Lissabon - Der Duft gerillter Sardinen macht sich im Juni im Lissabonner Altstadtviertel Alfama breit. Was dem Deutschen die Bratwurst ist, das ist dem Portugiesen seine Sardine. Zu ihr pflegt er ein inniges Verhältnis. Zu Ehren des in diesem Viertel geborenen Heiligen António von Padua (um 1195–1231) feiern die Einwohner der Stadt einen Monat lang ein Volksfest der besonderen Art. Die Sardine steht im Mittelpunkt.

„Unsere Sardinen sind die besten der Welt“, sagt José Borralho, Präsident des Dachverbands für kulinarischen Tourismus. Diese leckeren Sardinen werden auch gebührend in Szene gesetzt. In Alfama dudelt hinter jedem Fenster Musik, Girlanden verzieren die Balkone. Höhepunkt ist die Nacht zum 13. Juni. Dann werden in fast in jeder Gasse Grills aufgestellt, und los geht der Wettbewerb um die beste Sardine. Alljährlich kämpfen Lissabons Viertel um den Ruhm, die leckersten Salzwasserfische zuzubereiten.

Doch nicht nur die Sardine ist ein kulinarisches Abenteuer in Portugals Hauptstadt. Der wohl berühmteste Koch des Landes, José Avillez, ergatterte gleich zwei Guide-Michelin-Sterne. Sein Lokal liegt im Herzen von Chiado, dem ältesten und mittlerweile auch mondänsten Viertel Lissabons. Es trägt den passenden Namen „Belcanto“, denn es liegt schräg gegenüber dem Opernhaus São Carlos.

Im „Belcanto“ trifft sich alles, was in Lissabon Rang und Namen hat, die Tische sind auf Wochen ausgebucht. „Wie unsere Vorfahren stechen wir ständig in See, aber wir suchen keine neuen Länder, sondern neue Geschmacksrichtungen“, erzählt Avillez.

Aber die portugiesische Landesküche lernt man nicht nur in teuren Sternerestaurants kennen – im Gegenteil. Die einfachen Fischrestaurants entlang des Hafens sind das kulinarische Herz der Stadt. Dort werden Sardinenpaste und Käse als Vorspeise serviert.

Filipa Paquita Valente hat ihre Begeisterung für die Küche ihrer Heimat zu ihrem Beruf gemacht. Sie veranstaltet zwei- bis dreistündige Tapa-Touren durch Lissabon. Ihr Rundgang mit sieben kulinarischen Stopps beginnt in der Regel in der traditionsreichen „Manteigaria Silva“, einem der schönsten Delikatessenläden der Stadt direkt hinter dem zentralen Platz Rossio.

Dann heißt es hochsteigen in die Mouraria, das ehemalige Maurenviertel der Stadt, das an die Alfama angrenzt. Dort herrscht das Ambiente eines kleinen Dorfs, die Passanten grüßen noch. Gute Laune macht ein Besuch der Tasca „Os Amigos Da Severa“, benannt nach der ersten Fadosängerin der Stadt Maria Severa, die 1820 in dieser Straße geboren wurde. Fado, das ist wehmütiger Gesang – doch wehmütig geht es in der „Tasca“ nicht zu.

„Beim Fado trinkt man am besten einen Ginjinha dazu“, sagt Senhor Antonio, Besitzer der „Tasca“, und schenkt jedem ein Glas von Lissabons typischem, süßem Kirschlikör ein. „Am Abend“, sagt Antonio, „müsst ihr zurückkommen, da grillen wir Sardinen“. Filipa braucht er nicht zu überzeugen: „Ich komme bestimmt, in diesem Viertel schmecken sie am besten.“