SALZBURG - Mozarts Geburtsstadt in drei Tagen, das ist einfach zu kurz. Auch wenn Salzburg nur 150 000 Einwohner und ein relativ kleines Altstadtzentrum hat, in dem vieles gut zu Fuß erreichbar ist, braucht man doch mindestens eine Woche, um alle Sehenswürdigkeiten aufzusuchen. Vor allem, wenn man nicht nur die bekanntesten Ziele wie die Festung Hohensalzburg, die Residenz, die Franziskanerkirche, das Glockenspiel, den Dom, Schloss Mirabell mit seinem barocken Garten, Mozarts Geburts- und Wohnhaus und den St.-Sebastian-Friedhof an der Linzergasse erforschen möchte, sondern auch die zahlreichen Besonderheiten.
Bartoli und Pereira
Viele Salzburg-Touristen und Festspielgäste haben das erkannt. Nicht zuletzt wegen der Festspiele ist die Zahl der Besucher in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen, wie eine Studie der Fachhochschule Salzburg von 2011 zeigt. Auswärtige Festspielgäste bleiben durchschnittlich eine Woche und besuchen in dieser Zeit vier Vorstellungen. 72 Prozent dieser Besucher kommen öfter, denn die Stadt der handgemachten Mozartkugeln (aber nur die blau-silbernen sind original) und Salzburger Nockerln schmeckt nach mehr: mehr Musik, mehr Kultur und mehr Kulinarik.
Im Mai 2012 hat Cecilia Bartoli erstmals sehr erfolgreich die künstlerische Leitung der Pfingstfestspiele übernommen und wird auch 2013 dafür verantwortlich zeichnen. Krimi-Autorin Donna Leon kam zur Premiere der Barock-Oper „Giulio Cesare in Egitto“. Das große Schaulaufen der Prominenz zu den Salzburger Festspielen findet aber erst im Sommer statt. Am 20. Juli beginnt die Intendanz von Alexander Pereira (64).
Außerhalb der Festspielzeit dürfen auch Besucher hinter die Theaterkulissen schauen. Es gibt ein bis zwei Führungen pro Tag durch die Spielstätten des Großen Festspielhauses, das Haus für Mozart und das Freilichttheater Felsenreitschule, das in Schlechtwetterzeiten durch ein mobiles Dach geschützt wird. „Die Felsenreitschule im Mönchsberg (540 m) war ursprünglich ein Steinbruch für den Dom“, berichtet Christian Pflugbeil (46), Leiter des Besucherdienstes und Chef von 200 Angestellten.
In den 1693 auf drei Etagen angelegten Arkaden in der Felswand des Salzburger Hausberges, auf dessen Plateau sich das Museum der Moderne und ein Restaurant mit grandiosem Panorama-Blick befinden, fanden die Zuschauer der Sommerreitschule Platz. Seit 1926 dient die Felswand als Kulisse für das Freilichttheater.
Flucht im Film
Durch die geschichtsträchtige Felsenwand floh schon „die Trapp-Familie“ im Film vor den Nazis in die Schweiz. „Jedes Jahr kommen 300 000 Amerikaner, um sich die Kulissen für den Oscar-prämierten Film „The Sound of Music“ (1965) anzuschauen“, erzählt Christian Pflugbeil. Die Logistik, die hinter den Kulissen steckt, lässt sich nur zum Bruchteil erahnen, wenn Pflugbeil berichtet, dass für Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ das Glockengeläut von 39 Kirchen abgestellt werden muss. Wenn es regnet heißt es, 2200 Zuschauer in 24 Minuten vom Domplatz ins Große Festspielhaus umzuleiten, wo die Vorstellung dann im kompletten Bühnenbild weitergeht.
Schon für Mozart spielte das Essen eine große Rolle, wie aus seinen Briefen hervorgeht. Besucher der Stadt können kulinarisch schwelgen. Das reicht vom ältesten Restaurant Mitteleuropas, dem „St. Peter Stiftskeller“ von 803, in dem schon Karl der Große gespeist hat, über den „Gasthof Weiserhof“ mit österreichischer Hausmannskost auf Gourmet-Niveau, bis zur Sterne-Küche im „Carpe Diem“. Auf keinen Fall entgehen lassen sollte man sich die „Mayday Bar“ im Hangar 7 mit Blick auf ein Flugzeugmuseum und Sebastian Vettels Formel-1-Rennwagen.
