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NWZonline.de Ratgeber Reise

Im Reich der Buchen und Eichen

21.10.2017

Rostock Ein Wald ist ein Wald ist ein Wald – denkt man, es sei denn, man kennt die Bücher des passionierten Försters Peter Wohlleben, echte Bestseller, die den Blick auf das Ökosystem vor unserer Haustür verändern. Oder man geht einfach mal selbst hinein, zum Beispiel in die Rostocker Heide, geradezu ein Musterbeispiel für einen abwechslungsreichen Wald.

Biologische Vielfalt

Nähert man sich diesem Wald von seinen Rändern her, zum Beispiel beim „Schnatermann“, einem beliebten Ausflugslokal, dann sieht man mächtige Buchen und Eichen. Kommt man ein bisschen vom Weg ab, landet man womöglich bei einem seltenen Stechpalmenwald oder am Rande eines geschützten Moores. Gerät man tiefer hinein, dann sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oder steht womöglich unvermittelt an der Ostsee. Einen Wald mit Strand findet man zwar öfter in Deutschland, aber nicht in dieser Größenordnung. Für das Bundesamt für Naturschutz zählt die Rostocker Heide zu den 30 „Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland“.

Wir haben uns diesem Wald von Warnemünde aus genähert. Keine drei Fährminuten liegen zwischen Warnemünde und Hohe Düne, den beiden Seebädern an der Mündung der Warnow. Auf dem Ostseeküstenweg radeln wir Richtung Rostocker Heide. Und ahnen schnell, dass es eine gute Idee war, dieses 6000 Hektar große Landschaftsschutzgebiet mit dem Rad zu erkunden. Insgesamt ist das Netz der Wege, die die Rostocker Heide durchziehen, 87 Kilometer lang. Der Ostseeküstenweg ist dabei so etwas wie die Hauptverkehrsschneise. Unsere Idee: an besonders schönen Ecken das Rad stehen lassen und kleine Wanderungen machen.

Ein grimmig dreinschauender Kerl am Ortsausgang von Markgrafenheide markiert den Startpunkt unserer ersten Runde. Es handelt sich um eine 3,60 Meter hohe Statue von Borwin III., geschnitzt aus bestem Eichenholz. Der Fürst war 1252 knapp bei Kasse und verkaufte der Stadt Rostock das vor uns liegende Waldgebiet.

Dort beginnt der wohl beliebteste Wanderweg durch die Rostocker Heide. Er führt über sandige Waldwege zum „Schnatermann“ – die ehemalige Revierförsterei liegt direkt an der Warnowmündung, in Rostock nur „Breitling“ genannt. Das Ausflugslokal an diesem Ende der Rostocker Heide ist zugleich die letzte Chance, sich vor Graal-Müritz, dem anderen Ende, noch einmal richtig satt zu essen. Mit anderen Worten: Es empfiehlt sich, Proviant mitzunehmen.

Kraniche beobachten

Je weiter wir auf dem Ostseeküstenweg in die Rostocker Heide hineinkommen, desto urwüchsiger wirkt sie. Bei einem hölzernen Schild, das den Weg zu einem Aussichtsturm weist, lassen wir das Rad erneut stehen. Nach wenigen Metern stehen wir am Rand des Naturschutzgebietes „Heiligensee und Hütelmoor“. Vor uns eine weite Fläche, aus der abgestorbene Birkenstämme emporragen. Das Schilf wiegt sich im Wind. Zu hören ist fast nichts, nur der Wind und ab und an eine Vogelstimme. Libellen tanzen vor unserer Nase. Wildschweine haben das Erdreich aufgewühlt. Auch gehört nicht viel Glück dazu, Kraniche auf ihrem Weg in die Winterquartiere zu beobachten.

Zurück auf dem Ostseeküstenweg. Unsere nächste Station ist eine Schutzhütte. Auf dem Weg dorthin haben wir genug Zeit, darüber nachzudenken, warum die Rostocker Heide wohl Rostocker Heide heißt, obwohl es sich doch vor allem um Wald- und Moorflächen handelt. Sie muss ihren Namen zu einer Zeit bekommen haben, in der es dort noch ganz anders aussah.

Bei der Schutzhütte parken wir unsere Räder und gehen westwärts, Richtung Stolper Ort. Es dauert nicht lange, und der Wald gibt den Blick frei auf eine tiefblaue Ostsee. Die Segel einiger Boote sorgen für weiße Tupfer. Der Strand ist fast menschenleer. Vor uns, in weiter Ferne, ist Warnemünde zu sehen, das Hotel Neptun, die Skandinavienfähre. Viel friedlicher kann sich die Ostsee nicht präsentieren.

Ökologisch vorbildlich

Bei Rosenort erklimmen wir die Steilküste und gelangen auf einem schmalen Pfad zu einem Findling, der an Charles Bencard (1877–1956) erinnert, der sich früh um die „Erhaltung der urwüchsigen Schönheit der Rostocker Heide“ verdient gemacht hat. Man könnte meinen, dass sich seit den Tagen dieses Forstinspektors wenig verändert hat. Dabei wurde die Rostocker Heide seit den 1930er Jahren auch militärisch genutzt. Die Nationale Volksarmee betrieb dort seit den 1960ern unter anderem Schießplätze. Auch haben Stürme Schneisen der Verwüstung geschlagen.

Dass davon wenig zu sehen ist, ist das Ergebnis der Arbeit von Stefan Schlüter und seinen Kollegen. Der 50-jährige Revierförster weiß nicht nur, wo er tätig werden muss, sondern auch, wo er die Natur lieber in Ruhe lässt. Als erste Kommune in den neuen Bundesländern erhielt die Stadt Rostock im August 2000 das Zertifikat des Forest Stewardship Council für „vorbildlich ökologisch nachhaltige Waldbewirtschaftung“.

Genutzt wird das Holz dieses Waldes wie eh und je vom Köhlerhof Wiethagen, der letzten von ehemals sechs Teerschwelereien in der Rostocker Heide. Holzteer war im Mittelalter ein „außerordentlich wichtiger Rohstoff“, sagt Karl-Heinz Kräusche, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter. Gefragt war er vor allem im Schiffbau, weil man damit die Holzplanken abdichten konnte. Der kleinere der beiden Teeröfen ist der letzte seiner Art in Europa und wird noch viermal im Jahr in Gang gesetzt. Auch wenn der Köhlerhof ein wenig abseits des Ostseeküstenwegs liegt – der Abstecher lohnt.

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