RHODOS - Hinter den Touristenburgen stößt man auf kleine Schätze. 300 Tage im Jahr scheint die Sonne.
Von Carina Frey
RHODOS - Die Luft ist modrig und feucht in dem Raum, der wie eine in den Fels gehauene Höhle aussieht. Nur die Vertiefungen in den Wänden lassen ahnen, wofür die mitten in Rhodos-Stadt gelegenen Stätten früher einmal gedient haben: Es sind Gräber. „Wo immer in Rhodos gegraben wird, findet man antike Überreste“, sagt der Archäologe Michael Triantafillou.Es lohnt sich, auf Rhodos genau hinzuschauen, vorbeizublicken an den Tausend-Betten-Hotels, die sich an der Ostküste breit machen, vorbei an den Busladungen voll Touristen und den obligatorischen Souvenirläden, Gyros-Buden und Cocktailbars. Der zweite Blick zeigt kleine Schätze: verwinkelte Gässchen, Innenhöfe mit kunstvoll gelegten Bodenmosaiken – oder wilden Oregano, der aus Felsritzen sprießt.
Ulla Poporou verkauft Tickets am Einlass des Hamams, des städtischen Bades in Rhodos-Altstadt. Zu einer Zeit, als ihr Gesicht noch keine Falten hatte, heiratete die Dänin einen Griechen. „Ich vermisse nur den Schnee“, sagt sie. Auf Rhodos scheint an rund 300 Tagen im Jahr die Sonne. Von Mai bis Ende Oktober läuft die Saison. Der Hamam wurde bereits im Jahr 1558 errichtet und hat sich seitdem nur wenig verändert. An den Wänden des großen Baderaums hängen Marmorbecken.
Wo einst die antike Stadt lag, stehen heute mittelalterliche Häuser, eingerahmt von einer vier Kilometer langen Stadtmauer. Die Befestigungsanlage wurde im 13. Jahrhundert von den Byzantinern errichtet und später von den Rittern des Johanniterordens bis auf 14 Meter Breite verstärkt. Doch auch die dickste Mauer konnte den Einfall der Türken 1523 nicht verhindern. Später kamen Italiener, Deutsche und Briten, bevor 1948 die Griechen die Insel übernahmen.
Zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Altstadt gehört die Ritterstraße mit den Herbergen der Johanniter und dem Großmeisterpalast. Abseits davon sind die Gassen leer. Wein rankt über steinerne Streben, die die Häuser wie Torbögen verbinden und als traditioneller Erdbebenschutz dienen. Gelegentlich erlaubt ein geöffnetes Fenster einen Blick in Wohnungen, in denen einige alte Rhodier noch wie in früheren Zeiten leben.
„In diesen Häusern lebten früher bis zu acht Personen“, erzählt Artemis Kakkiou. Nur ein Vorhang schützte die Privatsphäre der Eltern vor den Blicken ihrer Kinder. Kakkiou führt durch ein traditionelles Haus im alten Ortskern von Kóskinou, das heute ein Museum ist. Das Dorf, neun Kilometer südlich von Rhodos gelegen, hat im Zentrum seinen ursprünglichen Charme bewahrt und steht heute zum Teil unter Denkmalschutz.
Tradition wird bei Michalis und Dimitris Mavrikos groß geschrieben. Die Brüder kochen in ihrem Restaurant nach Rezepten der Großmutter: Soupioriso zum Beispiel, Risotto mit Sepiatinte, ein traditionelles Gericht in Lindos.
Lindos liegt im Südosten von Rhodos und war in der Antike neben Ialyssós und Kamirós der dritte Stadtstaat der Insel und ein bedeutender Seehafen. Die meisten der weißen Häuser stammen aus dem 17. Jahrhundert und wurden von wohlhabenden Reedern aufwendig gestaltet.
Oben über den Wohnhäusern erhebt sich die Akropolis mit dem Athenetempel. Hier drängen sich die Besucher hinauf, entweder auf dem Rücken eines Esels oder zu Fuß. Doch der Aufstieg lohnt, schon allein wegen des Blickes auf das türkisblaue Wasser.
Infos: Tel. 069/257 82 70
