SAINTE-CROIX - Das Klima im Jura gilt als schneesicher. Allerdings kommt der Schnee immer erst recht spät im Jahr.
Von Heidemarie Pütz
SAINTE-CROIX - Dick bestäubte Tannen ducken sich im Schnee, jungfräulich weiß liegt der Weg. Nur mit Schneeschuhen ist hier ein Weiterkommen. Der Lohn für den einsamen Fußgänger im Waadtländer Jura im Westen der Schweiz sind friedliche Stille in unberührter Winterlandschaft und grandiose Aussichten. Mit ihrem rauen, schneesicheren Klima eignen sich die Hochebenen für alle, die auf Schneeschuhen oder Langlaufskiern sanften Wintersport suchen.Der Schweizer Teil des Jura erstreckt sich 200 Kilometer weit von Saint-Cergue nahe des Genfer Sees bis fast nach Schaffhausen. Lange politisch in mehrere Regionen geteilt, wird auch heute noch vom Waadtländer, Neuenburger, Berner, Solothurner und Basler Jura gesprochen. Im Waadtländer Jura entlang der Grenze zu Frankreich zwischen Saint-Cergue und Sainte-Croix sowie im Vallée de Joux verbinden sich eidgenössische Genauigkeit und französische Lebensart.
Am Südfuß des Gebirges liegen zwei große Seen: Lac Leman und Lac de Neuchatel, wie hier in der französischsprachigen Schweiz der Genfer und der Neuenburger See genannt werden. Von ihren Ufern führen auch im Winter gut befahrbare Wege in kurzer Zeit in den Schnee.
Das Gebiet, dessen höchste Erhebung Mont Tendre gerade mal auf 1679 Meter führt, ist weit davon entfernt, überlaufen zu sein. In den wenigen kleinen Orten geht es beschaulicher zu als an den Ufern des Genfer Sees. Oft begegnet dem Schneewanderer oder Langläufer in der winterlichen Weite kaum eine Seele. Allerdings kommt der Schnee in der Regel erst spät im Jahr und verschwindet früh im Frühling. Doch die Wolken bringen oft erstaunliche Schneemassen mit sich.
Das Feriendorf Saint-Cergue öffnet die Tür zu einem großen Skigebiet. Neben 120 Kilometern gespurten Langlaufpisten gibt es auch ein Alpin-Areal, sogar für Nachtfahrten. Seit das 1678 Meter hohe Dole-Massiv mit dem französischen Jouvencelles-Massiv verbunden ist, kann die Grenze von Pistenläufern problemlos überschritten werden.
Am Abend lässt der Vollmond den Neuschnee wie eine Silberdecke voller Diamanten blinken. Mit ihren weißen Hauben leuchten sogar die ansonsten dunklen Tannen. Die Stirnlampe der Wanderführerin Barbara Reitz ist nicht nötig, um auf Schneeschuhen den Weg zur Berghütte La Genolière zu finden. Die dick besohlten Nachtschwärmer kommen selbst bei minus zwölf Grad ins Schwitzen. „Wer laufen kann, kann auch mit Schneeschuhen wandern“, sagt Barbara Reitz. Selbst steile Hänge seien damit trittsicher zu bezwingen, ohne abwärts ins Gleiten zu kommen. Das Erlebnis einer nächtlichen Schneewanderung ist allerdings ohne Führer nicht ratsam. Verschneit sieht jeder Baum wie der andere aus, Markierungen sind in den seltensten Fällen noch zu
sehen.
Der Jura ist eines der größten Langlaufgebiete der Schweiz. Mehr als 200 Kilometer gespurte Loipen führen rund um den Lac de Joux, Lac Brenet und Lac de Ter im 30 Kilometer langen Vallée de Joux im Südwesten von Vallorbe. Das Mikroklima sorgt hier dafür, dass der auf rund 1000 Meter gelegene Lac de Joux nicht selten gänzlich zufriert. Kufenflitzer sorgen dann für Volksfeststimmung.
Von Yverdon-les-Bains am Neuenburger See führt eine spektakuläre Bahnfahrt vom Waadtländer Mittelland in weitere schneebedeckte Höhen nach Sainte-Croix auf mehr als 1000 Meter Seehöhe. Die Schmalspurbahn fährt erst durch Wiesen und Felder und steigt dann auf einer Panaromastrecke gemächlich den Jurafuß hoch. Der kleine Industrieort Sainte-Croix gilt als Metropole der Musikautomaten. Das Automaten- und Spieldosenmuseum im Centre International de la Méchanique d’Art entführt mit seiner unterhaltsamen Sammlung in Kinderzeiten.
