DELMENHORST - Bäckermeister Wendt musste schon drei Leute entlassen. Ihm wäre schon mit einer Verbots-Lockerung geholfen.

Von Mechthild Voigt

„Die Leute sind bequem, so ist es nun mal“. Cornelia Lux, seit acht Jahren Verkäuferin bei der Bäckerei Wendt an der Dwostraße, hat in gewisser Weise Verständnis dafür. Noch halb verschlafen, mit Jogging-Anzug und Puschen stehen die ersten Kunden schon um sechs Uhr vor ihr am Tresen. Und nur wenige von ihnen sind zu der Zeit als Fußgänger oder Radfahrer unterwegs.

Die meisten kommen mit dem Auto. Und damit wollen sie möglichst direkt vor der Ladentür halten, kurz aussteigen und mit duftenden Brötchen an den heimischen Frühstückstisch zurückkehren. Bis vor zwei Jahren kein Problem. Doch damals stellte die Stadt direkt vor dem Laden Halteverbotsschilder auf. Und seitdem ist der Umsatz in dem Bäckerladen merklich zurückgegangen.

„Kurz darauf musste ich bereits einen Bäckermeister entlassen“, klagt Geschäftsinhaber Claus-Dieter Wendt. Monate später trennte er sich auch von einem Gesellen und einer Teilzeitkraft. „Und wenn es so weiter geht, stehhen noch mehr Arbeitsplätze auf dem Spiel“, kündigt Wendt an. „Ich muss jeden Monat zuschustern, das geht nicht mehr lange gut“.

Sein Hauptgeschäft am Ströhenweg hat lediglich halbtags geöffnet, ist auf die Stammkundschaft aus der Nachbarschaft angewiesen und kann die durch das Halteverbot entstandenen Rückgänge an der Dwostraße nicht wettmachen.

Selbstkritisch hat Bäckermeister Wendt hinterfragt, ob seine Brötchen, Brot oder Kuchen den Kunden nicht mehr so gut schmecken oder das Personal es an Freundlichkeit oder fachlicher Beratung fehlen lässt. Er startete eine Käuferbefragung. „Alles nur gute Noten“, fasst er das Ergebnis zusammen.

Aber immer wieder der Hinweis auf das Halteverbot vorm Haus. Und die Frage, warum vor Läden an anderenStraßen im Stadtgebiet mit fast genau der gleichen Problematik weiterhin geparkt werden darf.

Im Rathaus werden Sicherheitsgründe für das Halteverbot an der Dwo-/Ecke Lessingstraße angeführt. Die Straße sei sonst zum Überqueren nur schlecht einsehbar, vor allem für die Kindergarten- und Schulkinder, so Stadtsprecherin Sina Stumpe. Die Verkehrssicherungskommission habe sich auch schon mit der Situation befasst und sich für das Beibehalten des Halteverbots ausgesprochen.

Dennoch gibt Claus-Dieter Wendt die Hoffnung nicht auf. Und wenn es nur eine Lockerung gibt und das absolute Halteverbot für die außerschulischen Zeiten aufgehoben wird.