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NWZonline.de Ratgeber Reise

Gestern Hollywood, heute „Brandywood“

06.10.2017

Potsdam /Lübbenau Rot geklinkerte Häuser, weiße Holzfenster, geschwungene Dächer: Mitten in Potsdam ist Holland ganz nah. Auf den Bürgersteigen im Holländischen Viertel fühlt sich der Flaneur wie in Amsterdam. Eine perfekte Blaupause für die Macher der US-amerikanischen Agenten-Serie „Homeland“. Wenn Hauptdarstellerin Claire Danes in der niederländischen Hauptstadt ermittelt, steht die Kamera für diese Folge in Wirklichkeit in Brandenburg.

Das holländische Viertel in Potsdam ist quasi Amsterdam in Miniatur. Foto: Ulf Boettcher/TMB-Fotoarchiv/dpa-tmn

Es ist nicht die einzige Produktion von internationalem Format, die teils in dem Bundesland gedreht wurde. Und so hat sich Brandenburg den Slogan „Brandywood“ einfallen lassen. Mehr als 120 Drehorte hat das Medienboard Brandenburg ermittelt.

Orte durch die „Filmbrille“ betrachten

Durch die Filmbrille lässt sich auch der Park von Sanssouci mit seinen Prunkbauten betrachten. An der Geschwister-Scholl-Straße öffnet Gästeführer und Schauspieler Sebastian Stielke ein schmiedeeisernes Tor. Im Science-Fiction-Film „Aeon Flux“ schreitet Schauspielerin Charlize Theron hindurch.

Auf einem Bronze-Relief des Parks fährt Stielke weitere Drehorte im Schnelldurchlauf nach. Der Ruinenberg: „Krupp, eine deutsche Familie“. Das Orangerie-Schloss: „In 80 Tagen um die Welt“. In der Innenstadt wächst die Liste weiter. Stielke zeigt auf Fachhochschule und Nikolaikirche, zu sehen in „Die Welle“.

Historische Film-Kulisse

Etwas außerhalb der Stadt liegt die Glienicker Brücke. Während der deutsch-deutschen Teilung war sie als Agenten-Austausch-Brücke bekannt. Steven Spielberg drehte hier den Thriller „Bridge of Spies“. Wer will, quert anschließend die Havel.

Steven Spielberg nutzt die authentische Kulisse für seinen Film "Bridge of Spies". Foto: Bernd Kröger/TMB-Fotoarchiv/dpa-tmn

Am anderen Ufer: Sacrow. Der dortige Park mit Schloss und Heilandskirche ist die entspannte Alternative zu Sanssouci. Klein, süß, nicht so überlaufen. Im Schloss wohnte einst König Friedrich Wilhelm IV. Am Wasser entlang geht es zur Heilandskirche. 1844 im italienischen Stil erbaut, mit gelben und blauen Fliesen verkleidet. In „Keinohrhasen“ gesteht Nora Tschirner als Anna ihrem Ludo (Til Schweiger) hier ihre Liebe.

Sacrow mit seiner Heilandskirche ist ebenfalls ein beliebter Drehort. Foto: Bernd Kröger/TMB-Fotoarchiv/dpa-tmn

Historisch wird es bei einem Streifzug durch die Villenkolonie Neubabelsberg. „Vergessen sie Beverly Hills, das ist pillepalle“, sagt Stielke. An der früheren Kaiserstraße, heute Karl-Marx-Straße, siedelte sich ab 1870 die Hautevolee Deutschlands an: Großindustrie, Wirtschaft, Theater, später dann Film. An jedem ersten und dritten Sonntag im Monat verraten Stielke und seine Kollegen auf einer dreistündigen Tour Anekdoten über Ufa-Legenden, namhafte Architekten und die Rolle des Viertels für die Weltgeschichte. „Was diese Wände erzählen könnten“, sagt Stielke seufzend. Stoff für Filme, wie sie nur wenige Meter weiter gedreht werden: Willkommen im berühmten Studio Babelsberg.

Blutspritzer an den Filmstudio-Wänden

Unter dem silbernen Schriftzug hindurch, führt der Weg den Besucher auf das älteste Großatelier-Filmstudio der Welt. Hier steht die Wiege des deutschen Films. In dem größten Studio des Areals mit einer Gesamtfläche von 5400 Quadratmetern und einer Höhe von 14 Metern zieren noch Blutspritzer der Dreharbeiten zu Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ die Wände. Führungen gibt es auf Anfrage.

Die nächste Zeitreise führt nach Beelitz. Ziel sind die historischen Heilstätten im Potsdamer Wald- und Havelseengebiet. Gebaut Anfang des 19. Jahrhunderts als Lungenheilanstalt für Tuberkulose-Kranke, mit Sanatorien für Männer und Frauen. Heute die perfekte Atmosphäre für den Thriller „A Cure for Wellness“. Auch Tom Cruise ließ Teile seiner „Operation Walküre“ hier spielen.

Für den Film "A Cure for Wellness" wurden auch Räumlichkeiten der Beelitz-Heilstätten nachgebaut. Foto: Studio Babelsberg AG/dpa-tmn

Der Spreewald wiederum ist - natürlich - der Spreewald in den gleichnamigen Krimis des ZDF. Thomas Groß von Schwerdtners Kahnfahrten stakt die Urlauber durch die grüne Welt, ist aber auch der Fachmann schlechthin für die mittlerweile zehn Krimis. Groß brachte den Schauspielern nicht nur das Kahnfahren bei. Das Unternehmen übernimmt bei den Dreharbeiten auch den Transport der kompletten Ausrüstung. Einmal in der Woche steuert er aus dem Hafen zur Krimi-Fahrt. An Land führt Spreewald-Christel alias Gisela Christel Interessierte zu den Originalschauplätzen der Krimis: Kirche, Großer Hafen, Schloss. Zu Hause vorm Fernseher fühlt es sich später an, wie live dabei.

Die meisten Urlauber kennen den Spreewald als beschauliches Ausflugsziel. Foto: Martina Göttsching/TMB-Fotoarchiv/dpa-tmn
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