TORUN - Wer sich in Toruns Altstadt verabredet, trifft sich am besten bei Nikolaus Kopernikus (1473–1543): Das Denkmal des berühmten Astronomen steht vor dem Rathaus und ist gar nicht zu verfehlen. Zu seinen Füßen wird es im Sommer oft eng: Kleinkinder spielen da, Teenager auf Shoppingtour legen dort eine Pause ein, Touristen setzen sich auf die Bank direkt vor den Füßen des Astronomen.
Kopernikus, nach dem die Universität und alles mögliche andere benannt ist, gehört zu Toruns Aushängeschildern. Im Dom wurde er getauft, in dem Gebäude daneben ist er zur Schule gegangen. Allerdings ist dummerweise nicht ganz sicher, wo er 1473 geboren wurde. In der nahen ulica Kopernika stehen zwei ausgesprochen schöne gotische Häuser mit Backsteingiebeln. Eines davon könnte das Geburtshaus des Astronomen sein – oder eben auch nicht. Egal: Es heißt jedenfalls Kopernikus-Haus und beherbergt ein Museum zu dessen Leben und astronomischen Entdeckungen.
Nur auf den ersten Blick ist es kurios, dass das Bezirksmuseum im Kopernikus-Haus auch eine Ausstellung über Pfefferkuchen zeigt. Denn Torun (Thorn) ist zwar in ganz Polen für Kopernikus bekannt, aber genauso als „Miasto Pierników“, als Pfefferkuchen-Stadt. Pfefferkuchenbäcker gab es hier schon im Mittelalter, und die Lebkuchen wurden bald zum Exportschlager. Schon Frédéric Chopin soll ein Fan davon gewesen sein.
Ein großer Vorzug Toruns, das seit 15 Jahren zur Liste des Unesco-Weltkulturerbes gehört: Alle Sehenswürdigkeiten werden hier wie auf dem Präsentierteller serviert. „Die Stadt ist sehr überschaubar“, sagt Szymon Wisniewski, Leiter der Tourist Information. „Von einem Ende der Altstadt zum anderen schafft man es in sieben Minuten. Dafür braucht man keine U-Bahn.“ Zu sehen gibt es trotzdem viel. Zu den gotischen Vorzeigebauten der Stadt gehört die Marienkirche aus dem 13. Jahrhundert.
Fast nichts mehr übrig ist von der Burg des Deutschen Ordens – bei einem Aufstand der Stadtbürger wurde sie schon 1454 weitgehend zerstört. Nur ein Teil steht noch – der, in dem im Mittelalter die Toiletten untergebracht waren. Er sieht sogar noch ganz dekorativ aus.
Das gilt auch für den Schiefen Turm von Torun, einem der ungewöhnlichsten Bauwerke der Stadt: Er stammt aus dem 14. Jahrhundert und hat sich mit der Zeit beachtlich zur Seite geneigt.
Nur ein paar Schritte sind es bis zum Brunnen auf dem Hauptplatz Rynek, den das Denkmal eines Violine spielenden Flößers ziert, während die Frösche auf dem Brunnenrand fasziniert zu lauschen scheinen. Die Figurengruppe erinnert an eine Sage aus Torun: Sie erzählt von einer Froschplage, die die Bürger zur Verzweiflung trieb. Bis der Bürgermeister einen Flößer bat, die Tiere mit seiner Geige zu verzaubern. Tatsächlich folgten sie ihm aus der Stadt und kamen nie wieder.
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