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NWZonline.de Ratgeber Reise

Deutschland: „Ein Wunderland – ein Götterland“

12.09.2020

Teufelsmoor Als Paula Modersohn-Becker 1897 erstmals nach Worpswede kam, war sie von dem Ort und dem umliegenden Teufelsmoor begeistert. „Versunkene-Glocke-Stimmung“, notierte die später weltberühmte Malerin in ihrem Tagebuch, „Birken, Birken, Kiefern und alte Weiden. Schönes braunes Moor, köstliches Braun! Die Kanäle mit den schwarzen Spiegelungen, asphaltschwarz. Die Hamme mit ihren dunklen Segeln, es ist ein Wunderland, ein Götterland.“ Wer sich Zeit nimmt, kann vieles davon noch heute erleben, am besten auf dem Rad und zu Fuß: Urlaub pur in einer oft mystischen Landschaft.

Intensive Farbspiele

Es war der Moorkolonisator Jürgen Christian Findorff, der die Region zwischen Bremen und Bremerhaven nachhaltig prägte und zu dem machte, was sie heute ist: Deutschlands größtes besiedeltes Moorgebiet. Vor 300 Jahren geboren, plante er in der Region zwischen den Flüssen Wörpe, Wümme, Hamme und Oste 60 neue Dörfer. Der Mann, der 1792 starb, ging so als „Vater aller Moorbauern“ in die Geschichte ein.

Im Teufelsmoor lockt der weite Himmel mit seinen Wolken, die manchmal wie glühende Tupfen wirken. „Die besondere Intensität, Leuchtkraft und Weichheit der Farben im Teufelsmoor beruhen auf der hohen Luftfeuchtigkeit in der wassergesättigten Moorlandschaft“, erläutert Hans-Gerhard Kulp, Vorstandssprecher der Biologischen Station in Osterholz-Scharmbeck am Teufelsmoor. Heute sei die Luftfeuchtigkeit im Vergleich zur Gründungszeit der Worpsweder Künstlerkolonie wegen umfassender Entwässerungen wohl niedriger: „Das Farbenspiel können wir heute seltener erleben.“

Typische Dörfer

Was es aber immer noch gibt: Straßen, wie mit dem Lineal gezogen, dazwischen Gräben, die schwarzes Wasser führen – wer durch das Teufelsmoor streift, erkennt schnell die typische Struktur langgezogener Dörfer. An vielen Stellen wird deutlich, wie sehr die ersten Siedler kämpfen mussten, denn im Hochmoor wuchs kaum etwas. Dafür steht auch der Name „Teufelsmoor“: Der Begriff verweist nicht etwa auf den Teufel, er stammt aus dem Niederdeutschen und bedeutet so viel wie taub oder unfruchtbar.

Klima-Radtour

Wer sich heute auf Expedition in die Region begibt, entdeckt aber auch schnell, wie wichtig die Moore für Arten- und Klimaschutz sind. Deutlich wird das auf einer „Klimatour“ per Rad durch das Teufelsmoor, die der Biologe Kulp ausgearbeitet hat.

Auf 42 Kilometern entlang von neun „Klimapunkten“ wird klar, wie sehr die Region vom Klimawandel beeinflusst wird. Denn Torf, erläutert Kulp, speichere das klimaschädliche CO2. „Wird das Moor trockengelegt, um es zu bewirtschaften, zersetzt sich der Torf und der im Boden gebundene Kohlenstoff wird freigesetzt.“

Schon kurz nach dem Start in der Worpsweder Ortsmitte kommen Radler am Westhang des knapp 55 Meter hohen Weyerberges ins Grübeln. Dort haben engagierte Bürger 2006 die Steganlage „Teufelsmeer“ errichtet. Alles sieht so aus, als sollte hier gleich ein Boot anlegen. Zu sehen ist auch eine Pegellatte, auf der fiktive Wasserstände aufgetragen sind. „Der Steg weist als stummes Mahnmal auf den Klimawandel und den Meeresspiegelanstieg hin“, sagt Kulp.

Sonnentau gedeiht

Später führt die Route in das Niedersandhauser Moor. „Das Gebiet wird wieder vernässt“, erläutert Hans-Hermann Hubert, Gästeführer und Vorsitzender des Heimatvereins Worpswede. Vorbei an einem nassen Birkenbruchwald mit Sumpf-Calla und Moosrasen in wassergefüllten Torfstichen geht es zu einem ehemaligen Torfhafen, ein magischer Ort. Von den Rändern wächst ein Torfmoos-Schwingrasen auf die Wasserfläche. Überall fleischfressender Sonnentau und Gagel-sträucher, die dem Hochmoor mit ihren ätherischen Ölen einen charakteristischen Duft verleihen.

Abseits der Klimatour lohnt sich ein Besuch im alten Moorhof Augustendorf, durch den Friedrich Metscher führt. Das Museum mit dem historischen Rauchhaus lässt nachempfinden, unter welchen Entbehrungen die Torfstecher zu Findorffs Zeiten und später gelebt haben. „Schwerste Handarbeit mit Arbeitstagen bis zu 14 Stunden“, beschreibt Metscher.

Nur ein paar Kilometer von Augustendorf entfernt liegt das Naturschutzgebiet Huvenhoopsmoor mit Kranich-Beobachtungsturm und Moorerlebnispfad. Weitere lohnende Ausflugspunkte sind das Findorff-Haus mit einer Dauerausstellung zum Moorkolonisator und dem benachbarten Findorff-Grab in Iselersheim, das Torfschiffswerft-Museum mit Café in Schlußdorf und die von Findorff erbauten Kirchen in Worpswede, Grasberg und Gnarrenburg.

Torfkahnfahrten

Mit Einschränkungen sind auch wieder die beliebten Torfkahnfahrten möglich. So bieten die Adolphsdorfer Torfschiffer Touren auf dem Bootstyp an, auf dem früher Torf transportiert wurde. Ruhige Rad- und Wanderwege inklusive eines Biergartens mitten im Moor findet außerdem, wer den Torfschiffhafen und den Gasthof „Zur Kreuzkuhle“ bei Gnarrenburg ansteuert. Auch dort sind wieder Torfkahnfahrten möglich – in kleineren Gruppen. „Das geht wieder los, Gott sei Dank“, sagt „Kreuzkuhlen“-Wirt Heino Lütjen und atmet auf: „Das gibt uns wieder ein Stückchen mehr Freiheit.“

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