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NWZonline.de Ratgeber Reise

Französisch-Polynesien: Auf Tuchfühlung mit Stachelrochen

01.06.2019

Vaitape Im klaren Wasser des Ozeans tauchen plötzlich dunkle Flossen auf. Schwarzspitzenriffhaie schwimmen um das Ausflugsboot. Rein ins Wasser oder nicht? Kein Problem, versichern die Einheimischen. Jetzt heißt es mutig sein, runter vom Boot – und schnorcheln inmitten von Haien! Nervenkitzel in der Südsee.

Niemand muss in seinem Leben die Lagune von Bora Bora gesehen haben. Aber es braucht auch niemand eine Hermes Birkin Bag oder einen Porsche 911 Carrera. Beides gilt dennoch als begehrlich, ob aus ästhetischen Motiven oder Statusgründen. Oder aus beidem. Französisch-Polynesien ist quasi die Designerhandtasche oder der Luxus-Sportwagen unter den Sehnsuchtsreisezielen. Das französische Überseegebiet im Südpazifik besteht aus mehreren Inselgruppen. Die Gesellschaftsinseln mit Tahiti sind am bekanntesten. Der Name stammt von Seefahrer James Cook, der die Inseln zu Ehren der Geographic Society in London so taufte.

Wer dieser Tage mit einem Kreuzfahrtschiff anreist, ist zwar mit Sicherheit kein bedürftiger Mensch, spart sich aber absurde Hotelkosten an Land von teils mehr als 1000 Euro pro Nacht. Und lernt dennoch, dass die tropische Inselwelt auf der anderen Seite des Globus vielfältiger ist, als die Postkartenmotive vermuten lassen.

Der Name ist eine Verheißung: Bora Bora. Tony Marshall formulierte schon 1978 die Erwartungshaltung und trällerte: „Mein Paradies im Sommerwind, wo alle Menschen glücklich sind.“ 30 Jahre später wurde der Schlagersänger Ehrenbürger von Bora Bora. Das weltberühmte Atoll wird vom 727 Meter hohen Mount Otenanu überragt, ein von Hibiskus überzogener, erloschener Vulkan. Der Korallenring ist von Palmeninseln besetzt, in Polynesien Motus genannt, und umschließt eine türkis schillernde Lagune. Jenseits der Gischtkante strahlt der Ozean kobaltblau. Wie Bora Bora aussieht, so würde ein Kind wahrscheinlich die Südsee malen.

Weil diese archetypische Landschaftsform, die Charles Darwin genau beschrieb, aus der Luft besonders zur Geltung kommt, werden auch Helikopter-Rundflüge angeboten. Faszinierender ist die Natur aber aus der Nähe, zum Beispiel bei einem Ausflug in der Lagune. Beim Anleger in Vaitape besteigen die Landausflügler ein Boot, das von einem Polynesier mit Blumenhemd gesteuert wird, der zwar wenig redet, aber häufig zur Mini-Gitarre greift und heitere Lieder anstimmt. Vielleicht ein alter Freund von Tony Marshall? Der Schnorchel-Halt ist ein besonderes Erlebnis: Stachelrochen schweben inmitten der Touristenbeine durchs klare Wasser, angefüttert von den Bootsführern. Manchmal streift eine Flosse eine Wade. Außerhalb der flachen Lagune, hinter der Riffkante, wird es noch spektakulärer: Der Bootsführer lockt mit Fischabfällen die Schwarzspitzenriffhaie an.

Raiatea, das sich mit der Nachbarinsel Tahaa ein Korallenriff teilt, erinnert weniger an das Klischeebild der Südsee. Das gebirgige Eiland fällt in zerklüfteten Hängen steil zum Ozean hin ab. Bei der Anfahrt mit dem Schiff verhüllen schwere Wolken die Berge, als grollten sie den Besuchern. Auf der Insel liegt eine der bedeutendsten Kultstätten Polynesiens: Marae Taputapuatea, ein Unesco-Welterbe.

Moorea ist wie alle Gesellschaftsinseln ein Vulkaneiland, das durch einen Hotspot unter der Pazifischen Platte entstanden ist: Magma drang dort durch die Erdkruste nach oben. „Es gibt keine giftigen Pflanzen, es ist sehr friedlich“, sagt Hiro Damide, 46, über die Wanderung durch die Wildnis von Moorea. Der Einheimische führt eine kleine Gruppe an Touristen in den Bergwald, der nicht von Dinos, aber von vielen Mücken bewohnt wird.

Bereits vom Aussichtspunkt Belvedere bietet sich ein großartiger Blick über den Norden der Insel mit der Cook’s Bay. Doch sogleich verschwindet die Gruppe im Tropenwald. So geht es vorbei an mächtigen Banyan-Feigenbäumen und meterhohem Bambus, der auf Moorea als Arbeitsmaterial und auch zum Kochen verwendet wird.

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