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NWZonline.de Ratgeber Reise

Österreich: Nachtwandern im Naturpark Dobratsch

28.11.2020

Villach Es ist stockfinster. Mit Bedacht muss jeder Schritt beim Nachtwandern gesetzt werden, hier im Kärntner Naturpark Dobratsch. Bloß nicht stürzen! Neben Urlaubern sind einige Einheimische mit von der Partie. Sie kennen den Dobratsch als ihren Hausberg. Aber nicht in der Nacht.

Der Dobratsch oder Villacher Alpe ist mit einer Höhe von über 2100 Metern ein Ausläufer der Gailtaler Alpen. Eine Panoramastraße und Aussichtspunkte machen den Berg zu einem beliebten Ausflugsziel. Der Naturpark zählt zu den ältesten Naturschutzgebieten Kärntens.

In den 1990er Jahren wedelten Skifahrer die Hänge hinab. Doch weil der Winter immer schneeärmer wurde, wurde das Skigebiet geschlossen. Seitdem gehört der Berg wieder der Natur. Erwünscht ist ausschließlich sanfter Tourismus. Vom ehemaligen Skigebiet sind bewirtschaftete Almhütten geblieben. Das Gipfelhaus ist heute ein modernes, energieautarkes Gebäude mit Gastwirtschaft und 40 Betten.

Auf dem abendlichen Weg dorthin ist von Weitem ein rot-weißer Sendeturm zu sehen. Ein Stückchen weiter thronen zwei Kirchen im Fels, erbaut nach einer Marienerscheinung. Begleitet von der Dämmerung und dem Geläut der Kirchenglocken gewöhnen sich die Augen zwischen Tannen, Eiben und Schwarzkiefern an die Schattierungen der Nacht. Bei der Lichtung angekommen, versammeln sich die Laternen im Kreis. Der schwierigste Teil ist geschafft.

Ein paar Kilometer abseits von Villach scheint das hektische Alltagsgewusel weit entfernt zu sein. Anders als sonst wird bewusst das langsame Zurückweichen des Tageslichts wahrgenommen. Eigentlich keine aufregende Sache, aber mit dem Kerzenlicht in der Hand allein im Wald doch etwas Besonderes. Hier gibt es keine Lichtverschmutzung. Nichts, was nach Aufmerksamkeit buhlt. Ausgenommen die Sterne.

Tierische Begegnungen

Bereits beim Treffpunkt hat Naturpark-Rangerin Ulrike Knely am Himmel den Abendstern und die Venus ausgemacht. „Ein gutes Zeichen. Wir haben fast Neumond. Das wird eine klare und frische Nacht“, sagte sie.

Zum Schutz der Tiere wurden eigene Ruhezonen eingerichtet, die nicht betreten werden dürfen. Fledermäuse lieben die Verstecke im karstigen Gestein; Adler, Falken und Bussarde die Thermik auf der Südseite des Berges. Ab Mitte August ziehen Tausende Greifvögel vorbei. Aber auch im Winter kann das eine oder andere Exemplar bei der Roten Wand vom sieben Meter langen Skywalk aus beobachtet werden. Das Panorama reicht von den Karawanken bis tief hinein ins Gailtal.

Alpin bis mediterran

Völlig unterschiedliche Klimazonen und Landschaftsformen liegen im Naturpark nah beisammen. Während rund um den Skywalk alpine Pflanzen vorherrschen, wird es im Tal richtig mediterran. Schuld daran ist ein Erdbeben, welches 1348 zwei extreme Bergstürze auslöste. Ein Teil der Südwand mit rund 150 Kubikmetern Fels vergrub mehrere Dörfer und formte am Ufer des Flusses Gail einen neuen Lebensraum.

Im Sommer sind an die 1300 Schmetterlingsarten und seltene Pflanzen wie die Illyrische Gladiole in der sogenannten Schütt zu sehen. Sogar Skorpione und Sandvipern sonnen sich auf den Steinen.

Wer tagsüber den Berg erkunden will, folgt am besten dem Rundwanderweg Dobratsch. Zwischen November und Januar scheint am Berg im Schnitt an 45 Tagen die Sonne. Das ist doppelt so viel wie in Villach.

„Der Dobratsch ist ein Berg, der einem Energie und Kraft gibt. Er hat positive Schwingungen zu jeder Jahreszeit“, sagt Knely. Bereits für die Kelten war es ein heiliger Berg. Jahrhundertelang suchten die Menschen in seinen Höhlen Schutz. Regen und Schmelzwasser fließen durchs Gestein bis zum Fuß des Berges, wo es im Villach-Warmbad unter anderem als heiße Thermalquelle wieder an die Oberfläche tritt.

Ein paar Mal im Jahr füllt sich hinter dem Kurpark das aufgestaute Maibachl mit bis zu 500 Liter Thermalwasser pro Minute. Das Wasser hat 29 Grad. Jeder darf darin kostenlos ein Bad nehmen.

Es ist ein meditatives Gehen. Unterwegs wird wenig gesprochen. Nur in den Pausen erzählt die Rangerin über die Natur. Zum Aufwärmen packt sie Tee und Schnaps aus, hergestellt aus regionalen Kräutern.

Die Baumkronen rahmen den Sternenhimmel ein. Jeder ist überrascht, wie gut und leuchtend hier die Sterne zu sehen sind. Es dauert nicht lange, da ist in der Ferne ein altes Gehöft zu sehen. Der Wirt hat extra auf die Nachtwanderer gewartet und ein Feuer angezündet. Die süße Säure des hausgemachten Glühmostes legt sich auf die Lippen. Der Rauch verbrannten Holzes steigt in die Nase.

Entschleunigung in Natur

Auf dem Rückweg sind plötzlich zwischen den Bäumen Lichtblitze zu sehen. Sie kommen immer näher. Dann lautes Gelächter: „Mit den Laternen seht ihr aus wie die sieben Zwerge im Wald“, hallt es aus der Finsternis. Wanderer mit Stirnlampe schreiten zügig hinab ins Tal.

Die Rangerin zuckt gelassen mit der Schulter. „Ich habe schon alles erlebt. Manche galoppieren eben den Berg rauf und runter. Aber Berggehen ist kein Wettbewerb.“ Es geht um etwas anderes beim Nachtwandern im Kerzenlicht: um das Entschleunigen in und mit der Natur. Ganz gemütlich.

Anreise:Per Flugzeug über den Flughafen Klagenfurt oder Wien, im Auto über Salzburg und die Tauernautobahn (mautpflichtig), mit dem Zug oder Fernbus zum Bahnhof Villach.

Nachtwanderung:„Unplugged-Tour“ einmal wöchentlich von Dezember bis Februar ab 18 Uhr, Kosten 20 Euro inklusive Willkommensgetränk, Anreise zum Treffpunkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich, Anmeldung bis zum Vortag Telefon   0043 4242/20 56 019, E-Mail: naturpark.ranger@villach.at

Informationen:Tourismusinformation Villach Stadt, Bahnhofstraße 3, Villach, Telefon   0043 4242/20 52 900, E-Mail: tourismusinformation.stadt@villach.at

Anreise:Per Flugzeug über den Flughafen Klagenfurt oder Wien, im Auto über Salzburg und die Tauernautobahn (mautpflichtig), mit dem Zug oder Fernbus zum Bahnhof Villach.

Nachtwanderung:„Unplugged-Tour“ einmal wöchentlich von Dezember bis Februar ab 18 Uhr, Kosten 20 Euro inklusive Willkommensgetränk, Anreise zum Treffpunkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln möglich, Anmeldung bis zum Vortag Telefon   0043 4242/20 56 019, E-Mail: naturpark.ranger@villach.at

Informationen:Tourismusinformation Villach Stadt, Bahnhofstraße 3, Villach, Telefon   0043 4242/20 52 900, E-Mail: tourismusinformation.stadt@villach.at

Der Dobratsch ist ein Berg, der einem Energie und Kraft gibt.“

Ulrike Knely

Naturpark-Rangerin


     www.naturparkdobratsch.at 
     www.visitvillach.at 
     www.naturparkdobratsch.at 
     www.visitvillach.at 

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