TOURS - Mit dem Rad kann man nach Schloss Chambord fahren. Es geht an Weinbergen entlang.

Von Thorsten Wiese

Camille und Christophe holen im Dämmerlicht die Seile und Haken aus dem Auto, schnallen sich kleine Lampen vor die Stirn und zeigen damit den Weg in den Wald hinein. Jetzt gilt es, das am Nachmittag Gelernte anzuwenden. Denn wer im Baum schlafen will, muss ihn vorher hochklettern – das Bett für die heutige Nacht befindet sich in sieben Metern Höhe.

Die beiden Kletterer bieten für Touristen eine Nacht in Zelten an, die sie im Naturreservat nahe des Loire-Städtchens Nogent Sur Vernisson an den Baumstämmen befestigt haben – wahlweise auch in 20 Metern Höhe und in schlafsackähnlichen Hängematten. Auf allen Seiten ragen Baumstämme in den Himmel, durch die transparente Zeltkuppel leuchten der Mond und die Sterne durch die Wipfel, ein Uhu ruft. Wolldecken wärmen.

Aber auch auf dem Boden kommen Besucher der Region in Kontakt mit der Natur rund um die Loire. Vor allem wer sich in der Natur bewegen und Neues über sie erfahren will, kommt im Gebiet zwischen Orléans und Tours, Brenne und Sologne auf seine Kosten. Die Loire ist der längste Fluss Frankreichs – er fließt weitgehend ohne vom Menschen gemachte Sperren oder Begradigungen dem Atlantik entgegen.

In dem Arboretum, einer Art Baumschutzgebiet und Naturpark, wo Kinder und Erwachsene unter Anleitung von Camille und Christophe die bis zu 40 Meter hohen Bäume erklimmen können, stehen auf 35 Hektar rund 8500 Bäume von 2700 Arten aus aller Welt. Schilder auf einem Rundweg erläutern die Besonderheiten von Blättern, Blüten und Früchten. „Einige Bäume sind mehr als 100 Jahre alt“, sagt Corinne Vermillard, Direktorin des Trägervereins ADIAF.

Und wem die Pflanzen nicht reichen, der fährt weiter in das gut eine Autostunde entfernte Ménestreau-en-Villette in der Sologne. Dort liegt der Eingang zum Naturpark Domaine du Ciran. Urlauber können in dem Gebiet auf 300 Hektar Fläche neben der Flora auch die Fauna der Region erkunden. Kühe und Ziegen stehen zum Streicheln bereit. Ein bisschen Glück ist vonnöten, um den Wildschweinen, Hirschen und Rehen und Füchsen auf einer geführten Tour auf die Spur zu kommen.

Die Reservate eignen sich vor allem als Zwischenstopp, denn am besten verbinden Urlauber die spielerische Erfahrung der Natur mit sportlichen Aktivitäten wie Rad fahren oder Wandern. Auf dem Weg durch die Dörfer lässt es sich entspannt in die Pedale treten.

Mit dem Rad geht es auch nach Schloss Chambord: Die prunkvolle Anlage von König Franz I. ist nach Versailles die zweitgrößte der früheren Herrscher Frankreichs. Allein der Park um das Schloss hat einen Umfang von 33 Kilometern, und mit dem Prachtbau im Zentrum wurde unter dem Namen „Châteaux en vélo“ in den vergangenen Jahren ein Netz von Radwanderwegen angelegt.

Am nächsten kommen Naturliebhaber dem Fluss aber natürlich per Boot: Auf dem seichten Unterlauf der Loire tuckern nur alte Lastkähne. Im Örtchen Candes-St.-Martin haben mit der „Amarante“ zwei Brüder ein altes Boot flott gemacht und bieten Ausflüge an. Auf den Zuflüssen der Loire sind auch Ausflüge mit dem Kanu möglich.