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NWZonline.de Ratgeber Reise

Finnland: Stück Schweden auf vielen kleinen Inseln

03.09.2011

MARIEHAMN Man kann natürlich auch hinfliegen. Aber stilvoller ist die Anreise mit der Fähre, am besten von Stockholm aus. Weil Aland zwar offiziell zu Finnland gehört, eigentlich aber ziemlich schwedisch ist. Weil man sich auf den ersten zwei Dritteln der Fahrt schon mal ausführlich in das Thema Schären eingucken kann. Und weil man nach knapp sechs Stunden direkt in Mariehamn landet. Alands Hauptstadt ist nicht nur der beste Standort, um die Inseln zu erkunden, sie hat in diesem Jahr auch ein bisschen Extra-Ehrerbietung verdient: Mariehamn ist 150 Jahre alt geworden.

Zwei Häfen

Aland brauchte Mitte des 19. Jahrhunderts dringend eine neue Hauptstadt, weil die Franzosen die alte im Krimkrieg in Grund und Boden geschossen hatten. Die Neugründung fiel mitten in die guten 100 Jahre, in denen die russischen Zaren in Finnland das Sagen hatten. Alexander II. entschied sich für eine Landzunge im Süden des aländischen Festlandes. Das bescherte der neuen Hauptstadt gleich zwei Häfen, einen im Westen und einen im Osten. Und die Zarengattin Maria spendierte den Namen: Mariehamn, Marienhafen.

Die dicken Pötte aus Stockholm, Turku und Helsinki kommen im Westhafen an. Das ist praktisch für Besucher, weil der Westen Mariehamns Schokoladenseite ist. Dort liegt die Pommern, ein stolzer Viermaster, letztes Überbleibsel der Segelflotte des aländischen Reeders Gustaf Erikson und heute ein Museum.

Das Einkaufs- und Politikzentrum der 11 000-Einwohner-Stadt liegt auf der Ostseite, ist aber bloß einen Spaziergang entfernt. Die Halbinsel ist kaum breiter als ein Kilometer. Zum Überqueren bietet sich die Norra Esplanadgatan an, eine Lindenallee, die an der Pommern beginnt, an der sich die Holzvillen der alten Reederfamilien reihen.

Ebenfalls auf der Ostseite liegen der Landtag und die Landesregierung, Zeichen der Autonomie. Aland feiert in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen: Vor 90 Jahren, am 24. Juni 1921, schlug der Völkerbund die schwedischsprachigen Inseln Finnland zu. Allerdings zu einem hohen Preis: Die Aländer dürfen seitdem ihre Angelegenheiten weitgehend selbst regeln. Was im Lauf der Jahre zu eigener Fahne, eigener Nationalhymne, eigenem Nationalfeiertag und Autokennzeichen, eigenen Briefmarken und eigener Internetdomain geführt hat: ax. Der Gipfel der Eigenständigkeit: Alands Nachwuchs muss nicht mal in der Schule Finnisch lernen.

Wer genug Hauptstadt geguckt hat, möchte vielleicht erfahren, wie die restlichen der 27 500 Aländer wohnen. Die meisten tun das in bunten Holzhäuschen in Streudörfern auf dem sogenannten aländischen Festland, umgeben von Wäldern oder Weiden, auf denen Kühe oder Schafe grasen. Die Busse dorthin starten von Mariehamn in fünf Himmelsrichtungen. Man kann aber auch mit dem Rad fahren – oder mit beidem: Die Busse nehmen Fahrräder mit.

Busse zu Wasser

Auf diese Weise lassen sich nicht nur die ältesten Feldsteinkirchen Finnlands, sondern auch die schönsten Badestellen finden: mal ein richtiger Sandstrand wie Degersand auf Eckerö, meist aber glatt geschliffene Granitfelsen.

Die Busse fahren auch in die beiden Häfen im Osten des aländischen Festlandes, von denen die Schärenfähren starten. Sie sind so was wie Busse zu Wasser und steuern ein paar der Inseln zwischen Festland und Finnland an. 6757 sollen es sein, 65 sind bewohnt.

Es gibt eine Nord- und eine Südroute. Wer ohne Auto unterwegs ist, darf umsonst mitfahren und stundenlang an Deck stehen, sich die Augen nach Inselchen mit und ohne Holzhäuschen ausgucken. Am Ende der Nordroute kann man auf die finnische Insel Osnäs übersetzen und wird dort per Schild informiert, dass nun das „eigentliche Finnland“ beginnt.

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