CäCILIENGRODEN - Es war der große Tag von „Deichgraf“ Alwin Tönnies. Er hatte zusammen mit Pastor Frank Klimmeck den Protest initiiert.

Von Thomas Neunaber

CÄCILIENGRODEN - Mittwochabend, kurz nach 21 Uhr in Cäciliengroden: Im Dorf läutet die Kirchenglocke. Auf dem Deich formiert sich eine lange Lichterkette. Stolz reckt ein Mann seine Fackel empor. Ein anderer zieht seine Frau zur Seite: „Weißt du noch, wie wir hier vor zehn Jahren standen, durchgefroren und nass bis auf die Knochen?“

Damals, am 30. August 1996, demonstrierten hier Tausende am Jadebusen gegen den Stopp der Deicherhöhung. An diesen großen Tag, als Cäciliengroden in aller Munde war, erinnerten die Gemeinde und der Deichband am Mittwochabend mit einem Deichfest und der Enthüllung eines „Koyer“-Denkmals (die NWZ berichtete). Viel Prominenz war gekommen, um den Cäciliengrodener Bürgerprotest an seinem zehnten Jahrestag zu würdigen. Mit dabei natürlich die damaligen Initiatoren der Lichterkette, Pastor Frank Klimmeck und „Deichgraf“ Alwin Tönnies (siehe Interview links).

An die Wut und das große Engagement der Cäciliengrodener in jener Zeit erinnerte Pastor Gerd Pöppelmeier beim Deichfestgottesdienst im Zelt. „Wir müssen in unserem Tun immer den Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie suchen“, mahnte der Geistliche.

Ein ähnliches Bürgerengagement wie beim Deichbau wünschte sich Bürgermeister Wesselmann für das nächste Großprojekt in der Gemeinde: die Bahnumgehung.

Pastor Frank Klimmeck zeigte sich versöhnlich. Er bat „die Naturschützer nachträglich um Verzeihung für manche verbale Prügelei im Eifer des Gefechts“. Unter dem Applaus der rund 300 Festgäste forderte Klimmeck, an der Autobahn ein Schild aufzustellen, das auf den Küstenschutz und den Skulpturenpfad am Deich hinweist. „So wird deutlich, dass auch Deichbau eine Kunst ist“, sagte er.

„Ich habe Verständnis für Ihren damaligen Zorn“, sagte Carl-Wilhelm Bodenstein-Dressler vom Naturschutzverband BUND, der damals federführend den gerichtlichen Baustopp erwirkt hatte. „Vor zehn Jahren hätte ich hier wohl kein Wort sagen können“, so der Umweltschützer. Diesmal durfte er ungestört reden und für die Position der Naturschützer werben, denen es seinerzeit bei ihrer Klage vor allem um den Schutz der Salzwiesen gegangen war.

Kein Verständnis für die Position des BUND zeigte Ex-Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke. „Wenn der blanke Hans kommt, kann ich nicht mit Schmetterlingen argumentieren“, sagte er unter tosendem Applaus im Festzelt. Damals sei er als „Umweltminister in Vertretung“ – „ich war die Schwangerschaftsvertretung für die Ministerin“ – mit der Deicherhöhung befasst gewesen. Er hoffe, dass die Protestaktion künftig in den Geschichtsbüchern auftauchen wird.

Etwas moderater ließ Festredner Hans-Heinrich Schrievers vom III. Oldenburgischen Deichband die Ereignisse Revue passieren. Doch auch er machte klar: „Wer einmal dem blanken Hans ins Gesicht gesehen hat, für den wird der Küstenschutz immer Priorität haben.“