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Marokko: Wellen jagen mit bester Surferin

17.04.2021

Tamraght Das ganze Jahr Sonne und gute Bedingungen für Profis und Anfänger, je nach Jahreszeit: Marokko ist zu einem Mekka für Surfer geworden. Auch immer mehr einheimische Frauen wagen sich in die Wellen.

Ich liege im Wasser auf meinem Anfängerbrett aus Schaumstoff. Links neben mir hebt sich der Devils Rock aus dem Wasser, ein mächtiger Felsen, der dem beliebten Surfspot im Küstenort Tamraght am Atlantik seinen Namen gegeben hat.

Am belebten Strand streckt meine Surflehrerin Meryem el Gardoum beide Arme in die Luft. „Schnapp dir die Welle“, will sie mir damit signalisieren. Wie wichtig klare Kommunikation über Handzeichen ist, hat sie mir beim Warm-up vor der Surfstunde eindringlich erklärt.

Während ich mit aller Kraft paddele, habe ich Meryems Stimme im Kopf: „Arme nah am Brett lassen, sonst vergeudest du nur deine Energie. Immer nach vorn schauen, sonst verlierst du die Balance. Und bleib locker in den Knien.“ Viele Dinge auf einmal, natürlich vergesse ich wieder irgendwas, komme aber trotzdem recht zielsicher bei ihr an.

Meryem unterrichtet nicht nur, sie surft auch selbst, und das ziemlich gut: Fünfmal hat sie die marokkanischen Surfmeisterschaften gewonnen. Beim ersten Mal war sie mit 14 Jahren die jüngste Teilnehmerin in ihrer Altersklasse.

Die heute 23-Jährige surft, seit sie 11 Jahre alt ist. Gelernt hat sie den Sport hier am Devils Rock von ihrem Cousin Zaid. Der arbeitet in einem kleinen Surfshop. Mein Material haben wir bei ihm abgeholt.

„Sie war das erste Mädchen hier im Dorf, das gesurft hat“, erzählt Zaid. Zunächst sehr zum Unmut ihrer Eltern. Besonders der Vater machte sich Sorgen um den Ruf und die Zukunft seiner Tochter. „Ich habe ihm erklärt, dass ich kein Interesse an Jungs, Alkohol und Party habe, sondern einfach nur surfen will“, erinnert sich Meryem.

Der Vater vertraute ihr und ließ sie mit ihren Brüdern, Cousins und anderen jungen Männern aus dem Dorf trainieren. Bis heute keine Selbstverständlichkeit in Marokko.

„Langsam ändert sich hier die Mentalität“, glaubt Zaid. „Viele Mädchen wollen heute Surfen lernen, nicht zuletzt wegen Meryem.“ Bei Instagram, wo ihr etwa 12 500 Menschen folgen, erhalte sie viele Nachrichten von jungen Frauen, die ihr das bestätigen.

Meryem hat keinen Sponsor, keinen Privatcoach, anders als viele Männer. Sie arbeitet seit einigen Jahren als Lehrerin in einem Surfcamp. Dazu bietet sie seit einiger Zeit private Coachings an.

Surftourismus boomt

Nach der Einzelstunde zwänge ich mich aus dem nassen Neoprenanzug und wir trinken noch einen Avocado-Shake in einem der kleinen Cafés an der Promenade. Meryem erzählt, dass sie ihr eigenes Surfcamp eröffnen will. „Ich liebe es, zu unterrichten und meine Erfahrungen weiterzugeben. Ich will das alles Schritt für Schritt machen. Zuerst möchte ich eine eigene Surfschule aufmachen und dann irgendwann eine Kollaboration mit einem Hostel eingehen, wo die Gäste untergebracht werden können“, sagt die junge Marokkanerin.

Eigentlich wollte sie schon ihre ersten eigenen Gruppen zu Gast haben. Doch Corona machte ihr einen Strich durch die Rechnung, die Touristen blieben wegen der Pandemie zu Hause.

Meryem hofft, dass in der nächsten Hauptsaison ab Oktober 2021 alles wieder so sein wird wie vor der Krise. Denn der Surftourismus hat in Marokko in den letzten Jahren einen echten Boom erlebt.

Familiäre Unterkünfte

Die 23-Jährige hat miterlebt, wie innerhalb weniger Jahre Hunderte Surfcamps, Surfhostels und Schulen im Küstenabschnitt zwischen Imsouane und Agadir aus dem Boden geschossen sind. Von der Terrasse des Cafés aus überblickt man den Strandabschnitt von Tamraght bis ins etwa fünf Kilometer weiter nördlich gelegene Taghazout. Vor wenigen Jahren lag zwischen den Orten nur Strand und dahinter plattes Land. Heute reihen sich mehrere große Hotelbauten aneinander.

Die meisten Surfer bevorzugen aber eher kleine Orte und familiäre Unterkünfte, sie interessieren sich für die lokale Kultur.

Auch die Umgebung hat viel zu bieten. In den Bergen, etwas weiter im Inland, liegen kleine, authentische Berberdörfer, die man zu Fuß erreichen kann. Wer ein Auto leiht, kann sich auf den Weg ins Atlasgebirge machen und erreicht bereits nach etwa 25 Kilometer das Paradise Valley mit seinen Felsenbecken und Wasserfällen.

„Auf dem Weg kommt man an mehreren Argan-Kooperativen vorbei, die Frauen in der Region hier helfen, ein eigenes Einkommen zu generieren“, sagt Meryem. Ein weiteres Ausflugsziel etwa 30 Kilometer nördlich von Tamraght, das sie mit Gästen und auch privat mit Freunden gern besuche, sei die „kleine Wüste.“ Direkt hinter dem Strand erheben sich meterhohe Sanddünen, auf denen sich mit alten, ausrangierten Snowboards prima „Sandboarden“ lasse.

Absoluter Lieblingsort

Zum Schluss verrät die Profisurferin mir noch ihren absoluten Lieblingsort in der Gegend: Nach etwa eineinhalb Autostunden von Tamraght in Richtung Essaouira erreicht man den kleinen Fischerort Imsouane. Der sei in den letzten Jahren zwar auch etwas gewachsen, liege aber weit genug entfernt von Agadir, so- dass die Massen ihn noch nicht entdeckt hätten. „Wenn ich dorthin fahre, gehe ich surfen, esse Fisch und skate im Sonnenuntergang. Einfach perfekt.“

Reisezeit:Das Klima ist ganzjährig weitgehend trocken. Von Mitte Mai bis September liegen die Temperaturen bei 30 Grad, im Winter sind es milde 20. Surfer kommen von Oktober bis April auf ihre Kosten. Für Anfänger sind die Sommermonate mit kleineren Wellen ideal.

Anreise:Von Deutschland aus fliegen normalerweise mehrere Airlines nach Agadir. Vom Flughafen aus kommt man mit dem Mietwagen, mit Bussen oder Taxis schnell nach Tamraght.

Einreise:Deutsche Reisende brauchen für Marokko kein Visum. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein.


     www.visitmorocco.com/de 
Reise- und Sicherheitshinweise unter   http://dpaq.de/hyt1n 

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