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NWZonline.de Ratgeber Reise

Deutschland: Bewegte Sandmassen um St. Peter-Ording

10.07.2021

St. Peter Ording Irgendwann will fast jeder mal nach St. Peter-Ording. Wir auch.

Einfach so buchen ist allerdings nicht ohne Risiko. Denn dann landet man womöglich in Böhl. Nichts gegen Böhl, der südlichste der fünf Ortsteile ist der ruhigste, beliebt bei Familien, allerdings auch rund fünf Kilometer von „Jan und Gret“ entfernt. Die Skulptur neben dem zentralen Marktplatz im Ortsteil Dorf ist fast so etwas wie ein Wahrzeichen von St. Peter-Ording.

Wir sind gelandet im Ortsteil Bad. In Bad ist mehr los als in Böhl, mehr auch als in Dorf. Das muss man mögen. Wir wollen eigentlich nur an den Strand. Und zu den Pfahlbauten. Denn die sind das wirkliche Wahrzeichen von St. Peter-Ording, seit mehr als 100 Jahren schon. Da wollen über kurz oder lang alle hin. Annette Münster, die Chefin unseres Hotels „Tweed“, kennt sie schon, die Frage nach dem schönsten Weg. Ihr Tipp: durch den kleinen Kurwald, dann raus über die Seebrücke und immer am Strand entlang bis Ording, bei Bedarf einkehren in der „Strandbar 54° Nord“, einer der insgesamt 13 Pfahlbauten, die den feinsandigen Strand säumen, und dann zurück durch den Kiefernwald. Eine schöne Auftaktrunde, unter dem Strich knapp sechs Kilometer. Danach kennt man alle Klimazonen von St. Peter-Ording: die Brandungszone am Strand, die Dünen und den Kiefernwald.

Wohl jeder geht über die Seebrücke von Bad. Sie ist 1095 Meter lang und führt über Salzwiesen und Priele. An ihrem Ende stehen drei Pfahlbauten, für Gastronomie, Sanitäranlagen, Badeaufsicht und Strandkorbvermietung. In entspannter Arbeitshaltung auf dem mittleren Bau: Heinz-Dieter Hecke, den alle nur „Heinzi“ nennen. Der 57-Jährige ist Badestellenleiter. Fünf Badestellenleiter gibt es insgesamt, der längste deutsche Festlandstrand ist immerhin zwölf Kilometer lang und bis zu zwei breit.

Strandkörbe in Sicherheit

Am Morgen war Hecke noch in Böhl und hat mit Kollegen Strandkörbe auf ein hölzernes Podest gewuppt, weil die Flut einen halben Meter über Normal war. Nun achtet er mit seinem Team darauf, dass kein Badegast abhanden kommt. Immer wieder müssen sie „Leute rausfischen, du musst dich ja wundern, dass keiner weiß, was Hochwasser ist“, sagt Hecke und wedelt mit dem Gezeitenkalender. Das Wasser kommt, die Priele laufen voll, und dann rufen die Leute an, wenn sie denn überhaupt ein Handy dabeihaben: „Oh, ich bin vom Meer eingeschlossen“.

Treibholz für Touristen

Größere Runden am Strand macht Hecke mit seinem Dienst-Toyota. Mal sorgt er dafür, dass sich Schwimmer, Surfer und Strandsegler nicht in die Quere kommen, mal muss er „Pflaster kleben“. Für ernstere Fälle hat er einen „gut gefüllten Rucksack“ mit Defibrillator und Beatmungsgerät dabei. Und am Ende des Tages muss ja auch irgendjemand den Müll einsammeln. Entdeckt er am Strand einen Heuler oder toten Seehund, informiert er den ehrenamtlichen Seehundjäger. Findet er ein Stück Holz, rührt er keinen Finger. „Das ist beliebt bei Touristen, das lassen wir liegen für Kerzenständer oder Handtuchhalter, momentan ein richtiger Hype.“

Immer wieder umkurvt er kleine Grasbüschel. „Wir probieren, den Sand aufzuhalten.“ Ein ziemlich mühsames Unterfangen. „Der Sand fliegt sogar, wenn es regnet.“ Vor gut 30 Jahren, als er anfing, ist er mit seinem Transporter noch unter der alten Seebrücke von Bad hindurchgefahren. Heute kommt er da nicht mal mehr auf dem Bauch durch. „Was der liebe Gott hier an Sand bewegt, da kannst du mit dem LKW fahren, bis du schwarz wirst.“

Als er anfing, da stand die Badeaufsicht in Ording auch noch rund hundert Meter weiter seewärts, sagt Hecke. „Das Wasser kommt nach“, im Schnitt sechs bis acht Meter pro Jahr, „die Priele, die Sandbank, alles ist in Bewegung.“ Zum Nachteil der „Strandbar 54° Nord“ – sie steht zu weit im Meer und soll nun landeinwärts versetzt werden. Aber eigentlich kennen sie das in St. Peter-Ording: Nichts bleibt, wie es ist.

Vom Armenhaus zum Bad

Früher war St. Peter ein ziemlich armes Nest. 1838 kam der erste Badegast, 1877 öffnete das erste Hotel. 1911 wurde die erste Stelzenhütte am Ordinger Strand errichtet, eine „Giftbude“, weil es dort „wat givt“, wie man im Norden sagt, also etwas gibt, der Badegast wollte ja versorgt sein. Eine Sturmflut brachte diese Bude 1935 zu Fall. Ein Modell kann im Museum Landschaft Eiderstedt bestaunt werden.

Um die 4000 Pfähle wurden insgesamt am Strand von St. Peter-Ording eingespült. Einige ragen bis zu sieben Meter aus dem Sand. Sie tragen unter anderem fünf Restaurants, darunter die „Seekiste“, für die wiederum ein Abstecher nach Böhl lohnt. Hier haben wir über das allgemein hochgelobte Labskaus hinweg beobachtet, wie der Strand kleiner und kleiner wird. Es ist einer dieser Tage, an denen Heinz-Dieter Hecke vermutlich wieder ein paar Unvorsichtige vor der herannahenden Flut warnen muss.

Reisezeit:Kenner empfehlen die Nachsaison im Herbst, dann ist der größte Trubel vorbei, das Nordseewasser aber noch warm.

Unterkunft:Das Angebot ist riesig. Neu und ruhig gelegen: „Hotel Tweed“, etwa zehn Fußminuten von der Seebrücke in Bad entfernt. Acht Suites im irischen Country-Stil. Frühstück aufs Zimmer.

Informationen:Tourismus-Zentrale, Maleens Knoll 2, 25826 St. Peter-Ording. Telefon 04863/999 223


     www.hotel-tweed.de 
     www.st-peter-ording.de 

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