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NWZonline.de Ratgeber Reise

Deutschland: Entspannt Träumen zwischen Bäumen

28.08.2021

Schluchsee Übernachten hoch in den Ästen: Eine gute Idee oder sollte man solch’ einen Schlafplatz lieber den Vögeln überlassen? Wir haben es ausprobiert. In einem Zelt, drei Meter über dem Waldboden.

Der Mann feiert einen runden Geburtstag. Was schenken? Ein kleines Abenteuer im „Schwarzwaldcamp“ in einem Waldstück am Schluchsee soll es sein, rund anderthalb Stunden von Baden-Baden entfernt. Im Camp werden wir Holz hacken, aufs Plumpsklo gehen und vor allen Dingen: In einem Baumzelt schlafen.

Bei der Ankunft bekommen wir eine Axt und Streichhölzer in die Hand gedrückt und den Rat, uns nachts warm einzupacken, „hier im Hochschwarzwald ist es immer ein paar Grad kälter und in den Baumzelten steigt zusätzlich kühle Luft von unten auf“, weiß Campmanagerin Anja Allgaier, 36. Da empfiehlt es sich, auch im Hochsommer eine Isomatte dabeizuhaben.

Wir sind sofort angetan von dem gut versteckten Platz im Wald, auf dem 80 Menschen übernachten können — sei es im gemieteten Tipi, im eigenen Zelt oder Van oder in einer ausrangierten Gondel. Es gibt keine gepflasterten Wege, keinen Strom, als Rezeption fungiert eine kleine Holzhütte und das Zentrum ist eine große Feuerstelle, auf die jeder seine Zucchini oder seine Würstchen legen darf.

Mit Sprung ins Zelt

Zum Schlafen müssen wir uns mehrere Meter in die Höhe hieven. Wie es uns die sportliche Anja eindrucksvoll vorführt, als wir an unserem Übernachtungsplatz angelangt sind. Hurtig steigt sie zunächst auf die große Holzkiste, die unter dem Zelt steht, und in der man seine Nahrungsmittel und das Gepäck aufbewahrt. Der nächste Jump führt Anja über ein straff gespanntes Netz hinauf ins Zelt, durch dessen Öffnung sie uns nun drei Meter tiefer Stehenden zuruft: „Los, jetzt ihr!“ Eine Strickleiter ist weit und breit nicht zu sehen, nur die Nachbarn vom Baumzelt nebenan, die feixend gucken, ob wir es beim ersten Mal schaffen. Tun wir und schauen uns oben erst mal unseren dreieckigen Schlafplatz für die kommenden Nächte genauer an. Er wirkt recht klein, doch als wir Probe liegen, können wir uns gut arrangieren; zumindest, nachdem wir verstanden haben, dass wir unser differierendes Körpergewicht ausbalancieren müssen. Ein bisschen fühlt es sich an wie eine Mischung aus Wasserbett und Hängematte. Schlussendlich hat keiner die Füße im Gesicht des anderen, das ist doch schon mal was!

Panik, dass wir abstürzen, müssen wir nicht haben. „Das Zelt hält gut 400 Kilo aus“, versichert uns Raphael Kuner, 52, der Gründer und Chef des Camps. Vor fünf Jahren fing er an, Baumzelte aus England zu importieren, wo ein Industriedesigner das erste Exemplar entworfen hatte. Im Camp hängen mittlerweile vier Stück, unseres heißt „Willi“, außerdem gibt es noch „Jakob“, „Hans“ und „Franz“.

Vorsichtig machen wir uns also auf ins Innere von „Willi“, mummeln uns in die Schlafsäcke ein und reden — über die Nachbarn. Ganz wie zu Hause. „Meinst du, die haben auch so viel Gepäck wie wir dabei?“ „Hm, sie sahen gut organisiert aus.“ „Apropos organisiert: Ich hab’ vergessen, Besteck einzupacken.“ Betretene Stille.

Und das ist gut so, denn jetzt hören wir endlich mal, dass wir nicht allein sind im Wald: Abgesehen von den menschlichen Anrainern, tummeln sich die Tiere der Nacht. Es raschelt und knackt, es pfeift, zwitschert und flötet. Beeindruckt lauschen wir und freuen uns darüber, viel näher an der Natur zu sein als sonst.

Tierischer Besuch

Um vier Uhr weckt mich eine Bewegung. In der Ecke des Zelts sitzt eine zierliche, braune Maus, die mich ein Weilchen nachdenklich ansieht und dann leise durch die Stofffalten verschwindet. Am nächsten Tag wird mir Raphael Kuner erklären: „Das war die Haselmaus. Die schaut gern im Camp vorbei. Wir lassen die Dinge hier geschehen, da fühlen sich auch die Viecher wohl.“

Nach der Mausbegegnung meldet sich meine Blase. Ich habe keine Lust, mache mich aber auf den Weg. Es ist stockdunkel und nieselt leicht. Meine Handytaschenlampe leuchtet funzelig. Doch nachdem ich den schmalen Pfad ausgemacht habe, finde ich es gar nicht mehr unangenehm: Die Luft ist herrlich frisch, es duftet harzig nach Nadelwald und Moosen. Die Tannen und Fichten rauschen im Wind. Amseln und Mönchsgrasmücken singen ihr erstes Lied. Meine Sinne fühlen sich viel wacher, aufmerksamer an als daheim, wenn ich mich schlaftrunken aufs Klo schleppe.

Am Morgen sind der Gatte und ich uns einig, dass wir fit und ausgeruht sind. Wir brechen zu einer Erkundung der Gegend auf und streifen vorbei an Kirsch- und Holunderbäumen, naschen Heidelbeeren, beobachten ein Eichhörnchen beim Klettern. Von unseren Miturlaubenden im Camp lassen es die meisten ruhig angehen; manche sitzen lesend in der Vormittagssonne, andere spielen mit ihren Kindern Karten oder dösen noch ein bisschen. Aus der Gondel ist noch kein Mucks zu hören, anscheinend schläft es sich besonders gemütlich darin.

Die Menschen, die ins Schwarzwaldcamp kommen, suchen neben den besonderen Übernachtungsmöglichkeiten oft genau diese Ruhe. Ela, 47, die mit ihrem Bus aus Köln angereist ist, erzählt, dass sie drei Kinder und einen anstrengenden Job hat und schon seit Jahren Auszeiten für sich allein nimmt. „In der ersten Nacht habe ich zehn Stunden am Stück geschlafen, und danach bin ich gewandert. Das war es, was ich gebraucht habe.“

Aber auch, wem nach Gesellschaft ist, findet sie: Um die große Feuerschale im Zentrum des Camps versammelt sich abends eigentlich immer jemand. Auch wir landen nach einem Ferientag am Schluchsee mit Kanufahren und Schwimmen dort. Es dauert keine Minute, dann bietet uns jemand etwas zu trinken an. Das Feuerchen lodert schon kräftig. Wir spießen unser Grillgut auf Stöcke und es wird gemütlich.

Musik am Lagerfeuer

Ein Paar erzählt, dass es in einer buddhistischen Wohngemeinschaft in Spanien lebt und gerade durch Süddeutschland reist. Ein Kinderarzt aus Nürnberg berichtet, dass er seinen Van selbst ausgebaut hat und noch am Nachmittag daran herumgeschraubt hat. Der Junge mit dem Pferdeschwanz, der nicht viel redet, packt eine Cuatro aus, eine kleine Gitarre und fängt an, leise Musik zu machen.

Wir sind unter den Letzten, die spät vom Feuer aufstehen. „Willi“ wartet schon auf uns. Oben lauschen wir noch ein bisschen dem Wind, der uns in unserem Nest sanft in den Schlaf wiegt.

Anreise:Mit dem Auto von Freiburg die B 31 Richtung Neustadt nehmen, Ausfahrt B 317 auf B 500 Richtung Schluchsee/Altglashütten. Mit der Bahn von Freiburg oder Donaueschingen nach Titisee-Neustadt. Dann mit der Drei-Seen-Bahn nach Schluchsee. Vom Bahnhof Schluchsee aus erreicht man das Camp zu Fuß in circa 15 Minuten.

Sanitäranlagen:Auf dem Schwarzwaldcamp-Gelände gibt es eine Komposttoilette. Wenige Hundert Meter entfernt, auf einem Campingplatz, befinden sich sanitäre Anlagen, die man kostenlos benutzen kann.

Kontakt:Schwarzwaldcamp, Gewann Zeltplatz 2, 79859 Schluchsee, Telefon  07656/9884348, E-Mail: hello@schwarzwaldcamp.com

Informationen:Die Tourismusinformation ist im Rathaus in Schluchsee untergebracht und berät zu zahlreichen Wandertouren.


     www.schwarzwaldcamp.com 
     www.schluchsee.de 
     www.hochschwarzwald.de 

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