SCHWERIN/STRALSUND - Zum Wasser ist es in Mecklenburg-Vorpommern nie weit. Fast genauso allgegenwärtig sind die weithin sichtbaren, dunkelroten Backsteintürme. „Das Land besitzt einen ungeheuren Schatz an Dorfkirchen. Selbst Pfarrkirchen haben oft die monumentale Größe von Kathedralen“, sagt Prof. Gottfried Kiesow, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, über diese mecklenburg-vorpommerschen Baudenkmäler. Für viele von ihnen haben Zisterzienser- oder Benediktinermönche im Mittelalter den Grundstein gelegt.
„Damals entstanden die meisten Backsteinkirchen: Häuser von atemberaubender Schönheit und wuchtiger Größe“, sagt Andreas Flade, Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs in Schwerin. Backsteinkirchen prägen noch heute das Bild der Landeshauptstadt, aber auch der benachbarten Hansestädte: In Wismar zum Beispiel arbeiten Denkmalpfleger seit 1990 am Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg stark zerstörten St.-Georgen-Kirche.
Die drei großen Kirchen in der Hansestadt Stralsund verbindet neben dem roten Backstein noch eines: die Musikalität. „Die Bezeichnung Orgelstadt ist keineswegs übertrieben“, sagt Mathias Pech, Kantor von St. Nikolai. Die Orgel von 1841 wurde 1996 nach dreijähriger Restaurierung eingeweiht. In diesem Herbst wird auch die Orgel der St.-Marien-Kirche wieder in Betrieb genommen. Die Stellwagen-Orgel ist die größte noch existierende in Europa.
Die dritte Stralsunder Kirche, St. Jacobi, wird als Kulturkirche für Konzerte genutzt. Sie ist ein Beispiel dafür, wie Gotteshäuser umfunktioniert werden können. „Als Kirchen werden sie nur noch zum Teil benötigt“, sagt Andreas Flade. „Doch sie werden noch gebraucht: Als Erinnerung an den Glauben – und sie sind für Urlauber Orte der Einkehr und der Besinnung.“
Für Harald Ringstorff (SPD), Noch-Ministerpräsident des Landes, gibt es viele Beispiele für modernes Leben in alten Mauern: Das Kloster Dobbertin oder das Kloster Zum Heiligen Kreuz in Rostock hält er für gelungene Beispiele. Während im Rostocker Kloster das kulturhistorische Museum der Hansestadt und die Universitätskirche eine Heimat gefunden haben, hat sich in den Klostermauern von Dobbertin die Diakonie niedergelassen. Zudem haben die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern das Kloster als Spielort entdeckt.
Zurzeit gibt es Bestrebungen, die 26 Klöster im Land stärker zu vernetzen – auch über die alten Pilgerwege. „Pilgern ist eine Flucht aus Stress und Hektik“, sagt Bernd Fischer, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern. „Unsere Landschaft in Verbindung mit einzigartiger Architektur ist dabei ein besonderes Erlebnis.“
Mehr Infos: www.auf-nach-mv.de www.bm.mv-regierung.de
