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NWZonline.de Ratgeber Familie Rund ums Kind

Großeltern können Lebensbegleiter sein

24.05.2019

Berlin (dpa/tmn) - Mutter Natur hat das schon gut eingerichtet. Wenn Menschen in der mittleren zweiten Lebenshälfte das Arbeitsleben hinter sich lassen, wartet auf viele ein neuer Lebensinhalt: die Enkel.

Nach Daten aus der Langzeitstudie "Deutscher Alterssurvey" betreut etwa jeder Vierte im Alter ab 65 Jahren mindestens ein Enkelkind. Wer das tut, kann sich glücklich schätzen. "Es ist ein Gewinn an Lebensqualität, es ist eine sinnerfüllende Tätigkeit", erklärt der Familientherapeut Hans Berwanger.

Im Idealfall sind Oma und Opa dabei nicht nur Spielkamerad in den ersten Jahren, sondern langfristige Bezugsperson. Denn laut UN-Weltbevölkerungsbericht bekommen Eltern ihr erstes Kind zwar immer später, so werden sie auch später Großmutter und -vater. Gleichzeitig leben sie aber auch länger und sind im Alter deutlich fitter als vorherige Generationen.

Sich von den Jungen inspirieren lassen

Und die Zeit mit den Jungen hilft den Alten, sich diese Fitness lange zu bewahren. "Großeltern profitieren unheimlich von der Frische und Begeisterungsfähigkeit der Kinder", sagt Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altershilfe. "Sie werden gebraucht, sie erleben Freude, und sie profitieren von dem, was die jüngeren Menschen so haben: eine andere Sicht der Welt, Freude am Augenblick."

Doch Großeltern und Enkel profitieren nicht nur in den ersten Jahren voneinander. Schulkinder etwa können ihren Großeltern einen direkten Zugang zum Wissen des 21. Jahrhunderts verschaffen. "Wir hören ganz oft, dass Enkel ganz begeistert ihren Großeltern das Smartphone erklären. Und die lassen es sich auch lieber von den Enkeln erklären als von ihren Kindern", sagt Sowinski. Die Enkel selbst fühlen sich durch das Interesse der Großeltern ernstgenommen und kompetent.

Von den Großeltern ernstgenommen werden

Das Gefühl, ernstgenommen zu werden, ist ein zentrales Motiv der Bindung von den Enkeln zu ihren Großeltern. Auch die manchmal belächelte Angewohnheit von Oma und Opa, ihnen mehr oder weniger heimlich Geld zuzustecken, spielt da eine Rolle. "Das zeigt: Ich gebe dir Geld, damit du selber entscheidest, was du dir davon kaufst", erklärt Sowinski.

"Wir raten dazu, dass es auch eine eigene Großelternwelt gibt. Also dass wenn die Enkel kommen, nicht immer die Regeln der Eltern gelten müssen", sagt die Expertin. So haben Enkel einen Zufluchtsort, der später noch wichtig sein kann - in den schwierigen Jahren der Pubertät. Mama und Papa sind dann irgendwann nur noch nervig und peinlich, doch auf die Beziehung zu Oma und Opa hat der jugendliche Hormonwahn oft kaum Einfluss.

Großelterliche Gelassenheit

Großeltern üben meist auch einen geringeren Leistungsdruck auf die Kinder aus als Eltern. Die Erfahrung, schon die eigenen Kinder durch die Pubertät begleitet zu haben, gibt ihnen eine Art großelterliche Gelassenheit: "Bei Oma und Opa lässt man die Seele baumeln und sich einen heißen Kakao machen bei Liebeskummer", sagt Berwanger.

Neben dem Liebeskummer sieht Sowinski noch einen weiteren Grund für die Allianz der Halbstarken mit den Alten: "Im Alter werden viele Menschen anarchistischer und schräger, sind nicht mehr so angepasst und scheren sich nicht mehr so sehr um die Meinung von anderen." Es soll den einen oder anderen Jugendlichen geben, der sich damit identifizieren kann.

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