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NWZonline.de Ratgeber Reise

Wo der Mensch die Natur reguliert

25.05.2013

Renmark Das Wasser steht den beiden Männern nicht bis zur Hüfte, wie es bei der Überschwemmung 2011 der Fall gewesen wäre. Es reicht Christophe Tourenq und Peter Waanders auch nicht bis zu den Knien, wie 1996. Ganz zu schweigen vom Rekordpegel 1956, den der Flutmarker hoch über ihren Köpfen anzeigt. Nein, das Wasser ist komplett verschwunden – aufgehalten von einem Regulator.

Das Bauwerk sorgt alle zwei Jahre dafür, dass der Murray River einige Monate lang die Feuchtwiesen des Weinguts Banrock Station in der südaustralischen Riverland-Region nicht erreicht. Es macht damit wieder möglich, was jahrzehntelang nicht ging: Zeiten von Trockenheit und Überflutung wechseln sich ab – für viele Tiere und Pflanzen ist das überlebenswichtig.

Kahle Baumstämme

Vor exakt 100 Jahren begannen die Bauarbeiten an einem System von Schleusen und Dämmen, die den Murray stark veränderten. Von 1913 bis 1937 entstanden allein in Südaustralien zwischen Blanchetown und der Grenze zum Nachbarstaat Victoria sechs Stauwehren, um den Fluss besser schiffbar zu machen. Ein Nebeneffekt war, dass der Murray etwa zwei Drittel der Senken an seinen Ufern dauerhaft überflutete. Zum Beispiel die an der Banrock Station, wo viele Ufer-Eukalyptusbäume – die „River Red Gums“ – mit der Zeit abstarben, weil ihre Wurzeln regelrecht ertranken. Nur die kahlen, bleichen Stämme blieben stehen.

Doch 1992 kam der Regulator, und seit 2007 lässt das Weingut alle zwei Jahre seine „Wetlands“ entlang des Flusses vollständig trocken fallen. „Dadurch wird verhindert, dass Tag für Tag etwa zehn Millionen Liter Wasser einfach so verdunsten“, erklärt Christophe Tourenq. Als „Wetland-Manager“ von Banrock betreut der Schweizer ein Projekt, das im Riverland Vorbildcharakter besitzt.

Denn weiter flussaufwärts, nordöstlich des regionalen Zentrums Renmark, lässt die Regierung auf dem Gebiet der alten Schaffarm Chowilla für umgerechnet 48 Millionen Euro ein ganzes System von Regulatoren bauen. Das Ziel ist es, in einem von Kanälen und Seen durchzogenen Gebiet, das bis in den Nachbarstaat New South Wales reicht, den Wasserstand variabel zu halten. Im Jahr 2014 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Wir simulieren dort die Natur“, erklärt Teresa ter Bogt vom McCormick-Umweltzentrum in Renmark das Konzept.

Im McCormick-Zentrum erfahren die Besucher unter anderem, dass der Wasserspiegel bei anhaltender Trockenheit – wie von 2006 bis 2009 – trotz der Stauwehren rapide abfallen kann. Ein Grund dafür seien auch die großen Mengen, die täglich für die Landwirtschaft aus dem Fluss entnommen werden.

Deutsches Erbe

Ein Besuch im Riverland lässt sich gut über drei oder vier Tage strecken, zu sehen gibt es genug. Kanutouren werden angeboten, und im Murray River Nationalpark südlich von Berri gibt es mehrere Wanderwege am Wasser. Der Ort Loxton, wo der Murray eine Schleife zieht, besitzt wegen vieler Einwanderer im 19. Jahrhundert ein deutsches Erbe – gut ablesbar ist das am Ehrenmal mit den Soldatennamen aus zwei Weltkriegen, von Albrecht bis Ziersch.

Eine Möglichkeit, den Murray vom Wasser aus zu erleben, ist eine Tour mit dem Boot von Loch Luna Cruises. Vom kleinen Ort Kingston-on-Murray aus geht es 14 Kilometer lang rund um die Insel Snake Island. Vor dem Bau der nahe gelegenen Schleuse Nummer drei lag der Wasserspiegel dort drei Meter tiefer. „Damals wurde aus einem Überflutungsgebiet ein überflutetes Gebiet“, sagt Kapitän Carl Doubikin, während er langsam an einigen Eukalyptusbäumen vorbeizieht.

Nur ein paar 100 Meter entfernt setzen Christophe Tourenq und Peter Waanders ihre Tour fort auf den Wegen, die während der Trockenphase durch das Überschwemmungsgebiet führen. „Im August werden wir wieder fluten“, sagt Tourenq. Dann werden auch die Eukalyptusbäume wieder Wasser um die Wurzeln haben.

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