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NWZonline.de Ratgeber Reise

Deutschland: Strandgalopp und zutrauliche Seehunde

06.08.2022

Spiekeroog Seehunde, die sich nicht an Abstandsregeln halten, Karibikfeeling im Old Laramie und auf Islandpferden am Strand entlanggaloppieren: Spiekeroog lässt sich bestens vom Pferderücken aus entdecken.

Eine Gruppe von Reiterinnen – es sind häufig nur Frauen – hat sich am Stall versammelt. Eigentlich ist es eher eine große Sattel- und Futterkammer mit einigen weiteren Räumen, denn die Pferde sind auf dem Islandhof Spiekeroog das ganze Jahr über auf der Weide. Ein Ausritt für Fortgeschrittene mit Galopp steht an. Frauke Strothmann, ihr gehört der Islandhof, sucht für jede ein passendes Pferd aus. Sie erkundigt sich wie oft wir reiten, ob in der Reitbahn oder im Gelände. Ich bekomme Glamur. „Sei ganz behutsam mit ihm, sonst zieht er sich in sich zurück und macht dicht. Ich glaube, du kannst das“, gibt mit die Pferdebesitzerin mit auf den Weg.

Bunte Herde

Mit Halftern in der Hand gehen wir auf die Weide. Füchse, Rappen, Schecken, Falben – etwa 40 Isländer in allen Farben grasen hier. „Glamur steht da drüben, hinter dem anderen Fuchs“, zeigt mir Magdalena „mein“ Pferd. Sie wird mit uns acht Gästen ausreiten. Glamur guckt mich interessiert an, als ich auf ihn zukomme. Die Ohren gespitzt schnuppert er an meinem Handrücken und lässt sich das Halfter überzustreifen. Er folgt mir am durchhängenden Strick zum Sattelplatz. Putzen, Hufe auskratzen, aufzäumen, satteln und vorsichtig aufsteigen.

Dass es den Pferden gut geht, ist Frauke Strothmann am wichtigsten. Auf den Islandhof kommen immer wieder Tiere, die auf dem Festland gesundheitliche Probleme haben, sei es mit der Lunge oder mit Ekzemen, die von Kriebelmücken verursacht werden. Auf Spiekeroog gibt es diese Mücken nicht.

Wohlfühlprogramm

Geysir kam zum Beispiel mit einer verkorksten Wirbelsäule auf den Islandhof. Eine Pferdeosteopathin brachte die Wirbel wieder in Ordnung und ein Spezialsattel sorgt jetzt dafür, dass er keine Schmerzen mehr hat, wenn er geritten wird. Vaka spulte die Ausritte ohne jede Freude ab. Sie wollte immer nur zurück auf die Weide. Frauke Strothmann sorgte einen Winter lang für ein Wohlfühlprogramm mit Menschen: Striegelmassagen, Spaziergänge, Füttern und so weiter bis die Stute Lust hatte mitzumachen.

„Vertraut den Tieren“, gibt die Pferdefrau uns mit auf den Weg. Wir reiten ein kurzes Stück die Straße entlang Richtung „Old Laramie“. Das Café verströmt Karibikfeeling. Draußen steht ein Sammelsurium von Sitzplätzen, drinnen gibt es Platz am Tresen. Wenn man an kühleren Tagen dort seinen Kaffee schlürft, können durchaus mal Kite-Surfer barfuß und in feuchten Neopren-Anzügen dazustoßen.

Niemand umreiten

Wir Reiter biegen am Laramies ab auf den weiten Sandstrand. Die Tiere stapfen durch den lockeren Sand zur Wasserkante. Kleine Wellen schwappen ans Ufer. Magdalena gibt das Signal zum Traben oder Tölten. Zuerst hat Glamur es eilig. Er trabt schwungvoll los, dann klappt es auch mit dem Tölt. Der Isländer reagiert auf die feinsten Hilfen. Entspannt geht es am Wasser entlang.

Am Hauptstrand reiten wir im Schritt. Zu viele Menschen für eine schnellere Gangart. Als wir die letzten Strandkörbe hinter uns gelassen haben, ruft Magdalena: „Jetzt traben oder tölten wir erst ein Stück, dann galoppieren wir an. Lasst die Pferde einfach laufen so schnell und so lange sie wollen. Passt auf, dass ihr an der Wasserkante bleibt und niemanden umreitet.“

Wehende Mähnen

Darauf haben Pferde und Reiter nur gewartet. Mit wehenden Mähnen und ausgreifenden Bewegungen galoppieren die Isländer am Meer entlang – bis Magdalena (viel zu früh) zum Anhalten auffordert. Wir wenden. Glamur reckt die Nase in den Wind. Er wirkt fröhlich aufgekratzt: Los! Schneller! Wir galoppieren wieder an. Wasser und Sand spritzen uns von den Hufen der Pferde vor uns um die Ohren. Ich lenke Glamur leicht nach außen. Er folgt sofort und beschleunigt. Traumhaft.

Schließlich werden die Pferde langsamer, fallen in Trab, Tölt und Schritt. „Wir reiten jetzt durch die Dünen zurück“, sagt Magdalena und zeigt auf einen sehr steil ansteigenden Weg mit tiefem Sand. „Die Pferde können das. Lasst sie einfach traben oder galoppieren und geht in den leichten Sitz.“ Am Fuß der Düne überlassen wir den Tieren die Führung. Glamur galoppiert an und stapft kraftvoll und mit Schwung die Steigung hinauf.

Eulen und Honigduft

Zurück schlängelt sich ein schmaler Reitpfad durch die Dünen zwischen Strandhafer, Büschen und Heide, von der auch ein leichter Honigduft herüberweht, wenn sie nicht blüht. Eine Eule fliegt vor uns. Eine Eule am helllichten Tag?! Später verrät mir ein Vogelbuch, dass Sumpfohreulen auch nachmittags jagen und dass diese Art hier heimisch ist.

Auch Seehunde habe ich bei Ausritten auf Spiekeroog entdeckt – sowohl im Wasser als auch einen Heuler am Strand liegend. Die besten Chancen Robben zu sehen, hat man auf Spiekeroog an der Ostplate. Dort weisen Schilder darauf hin, dass Menschen mindestens hundert Meter Abstand zu den Tieren halten sollen. Das wissen die Seehunde aber anscheinend nicht. Als wir ein anderes Mal nach etwa acht Kilometern Fußmarsch direkt an der Wasserkante stehen, kommen sie schwimmend und tauchend durchaus näher heran.

Verschwundenes Wrack

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Auf dem Weg zur Ostspitze passieren wir das Wrack Verona oder zumindest die Stelle, an der es sich laut Google Maps befinden soll. Wir können jedoch nichts entdecken, trotz Ebbe. Zu der Stelle bietet der Islandhof auch Ausritte an.

Unsere Reitgruppe hat inzwischen den Ort erreicht. Glamur streckt den Hals entspannt nach unten. Er wirkt als wolle er abschnauben. Als ich die Luft in einem Schnaubversuch durch lockere Lippen ausblase, antwortet er. Schon sind wir wieder am Stall. Alle Pferde werden noch einmal übergestriegelt, bekommen eine Belohnung und dürfen wieder auf die Weide. Als ich das Halfter abgestreift habe, bleibt Glamur stehen. Noch ein bisschen schnuppern, kraulen und Tschüss sagen – bis zum nächsten Mal.

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