ST. GEORGE’ - Die Insel kommt dem Karibik-Klischee ziemlich nah. Es gibt türkisblaues Wasser, dampfende Regenwälder und freundliche Menschen.

Von Georg Alexander

ST. GEORGE’S - Grenada ist eine Insel der Sinne. Der Duft von Muskat, Nelken, Zimt, Lorbeer, Vanille und Zitronengras scheint überall in der lauen Luft zu liegen und Besuchern in die Nase zu steigen. Es macht deshalb Sinn, dass sich Grenada auch als die „Gewürzinsel der Karibik“ bezeichnet. Doch neben den Gewürzen und ihren Stränden hat die Insel noch mehr zu bieten – zum Beispiel Rum.

Lang ausgestreckt liegen zwei Arbeiter vor den Zahnrädern der Zuckerrohrpresse und schlafen. Neben dem uralten Destillationskessel dösen drei Leute vor sich hin. Sogar der braune Wachhund wirkt, als würde er einen Rausch ausschlafen. Ein süßlicher Duft nach Alkohol und Zuckerrohrsaft schwebt über der „River Antoine Rum Distillery“. Hier wird der Rum noch so hergestellt wie vor 200 Jahren. Seit 1785 hat sich am Verfahren der Produktion so gut wie nichts geändert. Wer die Fabrik besichtigt, fühlt sich ein bisschen versetzt in die Zeit der Sklaven, Zuckerbarone, Schmuggler und Piraten. Zwei Sorten Rum werden gebrannt. Eine mit 72 Prozent Alkohol für die Einheimischen und eine mit 69 Prozent Alkohol für die Touristen.

Berühmt geworden ist Grenada aber vor allem wegen der hochwertigen Muskatnüsse, die auf der kleinen Antilleninsel wachsen wie wild.

Grenada kommt dem Karibik-Klischee ziemlich nahe, das sich in vielen europäischen Köpfen verankert hat: Es gibt türkisblaues Wasser dampfende Regenwälder und freundliche Menschen. Doch im September 2004 schlug „Ivan“ zu: Der Hurrikan traf den Südteil der Insel und die Hauptstadt St. George’s mit voller Wucht. 27 000 Häuser verloren ihre Dächer, mehrere Hotels wurden stark beschädigt. Die Leichtgläubigkeit vieler Einheimischer, ihre Insel gehöre zur Hurrikan-freien Zone, ist vorüber.

Inzwischen sind die beschädigten Hotels längst wieder aufgebaut, und es gibt ein neues Terminal für Kreuzfahrtschiffe. Allerdings wird an Privathäusern immer noch gewerkelt. Eines ist aber geblieben: die Fähigkeit, auf gelassene Art das Leben zu genießen.

Informationen: Grenada Board of Tourism, 0611/267 67 20 www.grenadagrenadines.com