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NWZonline.de Ratgeber Reise

Österreich: Selbstversuch: Einsamer Hüttenurlaub

18.09.2021

Radenthein Endlich mal raus sein, ganz einsam in einer einfachen Hütte in den Bergen: Für viele Stadtmenschen ist das ein kleiner Reisetraum. Nicht einmal der Komfort muss dabei auf der Strecke bleiben.

So stellt man sich Hüttenurlaub gemeinhin vor: Absolute Ruhe, Fernsehen und WLAN gibt es nicht, ein bisschen schummeriges Licht kommt von Kerzen und Taschenlampen.

Total romantisch ist es im Schoß von Mutter Natur – aber meistens auch ziemlich unbequem. Schon der Weg hinauf ist oft ein Abenteuer, das Schleppen des Gepäcks anstrengend und der Aufenthalt eine Mutprobe: Das Wasser zum Waschen und Duschen ist eiskalt, das Kochen eine Herausforderung und der Gang zum Plumpsklo auch nicht jedermanns Sache. Wollen wir so wirklich für eine ganze Woche Ferien machen?

Wir wollen. Denn wir haben beim Googeln nach Hüttenurlaub eine Menge vielversprechender Optionen gefunden, die auch in exponierten Lagen einigen Komfort bieten. Unsere Wahl fiel auf die „Alplhütte“ in Österreich, 1600 Meter über Radenthein am Millstätter See gelegen und mit dem Auto zu erreichen.

Brunnen kühlt Getränke

Vermieter Peter Pontasch führt uns zu dem schmucken Häuschen, das er vor 20 Jahren mit seinem Bruder gebaut hat. Für sieben Tage wird es unser Domizil sein. Auf einer kleinen Almwiese liegt die Hütte umsäumt von Zirben. Der Blick schweift über die Kärntner Nockberge zum Feldsee weit unten im Tal. Still ist es hier oben, nur das Zwitschern der Vögel ist zu hören. Und das Plätschern des Brunnens, der in den nächsten Tagen unseren Vorrat an Säften und Bier kühl halten wird.

Außerdem muhen hin und wieder ein paar Kühe, die den Sommer und den Frühherbst auf der Alm verbringen und der Hütte recht nah kommen.

So nah, dass Peter Pontasch sein Reich mit einem langen Zaun umgeben hat und seinen Gästen einen guten Rat erteilt: „Lasst’s euer Auto bloß net draußen auf dem Weg stehen, die Küh’ schlagen mit ihren Glocken oder Hufen schnell a trumm Dellen ins Blech.“ So hat der Kärntner fürs Auto ein Extragatter gebaut, das absolut kuhsicher ist.

Wir nehmen den Rat gern an. Da wir mit Hund unterwegs sind, gehen wir auch bei unseren Wanderungen, die buchstäblich vor der Hüttentür beginnen, dem Hornvieh lieber aus dem Weg.

Ansonsten ist die Nachbarschaft der Kühe eher lustig als lästig. Und besonders amüsant, wenn die neugierigen Tiere den Besuchern über den Zaun hinweg beim Frühstück zusehen.

Abenteuer anschüren

Das Innenleben auf der Hütte spielt sich auf zwei Ebenen ab. Das Erdgeschoss hat ein Wohn- und ein Schlafzimmer mit vier Betten. Im ersten Stock, der über eine steile Treppe erreicht wird, gibt es noch einmal vier Betten und sogar ein richtiges Bad mit WC.

Fließend Wasser aus dem Bach ist reichlich vorhanden, einen Abwasserkanal hat die Gemeinde schon vor Jahren gebaut, für eine kleine Siedlung von Ferienhäusern in der Nähe. Warmes Wasser liefert die mit Holz befeuerte Therme der „Alplhütte“.

„Ihr müsst’s olle zwei, drei Toge den Ofen im Erdgeschoß ordentlich anschürn“, sagt Peter Pontasch. Das reiche aus, damit alle Leute im Haus duschen könnten. Tatsächlich reicht das warme Wasser immer, wobei das Anschüren des mächtigen Ofens mit Papier und Holzspänen eine Wissenschaft für sich sein kann.

Nicht ohne ist auch das Kochen auf dem holzbefeuerten Herd, den wir noch von Omas Bauernhofküche her kennen. Wenn endlich ein Feuerchen brennt – und das kann bei Ungeübten dauern –, braucht es eine Weile, bis das Wasser für den Kaffee und die Frühstückseier heiß ist. Doch irgendwann haben wir den Bogen raus. Wenn nicht gerade gegrillt wird, gibt es Selbstgekochtes vom Herd.

Nächte wirklich ruhig

Dass dabei auch die Stube schön warm bleibt, ist auf 1600 Meter Höhe selbst im Sommer ein angenehmer Nebeneffekt. Draußen kann es nämlich recht frisch sein. Gern ziehen wir uns in die Hütte zurück. Auf dem Dach erzeugen Solarpaneele genug Licht zum Lesen oder Kartenspielen. Für einen Fernsehapparat reicht es zum Glück nicht.

Nach einem entspannten Abend mit guten Gesprächen und kühlem Bier geht es zum Schlafen in die rundum mit Holz verkleidete, urige Bettkammer. Ruhe ist auch bei offenen Fenstern garantiert. Das Rauschen der Blätter ist das lauteste Geräusch, das wir hören.

Die Füchse, Marder und Rehe, die nachts ums Haus streifen, bekommen wir nicht zu Gesicht. Dass sie da waren, sehen wir am nächsten Morgen, wenn die Essenreste und das Futter, das unser Hund vor der Hütte zurückgelassen hat, restlos weggefressen sind.

Da es keinen Laden um die Ecke gibt, müssen wir zum Einkaufen ins Tal: 15 Kilometer runter und wieder rauf. Peter Pontasch hat uns einen Schlüssel mitgegeben, der die Schranke für das letzte Stück Forstweg zur Hütte öffnet. Das ist durchaus anspruchsvoll.

Das Gleiche gilt für den anschließenden, weitgehend asphaltierten Weg hinab nach Radenthein, der teilweise recht schmal ist und bei Gegenverkehr einige Routine erfordert. Da empfiehlt es sich, den Gang zum Supermarkt mit einem Ausflug zum Millstätter oder Afritzer See zu verbinden. Und Station in einem hübschen Biergarten mit Backhendl und Kärtner Fleischnudeln zu machen.

Komfort dank Erfindung

Oft müssen wir die Tour ins Tal nicht machen, denn Butter, Käse, Fleisch und Wurst bleiben auf der Hütte auch an heißen Tagen frisch. Zu verdanken ist das dem ganz ohne Strom funktionierenden Kühlschrank Marke Eigenbau: Weil Energienot erfinderisch macht, hat Peter Pontasch einen stählernen Kasten gebaut, der durch eiskaltes Wasser aus dem Gebirgsbach auf Kühlschranktemperatur gebracht wird.

Nachbarn, Besucher, Trubel? Gefehlt hat uns auf der „Alplhütte“ nichts. Und gelernt haben wir auch etwas: Hüttenurlaub kann durchaus komfortabel sein. Wenn man ein bisschen erfinderisch ist.

Eine Nacht zum Beispiel auf der „Alplhütte“ kostet für vier Personen ab 69 Euro zuzüglich 40 Euro Endreinigung. Buchen lässt sich das Domizil wie viele andere Hütten online. Einige spezialisierte Anbieter sind etwa:


     www.almhuettenurlaub.de 
     www.huettenland.com 
     www.landsichten.de 
     www.huettenguide.net 

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