SAMNAUN/ISCHGL - Die Wintersportorte in Tirol und der Schweiz vereint ein Skigebiet. Zusammen mit Ischgl bildet Samnaun die Silvretta-Arena.
Von Detlef Berg
SAMNAUN/ISCHGL - Gerade noch in Tirol und jetzt schon in der Schweiz: In Ischgl und Samnaun können Skiurlauber zu Grenzgängern werden. Die Wintersportorte vereint ein gemeinsames Skigebiet, doch ansonsten liegen Welten zwischen ihnen. Auf der einen Seite der Berge lockt die Partyhochburg Ischgl, auf der anderen das ruhigere Samnaun, das nicht zuletzt als zollfreies Gebiet bekannt geworden ist.Die im Dreiländereck mit Italien und Österreich gelegenen Dörfer des Samnaun waren lange fast ausschließlich über Pässe vom Engadin und Tiroler Paznauntal aus erreichbar. Nur über einen Ochsenkarrenweg nach Pfunds in Österreich konnte sich ein reger Handel entwickeln.
Die Zentralisierung des Schweizer Zollwesens 1848 brachte jedoch den Bewohnern Samnauns hohe Abgaben und damit den Verlust wichtiger Einnahmequellen. Deshalb stellten sie einen Antrag auf Zollfreiheit. 1892 entsprach der Bundesrat diesem Begehren. Seitdem wurde der Status immer wieder verlängert.
„Der Tourismus ist für uns die wichtigste Einnahmequelle“, sagt Fremdenführer Christian Jenal. Aus dem einst abgeschnittenen und armen Tal ist längst ein moderner Wintersportort geworden. Zusammen mit Ischgl bildet Samnaun die Silvretta-Arena. 40 Bahnen und Lifte erschließen einen der größten Snowboardparks Europas sowie gut 230 Kilometer Pisten, darunter auch 40 Kilometer schwarze Abfahrten.
Der vielerorts schleppende Start in die Wintersaison 2006/07 war auch in Ischgl und Samnaun ein Thema. „90 Prozent des Skigebietes liegen oberhalb von 2000 Metern“, sagt Franz Holzknecht, Direktor von Samnaun Tourismus. „Natürlich hätten wir uns über mehr natürlichen Schnee gefreut, doch durch die 2006 nochmals erweiterten Beschneiungsanlagen konnten wir den Skifahrern durchgehend gute Pistenverhältnisse bieten.“ 580 Schneekanonen beschneien bei Bedarf über 90 Prozent der Pisten. Die längste misst zwölf Kilometer und führt vom Greitspitz über die Velillhänge bis nach Ischgl. Gute Abfahrten gibt es auch vom Palinkopf, dem mit 2864 Metern höchsten Punkt des Skigebiets.
Am Viderjoch verläuft die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz. Nur ein kleines Zollhäuschen ist zu sehen. Doch es kommt vor, dass sich Ski fahrende Grenzbeamte für allzu prall gefüllte Rucksäcke interessieren. Wer in Samnaun mehr als die erlaubte Stange Zigaretten zollfrei gekauft hat, muss mit saftigen Strafen rechnen.
Zentraler Dreh- und Angelpunkt des Skigebiets ist die Idalpe. Hier befinden sich die Bergstationen der Silvrettabahn und der Fimbabahn, und weil sich auf dem 2320 Meter hoch gelegenen Plateau viele Pisten kreuzen, herrscht immer viel Betrieb.
Richtig voll wird es in Ischgl bei den „Top of Mountain Concerts“ am Saisonende. Nach internationalen Pop-Legenden wie Elton John, Rod Steward oder Pink soll in diesem Jahr Beyoncé Knowles am 29. April die Open-Air-Bühne zum Beben bringen. Erwartet werden rund 20 000 Besucher – der Eintritt zum Konzert ist frei.
Ischgl ist kein Ort, an dem sich Gäste körperlich erholen können. Ein „Ibiza der Alpen“ wird Ischgl daher gern genannt. Rund 11 000 Gästebetten, Boutiquen, Bars und Pubs, aber auch Feinschmeckerlokale und riesige Diskotheken sind die Markenzeichen des Skidorfes. Und wer vom Trubel in Ischgl die Nase voll hat, wechselt eben nach Samnaun.
