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NWZonline.de Ratgeber Reise

Sieben typische Ziele für Dark-Touristen

20.12.2018

Paris (dpa/tmn) - Im Urlaub geht es um die schönen Dinge des Lebens - und manchmal um den Tod. Zwar zieht es viele Reisende an malerische Strände, in grandiose Landschaften und zu epochalen Bauwerken. Doch manche Sehenswürdigkeiten haben eine düstere, oft auch grausame Vergangenheit.

Sie sind Anziehungspunkte für Touristen und Mahnmale zugleich. Und manche locken mit dem Hauch von Gefahr. Das Besichtigen solcher Orte wird Dark Tourism genannt - dunkler Tourismus. Eine Auswahl bekannter Anziehungspunkte:

Unter Toten: die Katakomben von Paris

Schädel, Schlüsselbeine, Rippenknochen: Die Pariser Katakomben sind vielleicht nichts für sensible Gemüter. Die Besucher bewegen sich unter Frankreichs Hauptstadt zwischen den Gebeinen Verstorbener. Einst waren die Katakomben Steinbrüche, ein Labyrinth aus Gängen, insgesamt etwa 300 Kilometer. Ein Teil dient als Beinhaus: Vom Ende des 18. bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Millionen Knochen von Friedhöfen dorthin umgelagert. Einblicke bietet ein eineinhalb Kilometer langer Rundgang.

Adresse: Katakomben von Paris, 1 Avenue du Colonel Henri Rol-Tanguy, 75014 Paris, Frankreich.

Mahnmal für 9/11: Ground Zero in Manhattan

Es ist ein Schicksalstag der US-amerikanischen Geschichte: Am 11. September 2011 steuern islamistische Terroristen zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York. Die Wolkenkratzer stürzen ein, 2749 Menschen sterben. Heute besichtigen Touristen die Gedenkstätte Ground Zero an der Südspitze Manhattans. Herzstück ist das 9/11 Memorial, zwei gewaltige Wasserbecken an der Stelle der zerstörten Türme. Zum Mahnmal gehört ein Museum. Unter der Erde sehen Besucher darin zum Beispiel die Überreste gewaltiger, verbogener Stahlträger. Das One World Trade Center, das höchste Gebäude New York Citys, liegt neben der Gedenkstätte.

Adresse: 9/11 Memorial & Museum, 180 Greenwich Street, New York, NY 10007.

Erinnerung an den Holocaust: das Vernichtungslager Auschwitz

Es ist ein Ort, der kaum zu fassen ist: Das NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Nach Schätzungen ermordeten die Nationalsozialisten in dem Lager im damals von Deutschland besetzten Polen mehr als eine Million Menschen, die meisten von ihnen Juden. Doch auch etwa 70.000 Polen, 21.000 Sinti und Roma sowie 15.000 sowjetische Kriegsgefangene wurden hier umgebracht. Den Blick in die ehemaligen Gaskammern, Symbol für den industriell betriebenen Völkermord der Nazis, vergisst wohl kein Besucher.

Adresse: Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau, Wiezniow Oswiecimia 20, 32-603 Oswiecim, Polen.

Genozid der Roten Khmer: die Killing Fields in Kambodscha

Wer lesen und schreiben konnte, eine Brille trug oder auch nur zarte Hände hatte, musste sterben - Bildung war verpönt. Pol Pot und seine Roten Khmer errichteten in Kambodscha zwischen 1975 und 1979 ein Terrorregime. Ihre Vision: ein Bauernstaat. Durch Erschießungen, Folter und Hungersnot starben Schätzungen zufolge 1,7 Millionen Menschen. Ein Massenmord am eigenen Volk. Die Killing Fields etwas außerhalb der Hauptstadt Phnom Penh sind ein Symbol des Genozids - und heute eine vielbesuchte Gedenkstätte, die Touristen anzieht.

Ein Besuch des Choeung Ek Genocidal Centers führt an die Grenzen des Erträglichen. Auf einem Rundgang mit Audio-Guide erfahren Gäste, wie die Opfer nachts zur Exekution auf die Felder getrieben wurden. Um Kugeln zu sparen, erschlugen die Soldaten viele Menschen mit Spaten. Plötzlich steht man vor dem "Killing Tree", an dem Babys zerschmettert wurden, und weiß nicht, wohin mit den Tränen. In einer Stupa sind rund 5000 Schädel aufeinander gestapelt.

Adresse: Tuol Sleng Genocide Museum, St. 113, Beoung Keng Kang III, Chamkarmorn, Phnom Penh, Kambodscha. Von dort am besten per Tuk Tuk zum Choeung Ek Genodcial Center.

Atomkraft außer Kontrolle: Tschernobyl in der Ukraine

Ein weiterer Ort mit düsterer Geschichte liegt in der heutigen Ukraine: Tschernobyl. Am frühen Morgen des 26. April 1986 kommt es in dem sowjetischen Atomkraftwerk zu einer Explosion, der Reaktorkern schmilzt. Tschernobyl wird zum Symbol für das Risiko der Atomkraft - und zieht heute ebenfalls abenteuerlustige Touristen an. Eine Stahlhülle schirmt die Überreste des Reaktors ab. Der darunter liegende Betonsarkophag ist brüchig. Für den Besuch der Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk benötigen Reisende eine Erlaubnis. Touranbieter haben geführte Besichtigungen im Programm. In der Geisterstadt Prypjat gibt es Hotels und seit 2017 ein Hostel.

Geteiltes Land: Die DMZ zwischen Nord- und Südkorea

Die Demilitarisierte Zone (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea sieht aus wie ein Naherholungsgebiet. Unberührte Natur, Vogelgezwitscher. Das Sperrgebiet entstand in Folge des Koreakrieges 1953, als Puffer zwischen den verfeindeten Bruderstaaten. Auf geführten Touren können Urlauber die DMZ unter Aufsicht der UN-Waffenstillstandskommission von Südkorea aus besichtigen. Auf der Demarkationslinie in Panmunjeom stehen blaue UN-Baracken, in denen Politiker der zwei Staaten schon oft diplomatische Gespräche geführt haben.

Aktuell sind Süd- und Nordkorea bemüht, ihre Beziehungen zu verbessern. Mehrere Militärposten in der DMZ auf beiden Seiten der Grenze wurden geräumt. Teil der Tour von Süden aus ist ein Besuch im Odusan Observatorium. Hier erfahren Besucher etwas über die Bemühungen um die Wiedervereinigung. Vorbild: Deutschland.

Stadt des Kartells: Escobar-Tourismus in Medillin

Pablo Escobar ist bis heute der wohl bekannteste Drogenhändler der Welt. Medellin hat er damit eine zweifelhafte Bekanntheit beschert. In der kolumbianischen Metropole baute "El Patrón" in den 1980er Jahren das berüchtigte Medellin-Kartell auf, das tonnenweise Kokain in die USA brachte. Auf Führungen können Besucher der Stadt heute Schauplätze besuchen, an denen der Drogenboss seine Taten verübte. Escobar war damals einer der reichsten Männer der Welt. Sein bescheidenes Grab liegt etwas außerhalb der Stadt. Auch das Penthouse, auf dessen Dach der Gangster erschossen wurde, zieht Reisende an.

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