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NWZonline.de Ratgeber Reise

Namibia: Symphonie der Farben und Formen

27.06.2020

Sossusvlei Es ist noch früh am Vormittag als Camilo seine Cessna auf dem Eros Flugfeld der namibischen Hauptstadt Windhoek mit Kurs Namib-Rand-Naturreservat über die Startbahn jagt. Und von oben, aus 3000 Metern Meereshöhe wird recht schnell klar, warum Namibia so viele Reisende nach einem ersten Besuch nur schwer wieder loslässt. Farben und Formen bestimmen das Bild – wilde Kargheit im Lichtspiel der Wolken. Ausgetrocknete Flusstäler, wo Dornbüsche und Baumskelette von regenreichen Zeiten träumen. Wie lange müssen sie schon träumen, denke ich noch, als Camilo in den von Propellerlärm durchdröhnten Innenraum der Cessna ruft: „Wir landen jetzt. Doch vorher drehe ich eine Runde über die Piste. Ich muss sehen, wie sich die Tiere verhalten.“ Die Tiere, das sind hier am östlichen Ausläufer der Namib vorwiegend Oryxantilopen – Spießböcke. Und die haben in ihrem trockenheißen Revier auch über das unbefestigte Flugfeld hinweg ihre Wanderwege angelegt.

Eine Stunde später – das Reisegepäck ist entladen und Camilo schon wieder auf dem Weg zurück in die Hauptstadt – begrüßt Raquel ihre neuen Gäste in der nahe gelegenen Sossusvlei Desert Lodge. „Wir haben sogar ein Begrüßungskomitee“, scherzt unsere Gastgeberin. Und in der Tat – am gefüllten Wasserbassin vor den breiten Glasfronten der Lodge tummeln sich drei Dutzend Spießböcke, um ihren Durst zu stillen. Die atemraubende Mittagshitze bestimmt in der Wüste Namibias jeden Tagesablauf. „Wir sollten morgen sehr früh losfahren, damit wir mittags vor der großen Hitze wieder zurück sind“, rät uns Ranger Michael am Abend. Es ist abgekühlt – relativ. Auch der Wein hat seine kühlende Wirkung entfacht. Dennoch ist die erste Nacht in der Wüste magisch, nicht zum Schlafen gedacht, wohl eher zum Ankommen, zum Einstaunen, zum Reinlauschen in die absolute Stille. Die Terrasse wird zum Observatorium. Das NamibRand-Naturreservat ist besonders bei Neumond bekannt für seine sternintensiven Nächte – und aus diesem Grund seit 2013 das erste Lichtschutzgebiet auf dem afrikanischen Kontinent.

Es ist Viertel vor fünf am frühen Morgen, als Michael den Jeep klarmacht. „Wa aluka! Ihr erlebt jetzt unsere afrikanische Morgenmassage“, grinst er, bevor der wilde Ritt in Richtung Namib Naukluft Nationalpark beginnt. Die Sitzbänke werden zu Rüttelplatten – ein Himmelreich für die weiche Matratze in der Lodge. Doch die Mühen sollen sich lohnen.

„Wir haben seit 2011 keine richtige Regenzeit mehr gehabt“, erklärt Michael bei der Fahrt durch ausgetrocknete Flusstäler im Park. Auch deshalb haben sich die großen Tiere zurückgezogen. In anderen Regionen Namibias sind die Lebensbedingungen einfacher als hier, wo nur der frühe atlantische Morgennebel einige Millimeter Feuchtigkeit im Jahr mit sich bringt. Geblieben ist eine famose Dünenlandschaft rund um das Sossusvlei, die versalzene Endpfanne des ‚blinden Flusses‘ Tsauchab, der hier 50 Kilometer vor der Atlantikküste inmitten von fünf Millionen Jahre altem Wüstensand verschwindet.

Auf dem Parkplatz vor Düne 45 wird der beschauliche Ausflug dann massentauglich. Die berühmteste Düne des Parks gleicht am frühen Morgen ein wenig dem Gipfelgrat einer Himalaya-Spitze bei Optimalwetter. Lediglich Eis, Seile und Kletterhaken sucht man bei der Dünenbesteigung in der Wüste vergeblich. Ordentlich aufgereiht schieben sich die Besucher die 150 Meter hohe Sterndüne hinauf.

Wer strauchelt, fällt sanft – und mancher Gipfelstürmer macht sich in kindlichem Übermut einen Spaß daraus, den Abstieg Purzelbaum schlagend und Instagram tauglich zu gestalten, um sich dann zurück am Fuß der Düne die heiligste aller Fragen selbst zu beantworten: „In Schuhen oder auf Socken?“, höre ich noch einige Neuankömmlinge philosophieren, bevor Michael aus der Ferne ein Zeichen gibt, das jegliche Antwort auf diese Frage zumindest nachhaltig beeinflussen könnte. Er hat einen Skorpion entdeckt, der seinen Giftstachel schon angriffslustig gen Himmel streckt. „Den hier möchtet Ihr nach einer Dünenwanderung lieber nicht in euren Schuhen finden“, meint unser Ranger.

Der weitere Weg ins Sossusvlei wird zu einer Sandpiste, die nur noch mit Allradfahrzeugen befahrbar ist. Wie auf Skiern manövriert Michael den Jeep durch den Tiefsand. Ein Spießbockpaar beäugt neugierig die frühen Besucher. Beim Aussteigen dient sich uns ein hungriger Schakal zur Begrüßung an. Die Morgenwärme ist angenehm, ein kurzer Fußweg durch den Wüstensand liegt vor uns – nach links oder nach rechts? Links bedeutet Anstrengung. Big Daddy ist die höchste Düne hier, der Everest unter den Sanddünen des Nationalparks. Rechts hingegen nur ein kurzer Anstieg. Also nach rechts. Angekommen auf der Anhöhe liegt vor uns das Sossusvlei. Nur nach ergiebigen Regenfällen steht in dem von Dünen umrandeten Flussende ein wenig Wasser. Jetzt, nach jahrelanger Dürre, ist die Pfanne versandet, versalzen und begehbar. Eine bizarre Szenerie. Eine Landschaft wie aus einer anderen Welt. Eine Symphonie aus Farben und Formen. Der blaue Himmel wird begrenzt von oxidorangen Sanddünen, die das beigefarbene Vlei umschließen aus dem verdorrte, jahrhundertealte Baumstümpfe wie schwarze, abgestorbene Finger aus dem Erdreich ragen.

Beeindruckt geht es zurück zum Jeep, wo Michael schon ein Wüstenpicknick vorbereitet hat. Neben allerlei Leckereien stehen Instantkaffee und Amarula auf der Picknickkarte. Unser Schakal wittert Frühstücksluft, hält sich jedoch noch zögerlich zurück.

„Nach einem Dauerregen sieht die Landschaft hier völlig anders aus. Dann müsst Ihr unbedingt wiederkommen“, lädt Michael uns ein. Ein Versprechen, das leichtfällt, doch wann kommt denn der nächste große Regen? Ein Achselzucken. „Ich weiß es nicht“, bekennt Michael. „Vielleicht im nächsten Jahr, in zehn Jahren oder auch erst in zwanzig.“ Die Namib-Wüste ist nicht nur die älteste Wüste der Welt, sie ist was die Länge ihrer Trockenperioden betrifft auch eine der Beständigsten. Und damit nicht nur eine Herausforderung für Pflanzen und Tiere, sondern auch für Reisende, die hoffen, die Wüste irgendwann einmal nach Regengüssen im sanften Grünschimmer wachsender Bäume und Sträucher erleben zu dürfen.

Unterkunft:Die 2019 komplett renovierte Sossusvlei Desert Lodge zählt neun luxuriöse Einzellodges für je zwei Personen sowie eine Familienlodge. 60 Kilometer vom Namib Naukluft Nationalpark entfernt ist die Unterkunft ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge ins Sossusvlei. Alle Ausflüge sind im All-Inclusive-Übernachtungspreis der Lodge enthalten und werden von lokalen Tourguides durchgeführt.

Veranstalter:Der Spezialreiseveranstalter Abendsonne Afrika hat die Desert Lodge im Programm.


     www.abendsonneafrika.de 

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