SANTA CRUZ DE LA PALMA - Vulkanlandschaften, dschungelartige Lorbeerwälder, Lavawüsten und dichte Kiefernwälder: La Palma ist nicht nur die grünste Insel der Kanaren, sie gibt auch ein besonders vielfältiges Bild ab. Ein Wegenetz von rund 1000 Kilometern Länge macht die „Isla bonita“ – die „schöne Insel“, wie sie auch genannt wird – zugleich zum Wanderparadies.

Wasser tropft von der Decke, mit jedem Schritt wird es dunkler. Es riecht nach Nässe und Moos, zur Linken strömt ein kleiner Bach durch den Tunnel. Ab und zu gewähren Löcher in der Wand Blicke in den Abgrund – bis zu 50 Meter tief ist die Schlucht. Das Tropfen von der Decke verwandelt sich nach und nach in kleine Wasserfälle, die im Dunkeln kaum zu sehen, aber zu spüren sind – eine willkommene Abkühlung an diesem Tag, an dem die Sonne den Wanderern beim Aufstieg zu den Quellen des Flusses Marcos y Cordero zu schaffen macht. Zwölf Tunnel müssen „durchtastet“ werden, um zu den Quellen zu gelangen.

Meterhohe Farne säumen den Weg, Urwaldriesen spenden Schatten – La Palma erinnert eher an einen subtropischen Dschungel als an eine Insel vor der Küste Afrikas. An den Quellen wird gerastet, bevor der Abstieg in die Schlucht beginnt. Langsam verwandelt sich die Landschaft, und die Wanderer erreichen den Lorbeerwald Los Tilos. Moose und Riesenfarne überwuchern hier den Nebelwald, von dem man glauben könnte, hinter jedem Baum sitze ein Kobold.

Die knapp zwölf Kilometer lange Route zu den Gebirgsquellen von Marcos y Cordero und weiter zum Lorbeerwald Los Tilos gehört zu den schönsten Touren auf der Insel. Nicht weniger spektakulär sind die Wanderungen im Nationalpark La Caldera de Taburiente. Der Nationalpark, ein Vulkankrater von rund acht Kilometern Durchmesser, ist eine der faszinierendsten Regionen auf den Kanaren. Das Wegenetz umfasst hier rund 70 Kilometer.

Eine der Wanderungen mit den schönsten Panoramablicken schlängelt sich am Kraterrand entlang. Sie führt zum Roque de Los Muchachos auf 2426 Meter, dem höchsten Punkt der Insel. Der Blick schweift von dort tief in den Krater hinein.

Eine andere schöne Wanderung verläuft innerhalb des Kraters, und zwar vom Aussichtspunkt Los Brecitos zum Campingplatz des Parks und auf dem Rückweg durch die „Schlucht der Todesängste“ (Barranco de las Angustias) wieder zum Ausgang. Von Los Llanos aus fährt zunächst das Jeep-Taxi bis zu dem Aussichtspunkt in 1200 Metern Höhe. Dann beginnt ein leichter Abstieg von knapp zwei Stunden Dauer.

Immer wieder sind Blicke aus dem dichten Kiefernwald in den Krater hinein möglich. Eidechsen und die einheimischen „kanarische Tausendfüßler“, die bis zu 20 Zentimeter lang werden, lassen sich unterwegs beobachten.

Am Campingplatz angekommen, nutzen die meisten Wanderer die Stunden bis zur Dämmerung dann dazu, um den Kraterrand bis zu den Quellen von Hoyo Verde hochzusteigen. Die Wanderung dauert rund zwei Stunden, und wer sie antritt, muss schon ein wenig schwindelfrei sein. Doch der Blick von oben auf die Felsen und Wasserfälle der Cascada de la Fondada dürfte einer der schönsten auf der Insel sein.

Die Nacht im Vulkankrater ist ein ungewohntes Erlebnis. Nicht umsonst befindet sich oben am Kraterrand eine Sternwarte – der Blick in den Sternenhimmel ist von hier ein „Muss“. Am folgenden Morgen heißt es früh aufstehen: Der Abstieg durch die „Schlucht der Todesängste“ sollte früh angegangen werden, bevor die Hitze am Nachmittag zu groß wird.

Um 6 Uhr werden die Zelte abgebrochen, und der Weg durch die „Schlucht der Todesängste“ beginnt. Der Weg führt durch das Flussbett mit dicken Felsen. Rund fünf Stunden sind angesetzt, doch der Weg lohnt sich.