-Potter-Verfilmungen. Immerhin hat Autorin Joanne K. Rowling eine Zeit lang in der Stadt gelebt.

Inzwischen ist die Musikgruppe weitergezogen und hat den Blick freigegeben auf die Livraria Lello. Es ist eine der schönsten Buchhandlungen der Welt, meint der britische Guardian, und das ist nicht übertrieben. In einem schmalen weißen Gebäude, das wie eine Kathedrale anmutet, mit Jugendstilverzierungen entlang der Hauswand und einer Decke, die ein überdimensionales Fenster aus Buntglas ziert. Man kann nicht einfach hineinspazieren und sich umschauen, sondern muss ein Ticket kaufen und wird dann von einem livrierten Herrn hereingebeten.

Im Innenraum vom Lello verliert sich ein Gemisch aus Stimmengewirr und Fado in der massiven, dunklen Holzvertäfelung. In den Regalen stehen deckenhoch schlecht ausgeleuchtete Bücher. Irgendwo stehen die Werke von Fernando Pessoa, Nationaldichter Portugals. Wer die Bücher des ehemaligen Handelsvertreters kauft, dem wird der Eintrittspreis angerechnet.

Zu den oberen Stockwerken führt eine imposante, rote, zu zwei Seiten offen geschwungene Holztreppe. Jede Stufe ist von Hand geschnitzt. Etwa 5000 Besucher wollen täglich sehen, was es mit dieser Treppe auf sich hat. Denn sie gilt als das Vorbild für die Treppen in Hogwarts Zauberinternat. Rowlings Harry Potter, oder besser gesagt der Mythos darum, hat die Buchhandlung aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt.

Porto ist auf einem Hügel gebaut, deshalb ist es hilfreich, sich zu Beginn einen Überblick zu verschaffen. 197 Stufen durch einen mehr als engen Aufgang, bei dem man besser keine Klaustrophobie verspürt, führen auf Portugals höchsten Turm, den Torre dos Clérigos. Von dort hat man einen Rundblick über die Stadt mit ihren rund 240 000 Einwohnern.

Noch immer stünde die zweitgrößte Stadt Portugals im Schatten der großen Schwester, wären nicht der Fluss Douro mit seinen nostalgischen Holzbooten, die bunten Häuschen am Ufer, das historische Ribeira mit dem Gütesiegel Unesco-Weltkulturerbe und seine Lage am Atlantik. Natürlich auch die Touristen. Fast zwei Millionen kommen pro Jahr, Tendenz steigend. Nicht nur wegen der Billig-Fluglinien.

Seit zwei Jahren steigt auch der Anteil der jungen Akademiker. Das große Lissabon ist zu teuer, nun weichen sie auf die günstigere Schwester aus.

Wer Porto kennenlernen will, muss sich die Stadt erarbeiten, Terrasse für Terrasse hinauf, über schiefe Treppen, manchmal ausgesprochen steil. Durch Gassen, in denen sich hinter jeder Ecke ein Fotomotiv verbirgt. Es ist der morbide Charme, der einen in den Bann zieht. Von der Kathedrale Sé sind es nur ein paar Minuten zur Brücke Dom Luis I. Auf der anderen Seite werden die meisten Fotos von Portos Uferpromenade mit ihren bunten Häusern geschossen.

Gemütlicher geht es auf den traditionellen Holzbooten zu, in denen man an der Promenade vorbeischippern kann. Unter insgesamt sieben Brücken fahren die Boote hindurch. Als Porto eine Eisenbahnbrücke brauchte, half kein Geringerer als der Erbauer des Eiffelturms: Gustave Eiffel.

Blaue Kacheln

Ganz oben auf dem Hügel liegt die Oberstadt. Eine Seilbahn macht den Anstieg leicht, in wenigen Minuten ist man oben. Dort liegt auch der Bahnhof Sao Bento. Im Innenraum waren die Meister des Storytellings am Werk. Die berühmten blauen Kacheln, die Azulejos, erzählen gewaltige Geschichten von vergangenem Landleben und alten Militärschlachten Portugals. Überall in der Stadt sind die Azulejos mit ihren Geschichten zu sehen. In Kirchen, Restaurants, Hotels, und Häuserfassaden. Dort klaffen in Augenhöhe oft große Löcher, weil die Kacheln inzwischen gestohlen worden sind.

Ein Überbleibsel der Vergangenheit ist auch das Belle-Époche Café Majestic. Im Innenraum verzieren große Spiegel die Wände, Putten und Sagenfiguren schauen auf die Gäste hinunter, die es sich auf den uralten Ledersofas bequem gemacht haben. Jemand spielt auf dem Klavier romantische Musik, die Kellner sind livriert, es geht gediegen zu. Irgendwie aus der Zeit gefallen.

Hier bestellt man die sogenannten Pastéis Nata, kleine ovale Törtchen mit Pudding gefüllt. Warm schmecken sie am besten. Zusammen mit einem, oder besser zwei Glas Portwein will man nie wieder weg aus diesem selig machenden, watteweichen Ambiente.

Portos Name kommt von dessen Exportschlager, dem Portwein. Das süße Getränk wird seit dem 17. Jahrhundert weitestgehend traditionell hergestellt und von Porto aus in die ganze Welt exportiert. Unzählige Marken sind in der Stadt zu Hause. Und manche werden mit dem Alter immer besser, aber auch immer teurer. Ein 130 Jahre alter Portwein kostet beispielsweise um die 7000 Euro. Überall in der Stadt werden Touren angeboten, die den Portwein mit der Musik Portugals verbinden.

Für kleines Geld sitzt man in einer nostalgischen Straßenbahn, in der zur melancholischen Fado-Musik verschiedene Portweine und Häppchen gereicht werden. Und hin und wieder fällt der Satz: „Keinen Portwein zu trinken ist reine Zeitverschwendung.“

Genießen Sie erholsame Tage in fantastischen Hotels. Bei uns finden Sie Städtereisen, Wellnessurlaub oder Familienferien mit bis zu 67% Ermäßigung. Testen Sie uns!

NWZ-Reisedeals ab 99,99 €
Genießen Sie erholsame Tage in fantastischen Hotels. Bei uns finden Sie Städtereisen, Wellnessurlaub oder Familienferien mit bis zu 67% Ermäßigung. Testen Sie uns!

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.