DELMENHORST - Eltern reagieren „pampig“ auf Hinweise. Oft blockieren sie Straßen vor Kindergärten.
Von Mechthild Voigt
DELMENHORST - „So ein saumäßiges Ergebnis habe ich noch nie erlebt!“ Jens Strodthoff, als Moderator beim ADAC zum Thema „Sicher im Auto“ in ganz Norddeutschland unterwegs, ist die Empörung auch Tage nach einer Kontrollaktion vor dem Kindergarten am Strickgraser Damm noch deutlich anzumerken. „Seit 15 Jahren untersuche ich vor Kindergärten die Sicherheitsvorkehrungen in den Eltern-Fahrzeugen, solch ein zur Schau gestelltes Desinteresse war bisher einmalig.“60 Fahrzeuge habe er unter die Lupe genommen und rund 70 Prozent davon beanstanden müssen. „Manche hatten gar keinen Kindersitz dabei“, so Strodthoff. Und viele Mütter und Väter hätten auf mahnende Hinweise „richtig pampig“ reagiert.
„Die Leute haben oft kein Unrechtsbewusstsein mehr“, hat auch der Kontaktbereichsbeamte Norbert Zitterich festgestellt. „Wir als Polizei sorgen dafür, dass vor den Kindergärten die Straße frei bleibt und wer stellt sich dort mit seinem Wagen hin? Die Mütter und Väter beim Abliefern der Kinder!“
Was die Kindersicherung angeht, hat Zitterich allerdings auch noch nie so schlechte Erfahrungen gemacht wie Strodthoff. Im Gegenteil: Bei einer Kontrolle vor wenigen Tagen vor dem Kindergarten am Brauereiweg habe lediglich eine Oma ihr Enkelkind nicht ganz vorschriftsmäßig transportiert. Überprüft worden seien 50 Fahrzeuge. Über die Ursache für das in seinen Augen „katastrophale Ergebnis“ am Stickgraser Damm grübelt Stodthoff noch nach. Die Kindergartenleitung leiste dort vorbildliche Arbeit. An den mangelnden Finanzen werde es auch nicht liegen, schließlich gehöre das Einzugsgebiet nicht zu den ärmsten Stadtteilen.
Häufigere Kontrollen sollen auch uneinsichtige Eltern dazu bewegen, Kindersitze vorschriftsmäßig zu benutzen. Zitterich: „Es geht oft nur über den Geldbeutel.“ Die Polizei kann ein Verwarngeld von 30 Euro kassieren, ohne Kindersitz kostet es sogar 40 Euro.
