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NWZonline.de Ratgeber Reise

Wo sich Nostalgie und Eleganz treffen

07.10.2017

Stralsund Klack, klack, klack. Das Klappern der Hufe von Nora und Mireille auf dem Asphalt der „A20“ von Hiddensee hat etwas Einschläferndes. Nur die laute, alles durchdringende Stimme von Kutscher Fredi, der den Planwagen lenkt, reißt uns aus der morgendlichen Lethargie. Um 8 Uhr, bevor die Tagesgäste kommen, haben wir die „Katharina von Bora“, unser schwimmendes Hotel, verlassen, um die autofreie Insel mit ihren Endlosstränden zu erkunden. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Insel gehört das Sommerhaus des Schriftstellers Gerhart Hauptmann (1862–1946), der auf dem kleinen Friedhof neben der Kirche begraben liegt.

Unter Schweizer Flagge

Begonnen hat unsere achttägige Reise am Vortag in Stralsund, Weltkulturerbe und für seine Altstadt mit norddeutscher Backsteingotik berühmt. Seit das futuristische Ozeaneum 2008 eröffnet hat, kommen jährlich fast eine halbe Million Besucher. Vis-à-vis der 1933 gebauten „Gorch Fock I“ sind wir an Bord der „Katharina von Bora“, die ja eigentlich ein Flusskreuzfahrtschiff ist, gegangen. „Aber wir können auch Meer, zumindest in der flachen Boddenlandschaft bis nach Rügen und im Stettiner Haff“, sagt Kapitän Joachim Schramm (57).

Seit einem Jahr hat er auf der „eleganten Lady“ das Kommando. Die Ausstattung im Art-Deco-Stil in Restaurant, Salon und Kabine ist hochwertig. Sogar im Bad sind Lampen und Fliesen Art-Deco. Der Geschmack des verstorbenen Reeders Peter Deilmann, der auch das Traumschiff „Deutschland“ bauen ließ, ist unverkennbar. Noch vor dem Konkurs der Deilmann-Reederei wurde die „Katharina von Bora“ verkauft. Zurzeit fährt sie unter Schweizer Flagge für den Veranstalter Nicko Cruises auf Elbe und Oder.

Die Kreidefelsen, Rügens Touristen-Magnet, die im 18. Jahrhundert durch Caspar David Friedrichs Gemälde berühmt wurden, haben sich durch Abbrüche verändert. Binz und Sellin mit ihrer Bäderarchitektur haben sich seit der Wende bis auf wenige Bausünden zu wahren Schmuckstücken entwickelt. Die Seebrücke von Sellin ist eine elegante Dame in Weiß. Die architektonischen Scheußlichkeiten von Prora am Endlos-Sandstrand – acht insgesamt 4,5 Kilometer lange Blöcke für 20 000 Urlauber, von Hitlers Kraft durch Freude errichtet – wandeln allmählich ihr Gesicht.

Die nächsten Ziele sind die Universitätsstadt Greifswald und die unvergleichlichen Kaiserbäder von Usedom. Danach geht’s über die Peene und das Stettiner Haff in die Oder nach Stettin im polnischen Westpommern. Historisch ist die Stadt hoch interessant, doch optisch wenig ansprechend. Nur mit einem guten Gästeführer wie Bogdan (54) erschließen sich dem touristischen Auge die Sehenswürdigkeiten der im Krieg fast völlig zerstörten Stadt, in der „tausende Häuserfassaden sich seit Jahrzehnten nach einer Maurerkelle sehnen“, wie Bogdan treffend bemerkt. Kirchen und öffentliche Gebäude sind liebevoll restauriert worden.

Gemächlich gleitet das Schiff über Oder und Oder- Havel-Kanal bis zum 76 Jahre alten Schiffshebewerk Niederfinow, das 36 Meter Höhenunterschied überwinden hilft – ein Wunderwerk der Technik. Direkt daneben entsteht das neue Schiffshebewerk Niederfinow, 54 Meter hoch und 133 Meter lang.

Schmucke Häuser

Endstation der Fahrt ist Potsdam, wo die „Katharina von Bora“ fast im Zentrum anlegt. Früher wohnten in der Residenzstadt vom Alten Fritz Filmstars wie Marlene Dietrich, heute Prominente wie Günther Jauch und Wolfgang Joop. Durch Millionen-Spenden reicher Privatleute für Denkmalschutz hat Potsdam relativ schnell zu seinem alten Glanz zurückgefunden. Selbst die Häuser im ehemaligen Sperrgebiet des sowjetischen KGB-Hauptquartiers wurden zu schmucken Einfamilienhäusern umgestaltet – bis auf eins. Mit seinem mausgrauen DDR-Charme soll es als Mahnmal an die Vergangenheit erinnern.

Das Schiff: Die „Katharina von Bora“ ist 83 Meter lang und 9,5 Meter breit. Sie kann 80 Passagiere aufnehmen. Alle Kabinen sind Außenkabinen und stilvoll eingerichtet und auf dem Oberdeck mit großen, bis zum Boden reichenden Panoramafenstern zum Öffnen ausgestattet (französischer Balkon). Die Hauptdeck-Kabinen haben nicht zu öffnende Fenster. Tagsüber ist das Sonnendeck ein beliebter Treffpunkt.

Reiseliteratur: „Ostseeküste – Mecklenburg-Vorpommern“, Claudia Banck, Dumont, 296 S., 17,99 Euro.


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Gorch Fock

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