Hamburg - Wenn sich der Vorhang der Bühne für das Broadway-Musical „After Midnight“ hebt, fühlt sich der Gast für eine gute Stunde wie im Harlem der 1920er Jahre. Die „Norwegian Escape“, das neue Kreuzfahrtschiff der US-Reederei Norwegian Cruise Line (NCL), ist eben ein sehr amerikanisches Schiff. Entsprechend ist die Unterhaltung an Bord. Doch etwas ist anders: Die große Premiere fand in Hamburg statt – eine Premiere für die Reederei.
Das Schiff ist die Weiterentwicklung der „Norwegian Breakaway“ und der „Norwegian Getaway“. Auch der Neubau wird als „Freestyle Cruising Resort“ vermarktet. Das bedeutet: keine Zwänge, keine Sitzordnung und „Freestyle Dining“, also freie Wahl zwischen den Restaurants. „Es geht um die Freiheit, sich den Tag zu gestalten“, sagt Christian Böll, Geschäftsführer für Europa bei der Reederei. Mit Platz für 4266 Passagiere und 326 Metern Länge ist die „Norwegian Escape“ das bislang größte Schiff der „Breakaway“-Klasse. Was sie bietet: Wohnen: Der exklusive Wohnbereich „The Haven“ ist um ein Deck gewachsen. „Das Konzept wird sehr gut angenommen“, sagt Böll. Der abgegrenzte Suitenkomplex ist nur per Chipkarte zugänglich. Dort erwartet Gäste Butler-Service, ein exklusives Restaurant mit Außenterrasse und ein eigener Pool. Neu ist ein aufklappbares Glasdach. Wer es besonders luxuriös mag, wählt eine der vier Deluxe Owner’s Suiten mit 120 Quadratmetern. Essen: Um das Angebot zu erweitern, hat Norwegian den amerikanischen Koch José Garces verpflichtet, der sich für das neue „Bayamo“ mit kubanisch inspirierter Küche und die „Pincho Tapas Bar“ verantwortlich zeigt. Eine weitere Neuheit ist das „District Brew House“, eine Bar, die 24 Biere vom Fass und mehr als 50 Flaschenbiere anbietet. Weinverkostungen werden im „The Cellars“ ermöglicht. Als neues Konzept präsentiert Norwegian das À-la-carte-Restaurant „Food Republic“ mit Speisen aus aller Welt zum „Probieren und Teilen“, serviert auf kleinen Tellern.
Der Waterfront-Bereich auf Deck 8 wurde noch einmal erweitert. Dort besitzen manche Restaurants einen Außenbereich. Insgesamt gibt es 28 Restaurants an Bord, von denen elf im Reisepreis inbegriffen sind. Unterhaltung: Schon von Weitem fallen die Wasserrutschen und der Hochseilgarten auf. Mit dem Aqua Racer gibt es eine neue Tandemrutsche mit zwei parallelen Röhren, außerdem wurde der Kids Aqua Park erweitert. Im Klettergarten gibt es Seilrutschen und – wie bisher – zwei Planken, die auf den Ozean hinausragen.
Neben dem Harlem-Muscial „After Midnight“ wird auf der „Escape“ auch das Stück „Million Dollar Quartett“ gezeigt, bei dem eine berühmte Rock’n’Roll-Aufnahmesession unter anderem mit Elvis Presley und Johnny Cash nachgespielt wird. Hollywood-Musik mit Kabarett gibt es zur Dinnershow „For The Record: The Brat Pack“. Das Herz des Schiffes sind die Decks 6, 7 und 8, wo der Gast auf kurzen Wegen die meisten Restaurants, Bars und das Kasino erreicht. Betreuung: Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren werden erstmals ebenfalls betreut. Das kostet zehn Dollar pro Stunde für das erste Kind und acht Dollar für ein Geschwisterkind. Wellness: Zum ersten Mal gibt es einen Raum mit Pulverschnee im Spa-Bereich, der auf null bis sechs Grad heruntergekühlt ist. Das ist besonders kurios, wenn man bedenkt, wo das Schiff unterwegs ist: Von diesem Sonnabend an fährt die „Norwegian Escape“ nach der Taufe in Miami auf Sieben-Nächte-Kreuzfahrten in der östlichen Karibik. Dabei werden St. Thomas (Amerikanische Jungferninseln), Tortola (Britische Jungferninseln) und Nassau (Bahamas) angesteuert.
Das kommende vierte Schiff der Breakaway-Klasse wird ebenfalls in der Meyer Werft in Papenburg gebaut und soll 2017 aufgeliefert werden. Ob es dann ein amerikanisches Broadway-Musical an Bord geben wird, ist allerdings offen – das Schiff ist allein für den chinesischen Markt konzipiert.
