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NWZonline.de Ratgeber Reise

Camping: Rollender Traum: unterwegs im Bulli

08.08.2020

Tecklenburg /Warburg Irgendwann kommt er: der Gedanke an ein Wohnmobil. Damit, so die Hoffnung, verliert das Wort „Rentner“ seinen Schrecken, damit ließe sich doch die Zeit, die man plötzlich hat, sinnvoll nutzen. Manch einer ist auch schon in Jugendtagen mit dem Bulli unterwegs gewesen und erzählt nun seinen Enkeln davon. Wir nicht. Uns hilft Corona auf die Sprünge: Mit einem Van, so die Idee, ist bestimmt ein vergleichsweise sicheres Reisen möglich. Nur mal für ein paar Tage, zum Testen. Als rollendes Basislager für Wandertouren im Teutoburger Wald und Eggegebirge. Natürlich könnte man die Strecke von Tecklenburg nach Warburg auch an einem Tag abfahren, inklusive Mittagsschlaf beim Hermannsdenkmal, aber wer will das schon? Fünf Tage planen wir ein. Danach werden wir wissen, ob wir uns noch krumm machen können.

Fliegenklatsche inklusive

„Das ist euer kleines mobiles Zuhause für die nächsten Tage“, sagt Bastian. Gemeinsam mit Larissa – das „Du“ ist Firmenphilosophie – betreibt er das Hamburger Start-up „Vantopia“ direkt an der A7. Beide gaben einen festen Job auf, tourten zwei Jahre durch die Welt, nahmen allen Mut zusammen und hohe Kredite auf und sind nun „Schuldenmillionäre“. Dafür haben sie 18 Urlaubsmobile in drei Größen.

Unser Bulli ist bereits startklar, Bastian macht uns mit dem Fahrzeug vertraut. Der 37-Jährige demonstriert, wie wir die Markise ausfahren, das Dach hochklappen, die Rückbank zu einem Bett umfunktionieren und die Standheizung regulieren, obwohl wir die eigentlich gar nicht brauchen. Alles hat seinen festen Platz, bis hin zu einem „Kochbuch, das fast allein das zulässige Gesamtgewicht sprengt“ – auch das werden wir kaum brauchen. Und hoffentlich auch nicht die elektrische Fliegenklatsche, mit der „die Viecher ohne Blutspuren an der Wand beseitigt werden können“. Aber es gibt ja auch Leute, die mit so einem Bulli nach Schweden fahren .

Scharfe Küchenmesser

Unsere kleine Roadshow beginnt im Holperdorper Tal bei Bad Iburg, auch „Toscana des Teutoburger Waldes“ genannt. Auf dem Campingplatz suchen wir uns einen Stellplatz ganz am Rand, es muss ja nicht jeder gleich mitkriegen, dass wir blutige Anfänger sind. Erstmal die Markise ausfahren und die Liegestühle vor die Tür. Die sind geradezu ein Sinnbild für die Ausstattung des Vans: kleinstes Packmaß, hochwertig und vor allen Dingen sehr praktisch, ein einfaches Stecksystem, durch Schnüre verbunden. Um es vorwegzunehmen: Wirklich alles ist mit Verstand ausgewählt. Immer ein entscheidendes Kriterium: Platz sparen. Zum Beispiel der Teekessel: zum Zusammenfalten. Oder der Kochtopf: mit klappbaren Henkeln. Ein Sonderlob gibt es für die scharfen Küchenmesser – hat auch nicht jede Ferienwohnung.

Einfache Handgriffe

Theoretisch könnten bis zu vier schlanke Personen in dem Bulli schlafen, zwei oben, zwei unten. Oben müssen wir nur das Dach hochklappen. Und unten zwei Mal einen Hebel umlegen, dann noch ein kräftiger Ruck – fertig. Der Sichtschutz für die Frontscheibe und die Seitenfenster ist dank starker Magnete in Minutenfrist angebracht. Top sind die biegsamen Leselampen, mit USB-Slot am Fuß zum Aufladen des Handys.

Am nächsten Morgen weckt uns ein Vogelkonzert. Die Nacht war, nun ja, durchwachsen. Wir hätten vielleicht doch mit der Mini-Wasserwaage schauen sollen, ob der Wagen gerade steht. Etwas ungelenk verlasse ich mein Nachtlager in der ersten Etage: Erst einen Fuß auf die Rücklehne des Fahrersitzes, dann den anderen auf den Sitz, bestimmt alles ganz einfach, wenn man es ein paar Mal öfter gemacht hat.

Hermannshöhen

Der Tag vergeht mit einer Wanderung auf den Hermannshöhen, vom Campingplatz sind es nur wenige Hundert Meter zu dem Kammweg. Am Abend steht sie zum ersten Mal im Raum, die unvermeidliche Frage: Wollen wir nicht auch so ein Ding haben?

Unsere nächste Station: Werther, ein Ort, den wir seit Kindertagen kennen, wurden doch hier früher Karamellbonbons hergestellt. In Werther wurde aber auch Peter August Böckstiegel geboren, ein westfälischer Expressionist, dessen Name uns noch nie zu Ohren gekommen ist. Neben seinem Elternhaus ist vor zwei Jahren auf einer Obstwiese ein neuer Museumsbau eröffnet worden, ein Kubus für das Leben und Werk des Künstlers.

Dann das Hermannsdenkmal, klar, ein Muss im Teutoburger Wald. Vom Scheitel, pardon: Helm bis zur Sohle misst Hermann gut 16 Meter. Rechnet man alles zusammen, Sockel, Hermann und Schwert, dann hat das Denkmal eine Höhe von 53,46 Metern. Bis zur Einweihung der Freiheitsstatue von New York anno 1886 war es die größte Statue der westlichen Welt, heute ist es immer noch die höchste Deutschlands.

Hörmuseum Blankenrode

Nur gut 20 Autominuten trennen den Koloss aus genieteten Kupferplatten von den Externsteinen. Auch hier folgen wir dem Strom des internationalen Publikums, einmal rauf auf die Steine, wenn Corona es denn zulässt, einmal mitten durch, und danach noch kurz in das Info-Zentrum, damit man wenigstens ein bisschen weiß, was genau man gesehen hat.

Heute hier, morgen da, wirklich praktisch, so ein Van. Wir klappern die berühmten Geheimtipps ab. Blankenrode zum Beispiel, im 13. Jahrhundert ein blühendes Gemeinwesen mit tausend Einwohnern, vielleicht sogar mehr. Was davon übrig geblieben ist, kann man sich ansehen und anhören: Das „Hörmuseum Blankenrode“ lädt ein zu einer akustischen Zeitreise durch eine der größten Stadtwüstungen Deutschlands. Kleiner, dafür aber weltweit einmalig, ist das, was in einer nahen Bleikuhle wächst: das Violette Galmei-Veilchen. In der Bleikuhle von Blankenrode wurden früher Erze abgebaut. Heute ist es der einzige Ort auf diesem Globus, wo dieses gegen die Gifte im Boden tolerante Galmei-Veilchen gedeiht.

Etwas Wehmut

Im mittelalterlichen Warburg, unserer letzten Station, kommt erstmals Wehmut auf. Schade, bald müssen wir uns trennen von unserem Van, dabei haben wir uns doch gerade erst aneinander gewöhnt. Die Handgriffe sitzen und der Schlaf ist tief. Okay, kaufen werden wir uns so einen Bulli nicht, aber es hat Spaß gemacht. Gern wieder. Vielleicht sollten wir noch dazusagen, dass wir gutes Wetter hatten. Ob so eine Tour bei Dauerregen zu einer Belastungsprobe für die Ehe wird, müssten wir vielleicht doch noch mal austesten.


     www.vantopia.de 
     www.teutoburgerwald.de 

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