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NWZonline.de Ratgeber Reise

Weiße Pferde und schwarze Stiere

28.07.2018

Saint-Maries-De-La-Mer Dort, wo das Süßwasser der beiden Rhone-Arme in das Salzwasser des Mittelmeeres fließt, liegt die Camargue. Im größten Flussdelta Westeuropas. Es ist ein ganz besonderer Landstrich in Südfrankreich – wild und ursprünglich. Seit fast 50 Jahren ist die Camargue offiziell ein Naturpark. 120 000 Hektar Sumpfgebiet, Wiesen, Steppe, unzählige Salzseen, Kanäle und Dünen. Es ist die Heimat der weißen Pferde, schwarzen Stiere und rosaroten Flamingos. Die pastellfarbenen Vögel sind mit 45 000 Exemplaren die größte Brutstätte in Europa.

Sumpf trocken gelegt

Es ist ein Landstrich mit langer Geschichte. Bis ins 19. Jahrhundert war das Sumpfgebiet spärlich von Hirten bewohnt. Sie kümmerten sich um Ziegen und Schafe, mehr Landwirtschaft gab das morastige Gebiet nicht her. Erst, als der Sumpf trocken gelegt wurde, das Flachland eine Struktur aus Kanälen und Stegen erhielt, kam landwirtschaftliche Nutzung infrage. Heute werden Obst, Gemüse und Reis angepflanzt.

Jean-Paul Michel ist einer von rund 1500 Reisbauern in der Camargue. Die optimalen Bedingungen liefert Süßwasser, das in die Kanäle gepumpt wird. Dieses Wasser kommt aus der Rhone und hilft, dass die Gegend nicht zur Salzwüste erstarrt. „Man sagt, der Reis hält den Kopf in die Sonne und steht mit den Füßen im Wasser.“ Und das stimme, meint Michel. Bei ihm gedeihen schwarzer, roter, brauner und Naturreis.

Tradition wird in der Camargue groß geschrieben. Zum Beispiel die der Stierzucht und des Stierkampfes, dem sogenannten „Course libre“. Die Zucht dieser kleinen, wendigen Tiere reicht bis ins Mittelalter zurück. Die schwarzen Camargue-Stiere landen weniger im Kochtopf als in der Stierkampf-Arena. Dort bringen sie mehr Geld, wenn sie sich als Zuschauermagnet präsentieren.

In der Camargue ist der Stier der Held und nicht der Torero. Der Kampf unterscheidet sich grundlegend von dem in Spanien oder Portugal. Es sind keine Speere im Spiel, stattdessen muss der Stierkämpfer mit Schnelligkeit und Geschick überzeugen. Die „Raseteure“ kämpfen ganz in Weiß, ihrem traditionellen Kostüm. Ihre Herausforderung besteht darin, dem Stier mit einem kleinen Haken bunte Bänder abzujagen, die dieser zwischen den Hörnern hat.

Etwa 750 solcher Kämpfe finden jährlich statt. Und nicht immer enden sie harmlos. So mancher Kämpfer wurde schon von den Hörnern des Stiers gepackt und durchbohrt. Stiere haben hier Kultstatus, Raseteure nicht. Das Preisgeld liegt bei mageren 300 Euro. „Es passiert viel häufiger, dass einem Stier ein Denkmal gesetzt wird, als dass ein Kämpfer eins bekommt“, sagt Claude Monier. Der Mann aus Arles kommt seit Jahren regelmäßig in die Stierkampfarena.

Die wilden Stars von morgen kommen von den „Manades“, den Stierfarmen. Eine der bekanntesten ist die Manade Gilbert Arnaud in der Nähe von Saintes-Maries-de-la-Mer. Seit vielen Generationen werden dort Stiere für die Arenen gezüchtet, für den Verkauf an andere Züchter und letztlich auch für die Verarbeitung zu Stier-Paté oder Stier-Gulasch. Zurzeit sind es etwa 100 Großtiere.

Zusammen mit seiner deutschen Frau Stephanie führt der Südfranzose Gilbert das Unternehmen. „Es ist ein Cowboy-Leben“, sagt seine Frau und zeigt, wie man Stiere zusammentreibt. Die wirklichen Cowboys der Camargue heißen „gardians“. Sie sorgen für das Wildwest-Gefühl, wenn sie hoch auf ihren weißen Pferden inmitten der schwarzen Stiere reiten.

Berühmter Wallfahrtsort

Für die Camargue sind die wildlebenden weißen Pferde ebenso typisch wie die der freilebenden schwarzen Stiere. Erst in den 1970er Jahren wurde diese Rasse offiziell als Camargue-Pferd anerkannt.

Um die kleinen stämmigen Pferde rankt sich eine ganze Reihe von Mythen. So soll der römische Meeresgott Neptun mit einem Camargue-Pferd aus dem Ozean aufgetaucht sein und es einem Stierzüchter geschenkt haben.

Wie lebendig dieser Mythos ist, zeigen die Manadiers, die den „Dreizack“ Neptuns zum Einfangen der wilden Stiere benutzen. Geschichten sind gut, Geschäfte sind besser. Mit Ausritten am Meer, zu den Salinen, Reitstunden und Reiterferien lässt sich gutes Geld verdienen.

Traditionen werden auch in Saintes-Maries-de-la-Mer gepflegt. Der 2500-Seelen Ort, den alle nur Saintes-Maries nennen, ist nach Arles die heimliche Hauptstadt der Camargue und ein Wallfahrtsort. Jahr für Jahr pilgern Tausende Gläubige aus der ganzen Welt im Frühling und im Herbst ins ehemalige Fischerdorf. Seit dem 12. Jahrhundert werden dort drei Marien verehrt: Maria Magdalena, Maria Salomé und Maria Jacobäa.

Nachdem drei Jahrhunderte später angeblich Reliquien dieser Heiligen im Ort gefunden wurden, war es mit der Ruhe und Beschaulichkeit vorbei. Ein wahrer Marienkult lockte immer mehr Menschen nach Saintes-Maries. Vor allem Gitans. Sie kommen zur vierten Heiligen, der schwarzen Sara. Roma und Sinti verehren sie aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe und Herkunft aus Ägypten als ihre Schutzpatronin.

Legenden über die schwarze Sara gibt es viele. So soll Sara mit den Marien mit einem Schiff von Ägypten nach Südfrankreich vor der Christenverfolgung geflohen sein. Schiffbrüchig geworden, war die Küste von Saintes-Maries ihre Rettung. Um nicht zu verhungern, sammelte Sara Almosen für die Gruppe und half den Marien dabei, das Christentum nach Südfrankreich zu bringen.

In der alten Wehrkirche Notre Dame de la Mer nimmt Sara die gesamte Krypta ein. „Wir kommen jeden Tag hierher, zünden eine Kerze an, räumen ein bisschen auf und beten“, sagt Carmen und drückt ihrer Tochter einen Staubwedel in die Hand. Die beiden Frauen sind Gitans, haben sich vor 15 Jahren in Saintes-Maries niedergelassen und vermieten Ferienzimmer.

Perlen und Pailletten

So schlicht die Kirche aus dem 15. Jahrhundert insgesamt auch wirkt, in der Krypta offenbart sich eine andere Welt. Bunte Bilder, Fotos und Postkarten sind wild durcheinander an den Wänden befestigt. Davor Schränkchen und Tische, überall brennende Kerzen, die wegen der Hitze längst ihre ursprüngliche Form eingebüßt haben. In der Ecke steht Sara, lebensgroß, dunkelhäutig, aus Holz.

Nur der Kopf mit einer Perlenkrone schaut aus einem Mehrfach-Lagenlook farbenfroher Kleider mit Pailletten und Stickereien. Die Figur ist maßlos behängt mit Herz- und Kreuzketten. Vorsichtig streicht Carmen das Kleid der Heiligenfigur glatt, geht ein paar Schritte zurück und prüft, ob alles ordentlich sitzt. „Wir haben ihr viel zu verdanken. Vive Sainte Sara!“ Die Mittfünfzigerin tätschelt der Statue die Wange und lächelt.

Bei den jährlichen Prozessionen sind die beiden Frauen immer dabei. Es gehört zu ihrem Leben. Von Notre Dame aus werden die Marienstatuen und Sara in einer riesigen Prozession mit geistlicher Begleitung durch den Bischof von Arles ins Meer getragen. Fahnen und Gebete begleiten die Menge. Es ist ein internationales Großereignis mit jährlich rund 30 000 Besuchern. Nach der Prozession wird bei Flamenco und Gitarrenmusik bis zum nächsten Morgen gefeiert. Die Musik erinnert an die der Gypsy Kings. Und tatsächlich beginnt deren Geschichte in Saintes-Maries.

Kaviar unter den Salzen

Damals hieß die Combo noch José Reyes et Los Reyes und spielte auf Hochzeiten und auf der Straße. Mehr als zehn Jahre später kam „Bamboleo“ heraus, wurde ein Sommerhit und eroberte die internationalen Charts.

Rund sieben Kilometer von Saintes-Maries entfernt, in Aigues-Mortes, befindet sich ein weiterer Exportschlager der Camargue. Dort wird das „Fleur du Sel“, die Salzblume, gewonnen. Wenn sich im Sommer der Wind legt und die Sonne vom Himmel brennt, bilden sich an der Oberfläche der Salin du Midi ganz zarte Salzkristalle. Sie müssen schnell und behutsam von Hand geerntet werden, denn ein schwacher Windstoß genügt schon und die Blume ist vom Winde verweht.

Sterneköche geraten in Verzückung angesichts ihres Aromas. Das Süßwasser des Rhone-Deltas und das Salzwasser des Mittelmeeres machen das Fleur du Sel aus der Camargue zum Kaviar unter den Salzen.

Wallfahrten:Im Juni und im Oktober.

Anreise:Entfernung Oldenburg-Arles rund 1300 Kilometer. Flüge von Bremen nach Marseille ab 228 Euro.

Übernachtung:Durchschnittspreis Drei-Sterne Hotel etwa 113 Euro. Durchschnittspreis Fünf-Sterne-Hotel rund 309 Euro. Camping in Saintes-Maries: Camping La Brise, Rue Marcel Carrière – BP 74 – 13460 Saintes Maries de la Mer.


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