DELMENHORST - Die Familie auf der Schwarz-Weiß-Fotografie blickt ernst in die Kamera. Ein Großelternpaar, der Vater, zwei Töchter. „Die Mutter scheint zu fehlen“, erklärte Kunstwissenschaftlerin Bärbel Schönbohm. Aber nicht wenige Mütter seien damals bei der Geburt ihrer Kinder gestorben. Das Bild von 1912 ist eines von 100 in der aktuellen August-Sander-Ausstellung der Städtischen Galerie. Und es zeigt eine Familie, die für die damalige Zeit nicht untypisch war. Daran anknüpfend, ruft die Galerie jetzt alle Hobby-Fotografen zu einer Foto-Aktion auf: „Familie heute“.

„Was verstehen wir heute unter Familie? Die Patchwork-Familie, das kinderlose Paar oder die Alleinerziehende?“ erläuterte Schönbohm, freie Mitarbeiterin der Galerie, bei einer Info-Veranstaltung am Mittwochabend das Konzept. „Sander hat viele Familien porträtiert. Es ist spannend zu sehen, wie sich der Begriff verwandelt hat.“

August Sander (1876-1964) hatte über Jahrzehnte hinweg Menschen unterschiedlicher Stände und Klassen fotografiert und damit ein Gesamtbild der Gesellschaft geschaffen. 619 Fotografien umfasst sein Porträtwerk „Menschen des 20. Jahrhunderts“. Teile daraus sind noch bis zum 30. Mai in der Galerie zu sehen.

Sander habe die Menschen über Jahre und Stände hinweg vergleichbar machen wollen, so Schönbohm. Und diesen Gedanken greife die Galerie mit ihrem Projekt auf. Bis Freitag, 7. Mai, können alle Bürger aus Delmenhorst und umzu bis zu zwei repräsentative Familienporträts bei der Städtischen Galerie, Fischstraße 30, abgeben oder dort einsenden (Name, Anschrift und Alter nicht vergessen). „Es muss nicht die eigene Familie sein“, betonte Schönbohm. Die Bilder sollten nicht größer als 20 mal 30 Zentimetern sein. Ansonsten gibt es keine Einschränkungen. Ob analog oder digital, in Farbe oder schwarz-weiß: Manier und Technik sind egal. Die schönsten Arbeiten werden im Rahmen einer zweiwöchigen Ausstellung mit dem Titel „Familie heute“ in der Galerie präsentiert. Eröffnet wird sie am Internationalen Museumstag, Sonntag, 16. Mai. Mehr Infos bei Bärbel Schönbohm, Telefon  04222/400 05 00.