QUéBEC CITY - Die Kanadier bauen dem Maskottchen sogar ein Eisschloss. Das zieht tausende Touristen an.

Von Dirk Averesch

QUÉBEC CITY - Bonhomme lebt nur knapp zwei Wochen im Jahr. Das ist keine lange Zeit, doch es sind aufregende Tage für den lachenden Marshmallow mit roter Zipfelmütze und buntem Hüft-Schal. Schließlich ist Bonhomme das Maskottchen des Karnevals in Québec. Und die Bürger der kanadischen Provinzhauptstadt bauen für die weiße Eminenz jedes Jahr einen prächtigen Palast aus Eis und huldigen ihm mit Skulpturen aus Schnee.

Das Eispalais steht standesgemäß am Rand des Parlamentsgebäudes: 200 Tonnen Eis, 5600 Blöcke, jeder mehr als einen Meter lang und 75 Zentimeter hoch. Bonhommes Hofbaumeister heißt seit 40 Jahren Daniel Buchard – und der fürchtet nichts mehr als Temperaturen über dem Gefrierpunkt. „Wenn es zu warm wird, müssen wir nachts eimerweise Wasser über das Schloss kippen.“ In der Regel ist es aber zur Karnevalszeit, in diesem Jahr von diesem Wochenende bis 12. Februar, so knackig kalt, dass die Eisfestung fest steht und geradezu im Schnee versinkt. Abends wird Bonhomme auf seiner Burg mit Konzerten unterhalten. Für die Stimmung und gegen die Kälte fließt der heiße Caribou, eine Glühweinspezialität.

Jeder Jeck, der etwas auf sich hält, trägt den kunterbunten Karnevalsschal um die Hüften. Auf kleinen Luftkissen oder in Schlauchbooten rasen sie die Hügel hinunter.

Um Abschied von Bonhomme zu nehmen, tritt die Stadt zur großen Abschlussparade an. Dutzende Wagen, mehr als 1000 Akteure, Tanzgruppen, Spielmannszüge und Feuerspucker bilden einen kilometerlangen Lindwurm der guten Laune, hunderttausende Zuschauer säumen den Straßenrand – und bejubeln den Hohenpriester des Karnevals, der auf dem letzten Wagen tanzt.