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NWZonline.de Ratgeber Reise

Deutschland: Wandern von Welterbe zu Welterbe

24.04.2021

Zierenberg Nein, einen Habicht haben wir nicht gesehen, auch wenn wir ihn mit unserem kindlichen Gemüt im Habichtswald eigentlich erwartet hätten. „Der Habicht ist ein sehr scheuer Vogel“, sagt Claudia Thöne, „den sieht man eher an Waldrändern“. Dort wartet der „Überraschungsjäger“ auf schnelle Beute. „Und dann fehlt manchmal ein Huhn.“

Immerhin, Thöne hat ihn schon gesehen, auch wenn sie von Amts wegen eher nach anderen Dingen Ausschau hält, zum Beispiel nach fehlenden Markierungen auf dem Habichtswaldsteig. Die 58-Jährige ist in der Touristischen Arbeitsgemeinschaft Habichtswald verantwortlich für den Wanderweg. Dank ihrer guten Ausschilderung – es sind allein über 600 Pfosten – sind wir nicht ein Mal vom Weg abgekommen. Ein Weg, der insgesamt 85 Kilometer lang ist und von Zierenberg bei Kassel über Naumburg nach Waldeck am Edersee führt.

Hessisches Fachwerk

Damit sind auch gleich die drei einzigen Orte genannt, die man auf dieser Strecke wirklich durchquert und nicht nur streift, in denen man also in Ruhe Besonderheiten des hessischen Fachwerks studieren kann. Der Rest des Weges ist in aller Regel naturnah und abwechslungsreich, also so, wie ein guter Wanderweg sein muss, folgt man Rainer Brämer, einem Natursoziologen, der meist mit dem Ehrentitel „Wanderpapst“ vorgestellt wird.

Wie abwechslungsreich, das machen drei Beispiele deutlich. So treffen wir rund um den Dörnberg auf eine Wacholderheide, die zu den größten in Europa zählt, aber auch auf karge Magerrasenhänge, bizarre Basaltformationen und weite Huteflächen. Ein komplett anderer Landschaftstypus dann nur gut zehn Kilometer weiter südlich im Firnsbachstal: Hier durchwandern wir eine kleine Schlucht, die sich der Bach durch eine teils moosgrüne Basaltlandschaft gegraben hat. Weiter westlich, zwischen Naumburg und Waldeck, do-miniert schließlich der Wald, bis hin zu den alten Buchenwälder im Nationalpark Kellerwald-Edersee, einem Weltnaturerbe.

Schön und gut, könnte man jetzt sagen, aber am wichtigsten sind doch die Menschen. Mit mehreren haben wir uns verabredet. Mit Frank Schmidt zum Beispiel, er begegnet uns schon kurz nach dem Start in Zierenberg, begleitet von 180 Ziegen. Die Tiere sind wie geschaffen für die steilen Hänge im Norden des Dörnberggebiets und helfen, die charakteristische Landschaft zu erhalten. Auf ihrem Speiseplan stehen Schlehen und Wildrosen, aber auch Wacholder, gerade auch die jungen Triebe. „Die ätherischen Öle und Gerbstoffe tun den Ziegen gut“, sagt Schmidt. Die Ziegen wiederum tun der Wacholderheide gut, denn sie muss bewirtschaftet werden, sonst wächst sie zu mit Büschen wie dem Hartriegel.

Schmidt zieht mit seinen Tieren von Tal zu Tal, „das wird dann leergefressen“, zwei Wochen hier, zwei Wochen da, immer von März bis Dezember. Seit 1988 geht das so. Schmidt entschied sich früh für Burenziegen aus Südafrika, robuste, wetterfeste Tiere, bestens geeignet für die Landschaftspflege. Eine Landschaft, die vor allem im Frühsommer ihre Reize hat: Zum Gelb der Schlüsselblume gesellt sich dann das Purpurrot des Stattlichen Knabenkrauts und, ganz selten, das Blau des Lothringer Lein.

Verabredet haben wir uns auch mit Dr. Wolfgang Schmelzer, allein schon, um zu verstehen, was wir sehen. Denn der Bergpark Wilhelmshöhe, Welterbe seit 2013, ist voller nachgestellter Naturphänomene und mythologischer Andeutungen, inklusive Höllenfeuer. Wir treffen den Gästeführer beim Herkules, einer Statue, die seit 1717 oberhalb des Bergparks über Kassel wacht, Sinnbild für das ewig siegreiche Hessen, eine weithin sichtbare Machtdemonstration.

Größte Kaskadenanlage

Ihm zu Füßen liegt eine 246 Hektar große Parkanlage, durchzogen von einem 42 Kilometer langen Wegenetz, „man könnte einen Marathonlauf machen“, wäre da nicht eine Höhendifferenz von gut 300 Metern. Doch gerade dank dieser Höhenmeter überwindet das Wasser bei den historischen Wasserspielen die vielen Stationen, keine einzige Pumpe muss nachhelfen. Zweimal in der Woche können Besucher dem Lauf des Wasser folgen, wenn Corona es denn zulässt. Es überwindet unter anderem die „größte barocke Kaskadenanlage der Welt“, mit einer „Partyebene“, auf der Landgraf Carl einst mit seinen Gäste die Spiele verfolgte, umgeben vom einfachen Volk.

Am Ortsausgang von Naumburg treffen wir wieder auf Claudia Thöne. Der Habichtswaldsteig führt hier mitten durch eine Streuobstwiese, etwa 80 Apfelsorten, lauter Hochstämme, die früher verstreut in der hessischen Landschaft standen. Die Wiese liegt direkt an der Elbe – das Flüsschen heißt tatsächlich wie seine große Schwester.

Hummeln im Hintern

Thöne ist nicht nur verantwortlich für den Habichtswaldsteig, sondern auch für die Hessischen Pomologentage, zu denen sich in Naumburg regelmäßig Experten und Laien treffen. Und als wäre das nicht genug, kümmert sich Thöne auch noch um die Hummelwerkstatt direkt neben der Streuobstwiese. „Die Hummel ist die Biene im Pelz, die Bestäuberin bei kühler Witterung.“ Sie beginnt mit ihrer segensreichen Arbeit bereits bei einer Temperatur von zwei Grad plus, die Biene folgt erst später.

So ergänzen sich die verschiedenen Insekten. „Unser Beerenobst ist hauptsächlich von der Hummel bestäubt.“ Und weil die fleißigen Tiere den ganzen Tag in Bewegung sind, ständig auf der Suche nach Nektar, spricht man bei ruhelosen Zeitgenossen auch von Hummeln im Hintern.


     www.habichtswaldsteig.de 
     www.naturpark-habichtswald.de 

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