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Deutsche Thomas Cook sagt Reisen auch für 2020 ab
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Aktualisiert vor 29 Minuten.

Insolventer Reiseveranstalter
Deutsche Thomas Cook sagt Reisen auch für 2020 ab

NWZonline.de Sport Runde Sache

Besondere Atmosphäre nach dem Spiel in Wolgograd

27.06.2018

Kaum eine Stadt in Russland wird dermaßen mit den Grauen des Zweiten Weltkriegs in Verbindung gebracht wie die Millionenstadt Wolgograd, die bis 1961 Stalingrad hieß. Von August 1942 bis Februar 1943 fand hier die wohl erbittertste Schlacht des 2. Weltkrieges statt. Als die deutschen Truppen am 2. Februar 1943 schließlich kapitulierten und etwa 100 000 Soldaten in Kriegsgefangenschaft gingen, war die Stadt komplett zerstört und etwa 1,5 Millionen Menschen, überwiegend russische Soldaten und Zivilisten, waren den Kämpfen zum Opfer gefallen.

Brütende Hitze

Tausend Kilometer südlich von Moskau und etwa 400 Kilometer vor der Mündung der Wolga (längster europäischer Fluss) ins Kaspische Meer empfängt uns die Stadt, die bis 1961 den Namen Stalingrad trug, am frühen Morgen mit brütender Hitze. Schon in Moskau empfahlen Besucher des ersten WM-Spiels in Wolgograd, genügend Sonnenmilch und Insektenschutz mitzunehmen, die Hitze und die vielen Mücken seien schier unerträglich.

Karl-Udo Wenholt

Autor dieses Beitrages ist Karl-Udo Wenholt. Der Auricher, der seit Jahren zu Fußball-Turnieren reist, beschreibt exklusiv für diese Zeitung seine Russland-Eindrücke.

Dies bestätigt uns auch Elena, eine junge Wolgograderin, die zusammen mit ihrer Mutter ein WM-Spiel in Moskau besucht hatte, auf dem Rückweg in ihre Heimatstadt. „Ich habe schon immer davon geträumt, einmal ein Spiel von Cristiano Ronaldo zu sehen. Ich konnte es kaum glauben, dass wir tatsächlich zwei Tickets für das Spiel Portugals in Moskau bekommen haben“, so die 27-Jährige überschwänglich.

Da sie als Angestellte der russischen Fluggesellschaft Aeroflot auf dem Flughafen Wolgograd arbeitet, sei es ihr möglich, regelmäßig günstig ins Ausland zu reisen. Letztes Jahr habe sie Portugal und Deutschland besucht. „In Deutschland war es sehr schön, vor allem München hat mir gefallen. In Portugal aber habe ich mich sofort verliebt. Es ist einfach wunderschön“, schwärmt sie. Leben möchte sie aber lieber in Wolgograd. „Ich fühle mich sehr wohl hier, man kann schon sagen, dass ich meine Heimatstadt liebe.“ Vor allem das Klima mit den so unterschiedlichen Jahreszeiten gefällt ihr. „Diese langen heißen Sommer, an denen man abends lange draußen sitzen kann. Und dann die Wochenenden, die kann nim März der Schnee schmilzt, ist es auch immer ein bisschen wie eine Erlösung.“

Als wir uns dem Bahnhof der sich über sechzig Kilometer am westlichen Wolgaufer entlang streckenden Stadt nähern, weist sie uns auf das das Stadtbild beherrschende Bauwerk hin, das bereits deutlich aus dem Zugfenster zu erkennen ist: „Mutter Heimat“, eine Frau in wallendem Gewand, 85 Meter hoch und fast 8000 Tonnen schwer, ein 33 Meter langes Schwert über dem Kopf schwingend, dominiert das Stadtbild.

Die direkt gegenüber dieses beeindruckenden Denkmals eigens für die Weltmeisterschaft errichtete „Volgo-grad-Arena“ wirkt vor diesem Hintergrund dagegen eher profan. Vor dem Spiel Nigeria - Island am frühen Abend überwiegen die blauen Trikots der Anhänger Islands die Szenerie rund um die Arena. Fans der Westafrikaner sind nur selten zu sehen. Den Isländern, deren sympathischer Auftritt während der letzten EM vielen wohl noch gut im Gedächtnis scheint, fühlen sich offensichtlich auch viele der russische Besucher verbunden. Im Stadion herrscht eine angenehm entspannte Atmosphäre, begünstigt nicht zuletzt durch die noch immer hohen Temperaturen von mehr als 30 Grad.

Nach dem Ende des unterhaltsamen Spiels strömen viele der Zuschauer aus der Arena in Richtung der Gedenkstätte auf dem Mamajev-Hügel, wo vor nunmehr fast 75 Jahren die heftigsten Kämpfe stattfanden. Die anfangs heitere Stimmung der Stadionbesucher wird schnell fast andächtig - nachdenklichen Atmosphäre. Man setzt sich auf die Stufen rund um eine Wasserfläche, lauscht der gedämpft erklingenden klassischen Musik und betrachtet die Statuen und in Felsen geschlagene Reliefs, die den Kampf der sowjetischen Soldaten darstellen. Stimmen sind nur gedämpft zu hören. Eine für nach einem Fußballspiel einmalige Atmosphäre stellt sich ein.

Am nächsten Tag bleibt noch Zeit, die Stadt zu erkunden. Durch den Krieg fast komplett zerstört, ist das einzige im Februar 1943 noch unbeschädigte Haus eine Sehenswürdigkeit der besonderen Art. Ein klassisches Zentrum ist nicht zu finden. Der in den 1950er Jahren, wie fast alle größeren Gebäude der Stadt im Stil des sowjetischen Klassizismus errichtete Hauptbahnhof umgeben von breiten Hauptverkehrsstraßen dominiert den Innenstadtbereich.

Spiel der Deutschen

Am Abend schauen wir das Spiel der DFB-Elf gegen Schweden in einer kleinen Bar am Stadtrand. Der Wirt gibt sich als großer Anhänger des deutschen Teams zu erkennen: „Die Deutschen spielen wie eine Maschine. Ich mag das sehr, ich liebe es, diesen Fußball zu schauen.“ ist er bereits vor dem Spiel zuversichtlich. Als dann in der Schlusssekunde der Siegtreffer für Deutschland fällt, spendiert er eine Runde kalte Getränke. Die Freude, die er darüber empfindet, dass seine ausländischen Gäste einen Sieg feiern können, ist unübersehbar.

Am nächsten Tag gilt es Abschied nehmen aus Wolgograd. Die Vermieterin unserer Privatunterkunft, wie viele Einwohner der Stadt hatte sie das Wochenende mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn zeltend am Ufer der Wolga verbracht, kommt um uns zu verabschieden. Nur ein Bruchteil der bereitgestellten Speisen und Getränke konnte während des kurzen Aufenthalts verzehrt werden. Zum Abschied möchte die junge Frau unbedingt ein Foto. Während letzte Gepäckstücke verstaut werden, präsentiert sie eine große sowjetische Fahne mit der Aufschrift: „9.Mai - Tag des Sieges!“ „Diese Fahne muss mit auf’s Bild, das hat bei uns Tradition – und einen Sieg gab es ja gestern schließlich auch!“

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