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NWZonline.de Ratgeber Reise

Kuba: Revolutionsromantik im Regenwald

14.01.2017

Santiago De Cuba Fidel Castro ist tot, und in Kuba stehen die Zeichen auf Fortschritt. Doch Roy Pérez ist sicher: „Hier im Osten der Insel wird es noch lange dauern, bis der erste McDonald’s aufmacht.“ Erst vor zwei Jahren eröffnete der Kubaner im Stadtzentrum von Santiago de Cuba sein kleines Hostal „Roy’s Terrace Inn“.

Kolonialer Charme

Nach der politischen Öffnung Kubas kommen vor allem die Amerikaner. Viele Deutsche wollen das Land noch erleben, wie es früher war – und das geht im Osten besonders gut. „Dieser Teil der Insel ist landschaftlich wie kulturell viel ursprünglicher, viel kubanischer als der von Touristen überlaufene Westen und Havanna“, sagt Pérez.

Havanna mag die politische Hauptstadt Kubas sein. Doch das 1514 gegründete Santiago ist die unumstrittene Hauptstadt kubanischer Lebensfreude, Musik – und der Revolution. Vom Balkon des Rathauses rief Castro am 1. Januar 1959 den Sieg der Revolution aus.

Als größte Hafenstadt Kubas wurde Santiago für die Spanier zum wichtigsten Umschlagplatz von Sklaven. Auf dem Weg nach Baracoa zeugen davon endlose Kaffeeplantagen, auf denen die Gefangenen arbeiten mussten. Die Fahrt führt vorbei am berüchtigten US-Stützpunkt Guantánamo.

Das Gebirge und die heute noch schlechten Verkehrswege isolierten das Küstenstädtchen Baracoa über Jahrhunderte. Doch gerade dadurch konnte sich Kubas älteste, 1511 gegründete Ortschaft seinen kolonialen Charme bewahren. In der Bucht von Baracoa betrat Kolumbus 1492 zum ersten Mal die Insel.

Die Gegend ist ein Paradies für Natur- und Trekkingfans. Die Stadt ist umgeben von Kokosnussplantagen, Kakaofeldern und tropischen Regenwäldern. Trekkingtouren führen auf den 575 Meter hohen Tafelberg El Yunque, der 1987 zum Unesco-Biosphärenreservat erklärt wurde.

Wie unberührt die tropische Berglandschaft um Baracoa ist, wird vor allem im Alexander-von-Humboldt-Nationalpark deutlich. Parkführer Fernando zeigt auf Wanderungen die Vielzahl endemischer Pflanzen und Tiere. „Fast 70 Prozent existieren nur in dieser Region.“

Fernando ist ein Nachfahre der Taíno-Indianer und findet zwischen gigantischen Farnen, Urwaldriesen, Ananaspflanzen und duftenden Orchideen sogar die kleinsten und doch größten Parksensationen: Mit maximal einem Zentimeter ist der endemische Monte-Iberia einer der kleinsten Frösche der Welt. Und der auch Zunzuncito genannte Zwergkolibri ist der kleinste bekannte Vogel.

Kokosmilch und Hummer

Die schönsten Strände der östlichen Provinz befinden sich in Guardalavaca. An der Playa Esmeralda und der Playa Pesquero werden die Karibik-Klischees erfüllt: weißer Sand, Hängematten unter Palmen. Zum Essen gibt es frische Kokosnussmilch, noch frischeren Hummer und natürlich kubanische Mojitos.

Nur wenige Autostunden von den Postkarten-Stränden entfernt kam Fidel Castro zur Welt. Die ehemalige Finca Manacas bei Birán ist heute eine Art Freilichtmuseum. Der Vater von Fidel Castro und seinem Bruder Raul war ein wohlhabender Gutsherr.

Das wahre Paradies für Revolutionsromantiker wartet aber weiter südlich in der Provinz Granma mit der Sierra Maestra und dem Coloradas-Strand, an dem Fidel Castro und Che Guevara am 2. Dezember 1956 mit 80 Rebellen aus dem mexikanischen Exil landeten. „Eigentlich strandeten sie eher neben dem Strand und mussten sich stundenlang durch einen dichten Mangrovensumpf kämpfen“, erklärt José Fernandez. Er arbeitet als Guide im heutigen Naturpark.

Vom Gebirgsdorf Santo Domingo führen mehrtägige Touren durch den Turquino-Nationalpark auf den mit 1974 Metern höchsten Berg Kubas, den Pico Turquino. Die meisten Besucher verschlägt es auf einer Tageswanderung zu Fidel Castros Kommandozen­trale, die Comandancia General de la Plata. Im dichten Dschungel zeigen lokale Führer die Sendestation „Radio Rebelde“ und das Feldlazarett, in dem Che Guevara höchstpersönlich verletzte Guerilla-Kämpfer behandelte. Auch Fidels Hütte steht noch – samt Bett und Kühlschrank mit Einschusslöchern.

Reisezeit: Mit durchschnittlichen 25 Grad ist die Trockenzeit zwischen November und April kühler und weniger regnerisch. Zwischen Mai und Oktober ist es heiß und schwül.

Anreise: Condor fliegt direkt nach Holguín, Iberia und Air France über Havanna nach Santiago de Cuba. Von dort weiter mit Mietwagen oder Bussen. Wegen der großen Nachfrage und des geringen Angebots sollte man sich früh um einen Mietwagen bemühen.

Einreise: Deutsche benötigen neben einem Visum einen mindestens noch sechs Monate gültigen Reisepass, ein Rückflugticket sowie oftmals auch den Nachweis einer Auslandskrankenversicherung.

Informationen: Kubanisches Fremdenverkehrsamt, Stavangerstraße 20, 10439 Berlin Telefon 030/44 71 96 58, E-Mail: info@cubainfo.de

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