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NWZonline.de Ratgeber Reise

USA: Tausende Tierarten im Big-Bend-Park

06.03.2021

Terlingua Mama Schildkröte und ihr Kind liegen gemütlich in der Sonne. Die Reptilien im Rio Grande an der Grenze zwischen Texas und Mexiko sind so groß wie Handteller. Hinzukommt der dünne, lange Kopf, den Bootsfahrer manchmal aus dem Fluss ragen sehen.

„Das kann auch eine Schlange sein, das sieht man nicht auf den ersten Blick“, sagt Jason Lee, der Guide auf dieser Paddeltour auf dem Grenzfluss zwischen den USA und Mexiko im Big-Bend-Nationalpark.

Big Bend Sliders heißen die Schildkröten. Wenn die Sonne scheint, so wie fast jeden Tag hier im Süden der USA, dann suchen sie sich ein gemütliches Plätzchen auf einem warmen Felsen. Nicht allzu schwierig, weil der Fluss zwischen zwei Wüsten liegt und wenig Wasser führt.

Vielfältige Ökosysteme

Die einzige Chance, die Wasserstände aufzufüllen, gibt es im Hochsommer. „Das ist unsere Regenzeit“, erklärt Ranger Bernie Sapp den Besuchern des Parks beim Chisos Basin.

Big Bend ist weder der größte noch der älteste Park in den USA, doch er gehört zu den beeindruckendsten. „Die Ökosysteme hier sind vielfältig und sie sind schützenswert“, sagt Sapp. Durch die verschiedenen Höhen – von 600 Metern im Rio Grande Valley bis hin zur höchsten Erhebung, dem Emory Peak mit knapp 2400 Metern – gibt es jede Menge verschiedener Pflanzen und Tiere.

Insgesamt leben in Big Bend 75 Säugetierarten, 450 Vogelarten, 3600 Reptilienarten und elf verschiedene Amphibienarten – mehr als in jedem anderen Nationalpark in den USA. Zu sehen gibt es den Road Runner, den viele aus Cartoons kennen, Stinktiere und Rotluchse – sowie Spinnen, Fledermäuse, Skorpione und diverse Klapperschlangen.

Die meisten Autos und Wohnmobile sind zu Jahresbeginn unterwegs, im Januar, Februar und März. Ganz anders im August und September, wenn der Regen kommt. Im Hochsommer kann es im Südwesten von Texas bis zu 50 Grad heiß werden – zumal man kaum Schatten findet in dem riesigen Areal, das von Bergketten gesäumt wird.

Einzig, wer bei den Chisos Mountains entweder den Windows Trail oder den Lost Mine Trail nimmt, wandert ein Stückchen durch Nadelwälder, weil das Gebiet etwas höher liegt und somit kühler ist. „Hier leben auch Pumas und mexikanische Schwarzbären“, erzählt Bernie Sapp. Doch keine Angst: „Wer etwas Lärm macht, verscheucht sie gleich.“

Größter Ort „Ghost Town“

Terlingua ist die größte Ortschaft im Nationalpark, rund 2000 Menschen sollen in dem Ort leben. Wo diese Leute sich allerdings aufhalten, erschließt sich dem Besucher nur schwer. Kurios scheint, dass das größte Quartier des Ortes der Friedhof ist. Daher kommt auch der Name „Ghost Town“, wie man im lokalen Tex-Mex-Restaurant erfährt, das jeden Abend aus allen Nähten platzt.

Und was tun in Big Bend, wenn man nicht auf dem Rio Grande paddeln mag? „Es gibt jede Menge ausgeschilderter Wanderwege mit verschiedenen Längen und Schwierigkeitsgraden“, sagt Ranger Sapp.

Von kurzen Spaziergängen bis hin zu tagelangen Wanderungen ist alles möglich. Ausritte sind für viele ein echtes Highlight. Kürzere Wege führen zu Instagram-Spots, die erstklassige Fotomotive bieten. Beispiel: der Trip zum Balance Rock, drei Felsen aus Sandstein, die aufgestapelt worden zu sein scheinen.

Eine andere spektakuläre Route ist der Weg zum Santa Elena Canyon. Zunächst sieht man nur zwei steil aufragende Felswände, zwischen denen der Rio Grande fließt. Der Trail führt ein Stück in die Schlucht hinein direkt zum Fluss – erst dort erkennt man, wie schroff die 500 Meter hohen Felswände eigentlich sind.

Der Big-Bend-Nationalpark grenzt an einen State Park gleichen Namens, nach rund 100 Meilen kurviger Straßen landen Reisende in einem kleinen Ort namens Marfa. Dieser Road Trip wird regelmäßig zu einer der schönsten Routen in den USA gekürt.

Marfa ist kaum mehr als eine Kreuzung in der Wüste – aber ein Dorf, das es in den vergangenen Jahren auf so manche Hipster-Bucket-Liste geschafft hat. Früher war hier die US-Armee stationiert, heute sitzt die Chinati Foundation in den 30 Baracken im Nirgendwo.

Hollywood-Stars

Das Museum hier ist den Werken seines Gründers gewidmet: Donald Judd (1928-1994). Der amerikanische Minimalist war schon Anfang der 1970er Jahre nach Marfa gezogen, um dort seine Vorstellungen von Kunst und Architektur am Fuße der Chinati-Berge zu verwirklichen. Neben seinen raumgreifenden Werken stellt das Museum großräumige Installationen ausgewählter anderer Künstler aus.

Die Instagramer-Schar ist nicht die erste Welle junger, hübscher Menschen, die den Weg in diese Wüste findet. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Hollywood, James Dean und Elisabeth Taylor standen hier für die Außenaufnahmen des Klassikers „Giganten“ vor der Kamera.

Klima und Reisezeit:Das Frühjahr und der Herbst sind die besten Jahreszeiten, um den Nationalpark zu besuchen. Dann sind die Temperaturen warm. Im Sommer ist es glühend heiß.

Anreise:Von Deutschland aus fliegen verschiedene Fluggesellschaften den Airport Dallas/Fort Worth normalerweise direkt an. Von dort in rund acht Stunden Fahrzeit zum Park.

Einreise:Deutsche Urlauber brauchen kein Visum für die USA, müssen unter https://esta.cbp.dhs.gov aber eine elektronische Einreiseerlaubnis einholen. Sie kostet 14 US-Dollar und gilt zwei Jahre. Derzeit sind touristische Reisen in die USA wegen der Pandemie nicht möglich.

Übernachtung:Direkt im Nationalpark können Besucher nur im Wohnmobil schlafen. Einige Hotels und Ferienwohnungen liegen außerhalb der Parkgrenzen. Es empfiehlt sich, Unterkunft oder Stellplatz frühzeitig zu buchen – vor allem für das Frühjahr.


     www.traveltexas.com 

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