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NWZonline.de Ratgeber Reise

Schwäbische Alb: Von Höhlentouren und wilden Abfahrten

04.07.2020

Bad Urach Bei der Schwäbischen Alb denken manche an beschaulichen Familienurlaub auf einem Bauernhof. Oder an ausgedehnte, aber mäßig fordernde Wandertouren. Doch die Region hat auch etwas für Urlauber zu bieten, die Abenteuer und Adrenalinrausch suchen. Zum Beispiel tief in der Finsternis unter der Erde.

Die Falkensteiner Höhle ist die einzige wasserführende Höhle Deutschlands, in der im Sommer geführte Touren möglich sind. Treffpunkt für die Erkundung ist der Waldparkplatz der Falkensteiner Höhle, zwischen Bad Urach und Grabenstetten gelegen. Und dann heißt es: raus aus den Alltagsklamotten und rein in den Neoprenanzug.

„Je enger der Anzug sitzt, desto effektiver wärmt er“, erklärt Constanze Krauß, die zusammen mit Jochen Hintz die Führung durch die Höhle leitet. Die beiden arbeiten beim Höhlentouren-Anbieter Cojote Outdoor Events. Dort unten habe die Luft neun Grad, das Wasser sieben. Auch ein Helm mit Lampe und knöchelhohe Wanderschuhe sind für alle acht Teilnehmer Pflicht.

Schon das riesige Eingangsportal der Falkensteiner Höhle ist imposant: Hier scheint sich ein Schlund zu öffnen, der in die Abgründe der Schwäbischen Alb führt. Bereits nach ein paar Metern herrscht absolute Dunkelheit. Es gilt, auf die Anweisungen der Guides zu achten und sich auf jeden einzelnen Schritt zu konzentrieren.

„Die Höhle ist seit keltischer Zeit bekannt. Hier wurde auch nach Gold geschürft, allerdings keines gefunden“, erzählt Jochen Hintz, während es immer tiefer geht.

Der Untergrund ist schlüpfrig, das Wasser reicht mal bis zu den Knien, aber teils auch über die Brust. Es geht über Geröll oder Felsbrocken. Manchmal ist der Pfad nur kriechend passierbar.

Dann steht eine erste Mutprobe an: Ein etwa drei Meter langer Siphon ist zu durchtauchen. Also Luft anhalten und sich vom fest installierten Seil leiten lassen. Keine Frage, so etwas erlebt man nicht alle Tage – dabei ist dies nur die Einsteigertour. Für klaustrophobisch veranlagte Menschen, die nicht gerade fit sind, ist diese dreistündige Unternehmung nichts.

Stirnlampen aus

Im letzten Abschnitt werden die Stirnlampen ausgemacht. Gut 50 Meter tastet man sich im Stockdunkeln an der Höhlenwand entlang, bevor nach einem Rechtsknick wieder das erste Tageslicht sichtbar wird. Geschafft. Erst einmal kräftig durchatmen, sich gegenseitig beglückwünschen – und später das Abendessen so richtig genießen.

Nach einer Übernachtung in Bad Urach geht es am nächsten Morgen in den etwa 60 Kilometer entfernten Bikepark von Albstadt, ein Eldorado für Mountainbiker. Hier finden auch regelmäßig Weltcuprennen statt. Auf die immer noch adrenalinhungrigen Besucher wartet eine kurvige Downhill-Strecke. Vorher gibt es eine Einweisung durch erfahrene Trainer. Protektoren sind obligatorisch.

Zunächst muss die Herausforderung gemeistert werden, auf dem Sattel des Mountainbikes sitzend und im Bügel eines Schlepplifts eingehängt, die Auffahrt zu schaffen. Dass es mehrerer Versuche bedarf und der eine oder andere Sturz nicht zu vermeiden ist – selbsterklärend. Gute Laune macht das trotzdem.

„Kraft und Körperspannung, Konzentration und Gleichgewicht sind wichtig“, betont Bikecoach Holger Blum. Er ist seit zehn Jahren Betreiber des Bikeparks Albstadt und fuhr früher selbst Rennen. „Aber Downhill fahren ist auch Kopfsache“, sagt er. „Man sollte etwa sieben Meter vorausschauen und immer die Strecke im Blick haben. Auch ein größerer Abstand zum Vordermann ist einzuhalten.“

Los geht’s. Die Pedale in die Waagrechte, Gewicht verlagern und am besten im Stehen statt im Sitzen herunterfahren. Maximal zwei Finger an die Bremsen, um mehr Stabilität am Lenker zu haben. Keine Vollbremsung, sondern Intervallbremsen. Man versucht, all diese Tipps nicht zu vergessen, während man die 1,3 Kilometer lange Strecke über Stock und Stein hinab donnert. Und dann geht es wieder von vorn los. Der dreistündige Kurs umfasst fünf Liftfahrten.

Felsen fokussieren

Die nächste Station auf der Schwäbischen Alb ist das Obere Donautal, das jede Menge Sportkletterer anlockt, vom Anfänger bis zum Profi. Der sogenannte Verlobungsfelsen bietet verschiedene Touren unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade.

Heute sind zwei Routen mit Steighöhen von 15 und 20 Metern vorbereitet. „Direkt am Felsen zu beginnen, ist schon cool“, sagt Florian Besch. „Für Anfänger ist es aber auch gut, erste Kletterversuche in einer Halle zu unternehmen. Dort sind die Griffe und Kletterhilfen gut sichtbar und man sieht sofort, wohin man greifen und treten muss“, sagt der lizenzierte Klettertrainer.

Es wird „Toprope“ geklettert: mit oben eingehängtem Seil und ständiger Sicherung. „Den Felsen fokussieren, vorausschauend klettern“, so die Vorgabe des Trainers. Sich gegenseitig zu sichern, gilt es für die Kletteranfänger zu erlernen, auch unerlässliche Kommandos zu verinnerlichen. In der Wand ist man ganz allein und darf sich trotzdem sicher fühlen. Wieder ist Muskelkraft in Armen und Beinen gefragt, aber auch die nötige Willensstärke. Ob man nun die gesamte Strecke schafft oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle. Das Klettern macht einfach große Freude.

Und was tun, wenn Höhlentouren, Mountainbike-Abfahrten und Klettern noch nicht reichen? Dann bietet sich zum Beispiel eine Kajaktour auf der Donau an, von Hausen im Tal bis Thiergarten. Zwischendurch muss das Sportgerät sogar einmal geschultert werden.

Und selbst das gute, alte Wandern muss nicht langweilig sein – wenn man es in die Dunkelheit verlegt. In Hechingen wartet das Team von Adventure Blackforest mit einer Nachtwanderung rund um die Burg Hohenzollern. Es geht steil aufwärts, wieder kommt man aus der Puste – und dennoch zur Ruhe. Nachts allein im Wald, unter dem Sternenhimmel.

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