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NWZonline.de Ratgeber Reise

Längste Höhle Der Welt In Kentucky: Unterirdisch

15.02.2017

Bobby Beams holt ein kleines Feuerzeug aus der Hosentasche und hält es in die Höhe. „Würde mir jemand 20 Dollar dafür geben? Wohl kaum“, sagt der Ranger und dreht sich um zu einem Schaltkasten. Ein Klick - und die elektrische Beleuchtung an der Höhlendecke erlischt. Etwa 75 Meter unter der Oberfläche des Mammoth Cave Nationalparks im Süden Kentuckys ist es auf einmal stockfinster.

„Und nun? Wer bietet mir jetzt 20 Dollar?“, fragt Beams und lacht kurz auf in der Dunkelheit. Das Feuerzeug gehöre für die Ranger im Nationalpark zur Standardausrüstung, sagt er. „Es soll uns helfen, aus der Höhle herauszukommen, falls mal der Strom ausfällt.“ Ohne Kunstlicht wäre der Weg unmöglich zu finden, das System der Gänge, Schächte und Treppen ist viel zu verwinkelt - die Besucher wären in großer Gefahr. Doch eigentlich brauche man das Feuerzeug nicht mehr, sagt Beams, denn die Zeiten haben sich geändert: „Ihr hättet selbst genug Licht für den Weg nach oben. Alle mal die Mobiltelefone herausholen!“ Die meisten der rund 90 Zuhörer zücken ihre Handys, und schon wimmelt es in der Höhle von kleinen Lichtpunkten.

Ja, die Zeiten haben sich geändert seit 1941, als Mammoth Cave zum Nationalpark erklärt wurde. Aber eines ist noch wie damals: Die US-Nationalparks - von Umweltaktivist Wallace Stegner einst als „Amerikas beste Idee“ bezeichnet - sind Orte der Erholung, des Naturschutzes und des Lernens geblieben. Das gilt auch für Mammoth Cave. Es ist einer der wenigen Nationalparks, der keine spektakuläre Landschaft mit hohen Bergen, weiten Prärien und wilden Tieren zu bieten hat. Was die Wildnis angeht, sind Kentuckys grüne Hügel sogar ziemlich langweilig. Stattdessen spielt sich hier alles unter der Erdoberfläche ab: in der längsten Höhle der Welt.

Insgesamt 405 Meilen Höhlengänge wurden bisher entdeckt, das sind 652 Kilometer - ungefähr die Entfernung zwischen Hamburg und Stuttgart. Geologen gehen davon aus, dass das Höhlensystem tatsächlich noch erheblich länger ist. Die Anzeige im Besucherzentrum besteht deshalb nicht zufällig aus digitalen Ziffern. So lässt sich die Zahl leicht wieder ändern, wenn weitere Seitenarme erschlossen werden sollten.

Entstanden ist die Höhle dadurch, dass sich Grundwasser seinen Weg durch den weichen Kalkstein im Untergrund bahnte. Und weil der Green River über Millionen Jahre hinweg sein Tal immer tiefer in die Berge eingeschnitten hat, zog es auch die unterirdischen Wasserläufe, die in diesen Fluss münden, immer weiter nach unten. Große Hallen und schmale Durchlässe, vom Wasser freigespült, blieben auf mehreren Höhenniveaus zurück - und sind für Besucher zugänglich. Heute sucht sich das Wasser 110 Meter unter der Parkoberfläche seinen Weg.

Vom Besucherzentrum aus werden diverse Touren angeboten, manche sind nur 30 Minuten lang, andere dauern sechseinhalb Stunden. Eine der beliebtesten ist die zweistündige Wanderung „Domes & Dripstones“, zu der Bobby Beams an diesem Tag mit seinen Gästen aufgebrochen ist.

Zunächst geht es 283 Stufen nach unten, später zweimal auf schmalen Stegen über rund 20 Meter tiefe Abgründe hinweg. Manchmal muss man sich seitwärts am Fels entlangdrücken und den Kopf einziehen. Ganz klar: Das ist nichts für Menschen mit Höhenangst und Klaustrophobie. „Wir sind tief unter der Erde. Wer da Probleme bekommt, kann nicht so leicht weg“, sagt Beams. „Vor einigen Wochen hatten wir hier einen Besucher, der unten plötzlich große Angst bekam. Es hat acht Stunden gedauert, bis wir ihn wieder aus der Höhle heraus hatten.“

Bei der „Domes & Dripstones“-Tour bekommt man einen guten Eindruck davon, wie die Höhlen seit sieben Millionen Jahren durch Wasser geformt wurden. Den Abschluss bildet ein Besuch der Felsformation Frozen Niagara. Das wie ein riesiger versteinerter Wasserfall wirkende Gestein ist eines der meistfotografierten Motive im Park.

Rund 520 000 Besucher im Jahr kommen nach Mammoth Cave. Unter den 59 US-Nationalparks ist das ein Wert im Mittelfeld. Für die ländliche Region aber ist der Touristenstrom von großer Bedeutung, rund um den Nationalpark buhlen etliche andere Attraktionen um Aufmerksamkeit.

In privat betriebenen Schauhöhlen wie der Onyx Cave, der Hidden River Cave und den Diamond Caverns werden ebenfalls Touren angeboten. Organisierte Kanufahrten und der Kentucky Action Park mit der längsten Zweier-Zipline des Bundesstaates versprechen Abenteuer. Die Dinosaur World mit 150 lebensgroßen Plastik-Urzeitriesen sowie ein Zoo mit lebenden australischen Tieren sprechen Familien an.

Sehr modern wirken diese Attraktionen nicht, manche scheinen seit den 1980er Jahren kaum verändert worden zu sein. In Horse Cave östlich des Nationalparks stehen einige Geschäfte leer, unweit des Interstate Highway 65 passieren Autofahrer eine Tankstellenruine. Hier war die Vergangenheit besser, als es die Gegenwart ist: Dieser Eindruck kommt bei Besuchern der Region rasch auf. Der Wunsch nach einer Zukunft, die eine Rückkehr zu früherem Glanz verheißt, scheint groß: 72,9 bis 78,9 Prozent der Wähler in den Countys Edmonson, Hart und Barren, in denen der Nationalpark liegt, stimmten für Donald Trump.

Auch in Mammoth Cave würde mancher Ranger die Zeit gerne ein wenig zurückdrehen. Einer von ihnen bedauert während einer der Touren, dass unterirdische Bootsfahrten für Besucher auf dem River Styx aufgegeben wurden. Ebenso die Touren mit einer warmen Mahlzeit im 81 Meter tief gelegenen Snowball Room. Auch einen Pilz, der bei Fledermäusen das tödlich endende Weißnasen-Syndrom auslöst, wären sie in Mammoth Cave nur zu gerne wieder los. Seit 2011 sind der Krankheit etwa 80 Prozent aller Fledermäuse zum Opfer gefallen. Besucher müssen daher nach jedem Betreten der Höhle durch ein Desinfektionsbad laufen. Das soll zumindest ein Weitertragen des Pilzes an andere Orte verhindern.

Wer nur Zeit für eine einzige Höhlenführung hat, sollte sich für die „Historic Tour“ entscheiden - einen zweistündigen, 3,2 Kilometer langen Rundgang, der nahe am Besucherzentrum startet. Durch einen natürlichen Eingang, den die ersten weißen Siedler hier schon in den 1790er Jahren entdeckten, geht es in die Höhle hinein. Anders als bei anderen Touren haben die Teilnehmer zunächst viel Platz: Feste Wege ziehen sich durch hohe, breite Hallen, die an Kathedralen erinnern, bis zum Giant“s Coffin - einem gewaltigen Stein, an dem sich der Pfad sehr verengt. Kurz darauf führt er über den 32 Meter tiefen Schacht Bottomless Pit und endet im fast 100 Meter hohen, gewaltigen Mammoth Dome. Auch hier gilt: nichts für Menschen mit Höhen- und Platzangst.

Rangerin Susan M. Rasche erzählt unterwegs von der Nutzung der Höhle durch die amerikanischen Ureinwohner, die dort vor 5000 Jahren Gips abgebaut haben. Und durch die weißen Siedler, die Salpeter aus der Mammoth Cave holten, das sie als Schießpulver-Bestandteil für den Amerikanisch-Englischen Krieg 1812 brauchten. Bereits von 1816 an habe es Touren durch die Höhle gegeben: der Startschuss für den Tourismus. Eine Zeit lang versuchte man um 1842, Tuberkulose-Kranke in der Höhle zu heilen. Allerdings ohne Erfolg. Und im Jahr 1908 wurde Mammoth Cave unter tatkräftiger Mitwirkung des Deutschen Max Kämper erstmals kartographiert. Nur woher der Name stammt, bleibt ein Rätsel: „Mammutknochen hat man hier keine gefunden“, erzählt Rasche.

Der Nationalpark schützt nur einen besonders markanten Teil von Kentuckys Kalksteinhöhlen, deren System viel größer ist. Wie durchlöchert der Untergrund in diesem Teil der USA ist, zeigt das National Corvette Museum in Bowling Green südwestlich des Parks. Der sogenannte Skydome dieser Pilgerstätte für Sportwagenfans war direkt über einer Höhle errichtet worden - ohne dass dies bekannt war. Am 12. Februar 2014 brach die fragile Höhlendecke ein und sorgte für ein fast 10 Meter tiefes, 14 mal 18 Meter großes Loch im Boden. Es verschluckte acht ausgestellte Corvettes. Eine Überwachungskamera hielt das Geschehen um 5.39 Uhr in den Morgenstunden fest.

Das Museum hat aus diesem Unglück dann sogar Kapital geschlagen: Die meisten der abgestürzten Sportwagen wurden zwar zu Totalschäden. Nach ihrer Bergung und einer Reparatur des Skydome sind die Wracks aber wieder ausgestellt. Eine rote Linie auf dem Fußboden zeigt, wo sich die Höhle auftat, durch dickes Glas lässt sich in sie hineinschauen. Die Besucherzahl ist durch die Sonderschau um 65 Prozent gestiegen.

Mit solch einem Gästeansturm muss Bobby Beams nicht rechnen, wenn der Ranger mal wieder sein Feuerzeug hervorholt und für einen Moment das unterirdische Licht ausknipst. Das Hinabsteigen in der längste Höhle der Welt bleibt dafür eine zu aufwendige Angelegenheit.

Mammoth Cave Nationalpark

Reisezeit: Kentucky hat ein gemäßigtes Klima mit Wintertemperaturen oft um den Gefrierpunkt und einem warmen, häufig schwülen Sommer. Von Juni bis September erreichen die Tageshöchstwerte meist 30 Grad.

Anreise: Direktflüge aus Deutschland gibt es nach Chicago und Atlanta. Von dort sind es 650 beziehungsweise 530 Kilometer bis zum Nationalpark. Die Mietwagenfahrt nach Cave City lässt sich verkürzen durch Umsteigen innerhalb der USA und einen anschließenden Inlandsflug nach Louisville in Kentucky (etwa 140 Kilometer nordöstlich des Parks) oder Nashville im Nachbarstaat Tennessee (150 Kilometer südwestlich).

Einreise: Deutsche Urlauber brauchen kein Visum, müssen sich unter https://esta.cbp.dhs.gov aber eine elektronische Einreiseerlaubnis besorgen (Esta). Sie kostet 14 US-Dollar und gilt zwei Jahre lang.

Übernachtung: Im Nationalpark gibt es das „Mammoth Cave Hotel“ am Besucherzentrum sowie drei Zeltplätze. Viele Besucher übernachten in den Motels und Häusern verschiedener Hotelketten im nahen Cave City.

Tipps für den Höhlenbesuch: Die Temperaturen liegen in der Höhle je nach Jahreszeit bei 0 bis 15 Grad. Besucher sollten auch im Sommer eine leichte Jacke mitnehmen und stabile Schuhe mit festen Sohlen tragen. Höhlentouren werden das ganze Jahr hindurch angeboten. Vor allem an den Wochenenden und im Sommer ist es sinnvoll, Tickets im Voraus zu reservieren (Tel.: +1 270 7582180, www.nps.gov/maca).

Geld: Für einen Euro gibt es etwa 1,06 US-Dollar (Stand: Februar 2017). Das Bezahlen mit Kreditkarten ist weit verbreitet.

Internet: www.kentuckytourism.com, www.mammothcavefun.com.

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