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NWZonline.de Ratgeber Reise

Reisebranche entdeckt gläubige Muslime als Gäste

01.02.2017

Ein Hotelzimmer samt Koran, Gebetsteppich und Richtungspfeil gen Mekka ist für viele Muslime Pflicht. Immer mehr wollen beim Reisen ihren Glauben nicht vernachlässigen. So ist der Markt der sogenannten Halal-Reisen entstanden - und er wächst. Allerdings kennen noch nicht alle Muslime den Begriff.

„Halal bezieht sich in der islamischen Tradition auf das, was in der Ernährung erlaubt ist. Doch es gab eine exponentielle Verwendung des Begriffs auch in anderen Aspekten des alltäglichen Lebens“, sagt Syed Furrukh Zad Ali Shah, der an der Uni Erfurt zu Halal-Ökonomie forscht. Er nennt Beispiele wie Halal-Finanzen und Halal-Musik - und eben Halal-Reisen. Das bezeichnet folglich einen Urlaub, der mit dem islamischen Recht vereinbar ist. Und wie sieht das aus?

Nach der Scharia ist es nicht erlaubt, Schweinefleisch zu essen oder Produkte, in denen Schwein enthalten ist. Das gilt im Urlaub genauso wie zu Hause. Andere Tiere dürfen nur verspeist werden, wenn sie geschächtet wurden. Das sind Vorgaben, die nicht jede Hotelküche erfüllt.

Das Hotel „Adlon Kempinski“ in Berlin bezieht deshalb das Essen für muslimische Gäste aus einem arabischen Restaurant in der Nähe, erklärt Samy Hamad, Director of Governmental Sales.

Das Essen hat den größten Einfluss darauf, ob eine Reise halal ist oder eben nicht. Doch welche Anforderungen haben Muslime noch? Zum Beispiel sollte für sie auch der Alkohol aus der Minibar geräumt werden. Weitere Must-Haves: „Koran, Gebetsteppich und Richtungspfeil oder Kompass im Zimmer“, sagt Hamad.

Ufuk Seçgin vom Reiseveranstalter Halal Booking und selbst Muslim freut sich ebenfalls über einen Gebetsteppich. Einen Kompass braucht er dagegen nicht - den hat er auf seinem Handy.

Diese Ansprüche kann fast jedes Hotel der Welt durch ein paar Extras erfüllen. Doch Hotels, die auf Halal-Reisende spezialisiert sind, besitzen weitere Besonderheiten - etwa ein Alkoholverbot im gesamten Hotel und einen Gebetsraum. Dieser ist nach Geschlechtern getrennt, oder es ist zeitlich geregelt, wann Männer und Frauen beten.

Ähnlich ist es bei Schwimmbädern: „Pools, Spa- und Wellnesseinrichtungen sind in Halal-Hotels oftmals nach Geschlechtern getrennt oder besitzen einen Sichtschutz“, sagt Seçgin. „Falls nicht, tragen die Frauen einen Burkini.“ Männer sollten knielange Badehosen tragen.

Woher kommt die verstärkte Reiselust der Muslime? Forscher Shah erklärt, dies habe in den frühen 1990er Jahren als Reaktion auf den neu entdeckten Wohlstand und ölzentrierten Reichtum in einigen Ländern begonnen. Die meisten reisenden Muslime stammen aus den Golfstaaten, der Türkei, dem Iran, Pakistan, Malaysia und Indonesien. Aber natürlich reisen auch ganz viele Muslime etwa aus Großbritannien, Deutschland und Frankreich.

Die beliebtesten Reiseziele von Muslimen sind laut der Agentur Crescent Rating die Staaten Malaysia, Vereinigte Arabische Emirate und Türkei. Für Strandurlaub gilt die Türkei als bestes Ziel. Ufuk Seçgin bestätigt das und hebt Antalya als „halal freundlichste Strandregion der Welt“ hervor. Bei den nicht-muslimischen Ländern liegen Singapur, Thailand und Großbritannien vorne.

Halal-Hotels können Muslime im Reisebüro oder im Internet buchen. Die Website www.halalbooking.com listet inzwischen 300 Hotels. Auf der Website werden die für Muslime wichtigen Eigenschaften des Hotels genannt. Ein Ranking gibt es nicht. Der Nutzer erhält jedoch einen Eindruck, wie halal-freundlich das Hotel ist. „Halal ist ein starker Ausdruck, mit unterschiedlicher Abgrenzung“, erklärt Seçgin. Deshalb wurde von einem Ranking abgesehen.

Auf www.halaltrip.com werden neben Hotels auch Restaurants und Aktivitäten empfohlen. Nutzer können Bewertungen abgeben. Außerdem sind für jeden Ort die Gebetszeiten zu finden. Persönlich beraten werden Reisende in Reisebüros wie Suay Tour in München, Balcok Travel Agency in Essen oder Kam 2000 Reisen in Duisburg.

Wichtig ist es, beim Buchen der Reise auch auf die Verpflegung im Flugzeug zu achten. Die meisten Airlines bieten Halal-Essen an. Airlines aus muslimischen Ländern, wie etwa Qatar Airways, werben sogar damit, dass alle Gerichte halal sind. Bei diesen Airlines ist es daher nicht notwendig, ein entsprechendes Gericht zu bestellen.

Für Airlines aus den Emiraten ist es sinnvoll, ausschließlich muslimisches Essen anzubieten. Doch auch international nimmt die Anzahl muslimischer Reisender immer mehr zu. Der Global Islamic Economy Report 2016/17 von Thomson Reuters und Dinar Standard beziffert die Reiseausgaben der Muslime im Jahr 2015 mit 155 Milliarden US-Dollar. Um fast fünf Prozent sind die Ausgaben damit im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Das „Adlon“ bietet die Zimmerausstattung für Muslime schon seit einigen Jahren an. Inzwischen kämen sieben Prozent der Gäste aus dem arabischen Raum und Indonesien, sagt Hamad.

Doch nicht nur Muslime schätzen Halal-Hotels. „Ich habe auch schon Nicht-Muslime getroffen, die gerne dort übernachten“, sagt Seçgin. „Sie schätzen die Ruhe, die familien- und kinderfreundliche Atmosphäre und das Alkoholverbot.“

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