WILHELMSHAVEN - „Wer bei Bildungs-Etats und Investitionen in frühe Hilfen für Familien und Kinder geizt, wird später draufzahlen.“ Das betonte am Mittwoch in Wilhelmshaven Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds. „Wir müssen uns heute um die Kinder kümmern, die schon da sind und nicht um jene Gedanken machen, die noch geboren werden sollen.“
Hilgers war Gastredner der Fachtagung im Gorch-Fock-Haus zum Thema „Frühe Hilfen – Bundeskinderschutzgesetz. Wieso, weshalb, warum?“. Das neue Bundeskinderschutzgesetz soll den aktiven Schutz von Kindern und Jugendlichen weiter stärken. Daran wolle man auch in Wilhelmshaven kontinuierlich weiterarbeiten, sagte Jugendamtsleiter Carsten Feist.
Für Heinz Hilgers gibt es keine Alternativen zu „Frühen Hilfen“. Investitionen in frühkindliche Bildungsmaßnahmen führten zu hohen Erfolgsquoten, das belegten Studien. In diesem Zusammenhang kritisierte er die von der Bundesregierung geplante Einführung des Betreuungsgeldes. Dieses sollen Eltern erhalten, die für ihre Kinder keine Kita in Anspruch nehmen.
Ein weiterer Kritikpunkt: Etliche Millionen würden durch den „Schornstein der Bürokratie verraucht“, wie sich vor allem beim Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder aus sozialschwachen Familien zeige.
Man dürfe keine Familie und kein Kind aufgeben und müsse auch eine vierte und fünfte Chance einräumen. Zudem sei wichtig, Familien mit Wertschätzung zu begegnen. Zusammenarbeit statt Bevormundung sei das Motto. Stärken erkennen und fördern, nicht nur auf den Schwächen herumhacken. Hilgers: „Mit Druck kommen wir nicht weiter.“
Das Jugendamt sieht er als Dienstleister. Eine große Rolle spielen Hausbesuche, die das Jugendamt Dormagen seit 2006 allen Eltern nach der Geburt eines Kindes anbietet. In Wilhelmshaven werden solche Besuche seit Anfang des Jahres angeboten. Mit Generalverdacht habe das keineswegs zu tun, betonte Hilgers: „Wir sind kein Kontrolleur, sondern Gast und Dienstleister, der frühzeitig seine Hilfsabgebote vorstellen möchte.“
Auf dem Gebiet „Frühe Hilfen“ ist Hilgers Experte. Als damaliger Bürgermeister von Dormagen setzte er das Modell zur Prävention von familiärer Gewalt und Kindesmissbrauch um.
An der Tagung nahmen rund 180 Haupt- und Ehrenamtliche aus dem Bereichen Bildung und Jugendhilfe teil. Eingeladen hatte das Jugendamt. Am Abend zuvor hatte es einen Empfang beim Kinderschutzbund Wilhelmshaven gegeben.
Nachdem Dr. Karin Tillessen die Vertreter von Behörden und Organisationen, darunter den Kinderschutzbund-Präsidenten Hilgers und den Bürgermeister Holger Barkowsky, begrüßt hatte, stellte die 1. Vorsitzende des Ortsverbands, Brigitte Tabbach, die Arbeit des über 50 Jahre alten Ortsverbandes vor.
